Seit Personenautos stromlinienförmig gebaut werden, hat das Bild vom Trittbrettfahrer einiges von seiner Anschauungskraft eingebüßt. Aber Trecker, Tanklastzüge und Omnibusse kennen nach wie vor die Einsteige-Hilfe; und so ist es nicht einmal ehrenrührig, die Trucker-Demo am Brandenburger Tor als Veranstaltung von Trittbrettfahrern zu bezeichnen.
Spritpreise
Schläft die SPD? "Wir sind nicht für andere Schläfer verantwortlich", antwortet Klaus Staeck und bekennt sich anschließend zu seiner 40-jährigen Mitgliedschaft in dieser Partei.
Ruprecht Polenz schiebt sich langsam durch die Reihen: "Noch jemand einen Aufkleber gegen die Ökosteuer?" Nein, danke, sagt ein Mann in Jeans-Jacke und zeigt über die Schulter: Da klebt schon einer.
Mehrere Hundert Brandenburger Bauern haben sich gestern dem Protest der Lkw-Fahrer gegen hohe Spritpreise angeschlossen. Allerdings fuhren nur vereinzelt Traktoren bis ins Berliner Stadtgebiet.
Was der autofreie Tag nicht erreichte, schaffte die Lastwagendemo. Die Straßen waren weit leerer als üblich.
Der Güterverkehr wächst und wächst - auf der Straße. Bis zum Jahr 2015 soll er sich fast verdoppeln, sagen die Prognosen.
Manche Dinge ändern sich nie. Stehen ein paar Dutzend Lastwagenfahrer beisammen in Deutschland, dauert es meist nur Minuten, bis Gunter Gabriel die Gitarre auspackt und zu einer Hymne auf die ehrlichen, hart malochenden Asphalt-Cowboys anhebt.
Sprüche des Tages"Die CDU ist der Trittbrettfahrer unserer Aktion."(Harald Luther, Transportunternehmer aus Thüringen, vor dem Reichstagsgebäude)"Man muss mal zeigen, wo es in Deutschland langgeht, nachdem es in Frankreich auch geklappt hat.
"Wir müssen die Wähler überzeugen, überzeugen, überzeugen, dass Unabhängigkeit für Schottland richtig ist." Mit diesen Worten skizzierte John Swinney, der frisch gewählte Parteichef der schottischen Nationalisten, am Samstag in Inverness sein Programm.
Bei einem Spritpreis um die zwei Mark spüren die Verfechter alternativen Antriebs Aufwind. Autos können mit Strom, Bio-Diesel (Rapsmethylesther), Pflanzenöl (Raps- oder Sojaöl), Gas oder Wasserstoff (Brennstoffzelle) betrieben werden.
Die deutschen Autofahrer können wegen der sinkenden Rohölpreise und des Dollar-Rückgangs wohl mit fallenden Benzinpreisen rechnen. "Ich erwarte, dass die Benzinpreise innerhalb der kommenden zehn bis 14 Tage sinken werden", sagte Shell-Sprecher Rainer Winzenried am Montag.
Was die aktuelle Debatte um den Benzinpreis nicht vermuten lässt: Autofahren müsste eigentlich deutlich teurer sein. Zumindest wenn die Kosten, die durch gesundheitliche Folgen der Luftverschmutzung entstehen, den Verursachern in Rechnung gestellt würden.
"Bonita", goldgelbes Pflanzenöl, der Liter bei Penny für eine Mark und ein paar Pfennig zu haben. Bonita - man ahnt es schon - eignet sich "hervorragend" zum Salate-Anmachen, aber natürlich auch "zum Braten, Schmoren und Grillen".
Jeder darf hier für und gegen (fast) alles demonstrieren. Lohn und Preis der Freiheit.
Die einen halten es für einen ganz raffinierten Schachzug und die anderen für schiere Dusseligkeit. Was Günther Beckstein geritten hat, als er am Wochenende den gerade erst ausgerufenen Geschwisterfrieden zwischen CDU und CSU störte, darüber gibt es in beiden Parteien sehr unterschiedliche Auffassungen.
Es wird eng in den nächsten Tagen auf den Straßen, und das ist gut so. Denn die Lastwagenfahrer, die mit ihren Protesten eigentlich nur die Abschaffung der Öko-Steuer und europäische Kostengerechtigkeit im Sinn haben, liefern uns - unfreiwillig - etwas ganz anderes: einen Vorgeschmack auf den Verkehrsinfarkt, der die Straßen Deutschlands ereilen wird, wenn die Politik es nicht endlich schafft, die Lastwagenlobby zurückzudrängen und ihr jene Kosten tatsächlich aufzuerlegen, die sie jeden Tag verursacht.
Ab jetzt ist Moll angesagt. Das Wetter trüb, die Winde rau - was nützen da bunt fallende Blätter?
Vor dem Hintergrund hoher Ölpreise und trüber Branchenperspektiven öffnet an diesem Sonnabend in Frankfurt die 58. Internationale Automobil-Ausstellung Nutzfahrzeuge.
Die Bundesregierung will mit einer Entfernungspauschale und einem Heizkosten-Zuschuss die Folgen der Ölpreis-Krise abfedern. Weitere Entlastungen lehnte sie am Freitag ab.
Zum ersten europaweiten Autofreien Tag haben in Deutschland die wenigstens Autofahrer auf ihre Blechkarossen verzichtet. Durch viele der rund 170 Städte, die sich an der Aktion beteiligten, schoben sich am Freitag im Berufsverkehr die üblichen Blechkarawanen.
Für dieses ZDF-Politbarometer hat die Forschungsgruppe Wahlen vom 18. bis 21.
Im Umgang mit dem heiklen Öl-preis-Thema entdeckt die rot-grüne Koalition eine alte Tugend neu: Die Langsamkeit. Am heutigen Freitag sollte eigentlich ein Paket von Entlastungsmaßnahmen fertig sein.
Eine Bockwurst. Einfach nur eine richtig gute Bockwurst.
Auch die BVG ist da. Die Berliner Verkehrsbetriebe zeigen in Frankfurt einen Cabrio-Doppeldecker-Bus für Stadtrundfahrten; also ein Fahrzeug, das sich innerhalb von Sekunden öffnen und schließen lässt.
Normalerweise sind die Verhältnisse klar: Journalisten fragen, Politiker antworten. Im Alltag der Bundespressekonferenz antworten dreimal wöchentlich die Sprecher der Ministerien.
Herr Winzenried, Shell hat vor kurzem wieder das Benzin verteuert. Was wollen Sie den Autofahreren noch zumuten?
Der französische Premierminister hat "seinen" Truckerstreik noch lange nicht verdaut. Zwar hat Lionel Jospin die französische Krise - mit der bekanntlich die ganze europäische Streikbewegung anfing - vergleichsweise schnell und problemlos gelöst.
Die rasant gestiegenen Benzinpreise bringen Mercedes-Benz und Smart nicht ins Schleudern. Der Autokonzern Daimler-Chrysler erwartet für seine deutschen Pkw-Marken erneut ein Rekordjahr.
Den beiden Neulingen, "Yam" und "Vivian" gelang es am Mittwoch, die größte Aufmerksamkeit bei der Jahrestagung der Pressegrossisten in Baden-Baden zu erregen. Über die neue Teenie-Zeitschrift "Yam" aus dem Axel-Springer-Verlag wurde getuschelt, dass die erste Ausgabe wohl um die 500 000 Exemplare verkauft habe.
Volkswagen will bis 2003 ein Auto konstruieren, das nicht mehr als einen Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbraucht. "Ich bin sicher, dass ich es in meiner Amtszeit noch fahren werde", sagte Konzernchef Ferdinand Piëch dem Magazin "Stern".
Manchmal ist der politische Terminkalender einfach zu verstehen. Am Sonnabend finden Landesparteitage der SPD in Bayern und in Rheinland-Pfalz statt.
Frankreich schwenkt auf eine unorthodoxe Haushalts- und Steuerpolitik um. Kaum zwei Wochen nach dem Blockadestreik der französischen Fuhrunternehmer wird die Mineralölsteuer um 20 Centimes (rund 6 Pfennig) gesenkt.
Der Shell-Konzern hat eine neue Preisrunde an den Tankstellen eingeläutet. Ein Konzern-Sprecher begründete die Entscheidung mit dem schwachen Euro-Kurs und hohen Ölpreisen.
Nirgendwo in Europa gibt es höhere Benzinpreise als in Großbritannien. Und doch war es richtig, dass Premierminister Tony Blair der Forderung nach einer Senkung der Mineralölsteuer nicht nachgegeben hat.
Die Union will sich durch die Pläne der Bundesregierung zur sozialen Abfederung der hohen Benzin- und Heizölpreise nicht von ihrer Kampagne gegen die Ökosteuer abbringen lassen. Die Generalsekretäre von CDU und CSU, Ruprecht Polenz und Thomas Goppel, verurteilten am Dienstag alle Überlegungen als Stückwerk, eine Entfernungspauschale einzuführen und einen Heizkostenzuschuss zum Wohngeld zu gewähren.
Als innerer Kreis der Macht, Abteilung SPD, gilt das Quartett Schröder, Eichel, Struck, Müntefering. Plus Frank-Walter Steinmeier.
Wenn es brenzlig wird, zieht sich die Politik zurück, am liebsten hinter Zahlen: Während also die Hessen-CDU bereits die brutalstmögliche Unterschriftenkampagne gegen die Ökosteuer in Angriff nimmt, wird im Bundesfinanzministerium noch gerechnet. Man will wissen, was die Erhöhung der Kilometer-Pauschale und ihre gleichzeitige Verwandlung in eine Entfernungspauschale kosten würde.
An den Zapfsäulen gibt es wieder Sprit, aber Tony Blair hat nur noch wenige Tropfen Popularität im Tank. Drei große Meinungsumfragen gaben dem britischen Premierminister und seiner Partei eine fürchterliche Quittung für die Benzinkrise: Standen Labours Wahlchancen vor den Protesten auf satten 44 Prozent, so sind sie jetzt auf 34 Prozent gesunken - vier Punkte hinter den Konservativen.
Stau. Auf deutschen Autobahnen geht nicht mehr viel.
Die rot-grüne Koalition plant zur Entlastung der Pendler von den hohen Benzinpreisen eine Erhöhung der Kilometerpauschale. Sie soll gleichzeitig in eine verkehrsmittelneutrale Entfernungspauschale umgewandelt werden, wie es von den Grünen seit langem gefordert wird.