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Thema

Spritpreise

Im Jahr vor der Bundestagswahl hat sich im politischen Betrieb ein neues Ritual etabliert: Jedesmal, wenn die Mineralölkonzerne die Benzinpreise anheben, steigt auch der Nervositätspegel in der rot-grünen Regierungskoalition. Und deshalb hat Berlin am Freitag einen Tag der Dementis erlebt, an dessen Ende sich trotz vieler Erklärungen die Spannung doch nicht richtig löste: Nein, versicherten SPD-Generalsekretär Franz Müntefering, der Grünen-Parteivorsitzende Fritz Kuhn und Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye einhellig, die Bundesregierung werde die nächste Stufe der Ökosteuer im Jahr 2002 nicht aussetzen.

Von Hans Monath

Einen Spitzengespräch über den Benzinpreis in Deutschland wird es vorerst nicht geben. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Forderung der schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) zurückgewiesen, wegen der gestiegenen Benzinpreise ein Gipfeltreffen mit den Mineralölkonzernen einzuberufen.

Mit den gestiegenen Preisen für Treibstoff und Nahrungsmittel haben die Lebenshaltungskosten in diesem Monat klar angezogen: Nach ersten Daten aus drei der 16 Bundesländer kletterte der Preisindex um rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit so hoch wie teilweise seit sieben Jahren nicht mehr. In Brandenburg erreichte die auf ein Jahr berechnete Inflationsrate 3,3 Prozent, in Bayern 2,8 Prozent und in Baden-Württemberg 2,9 Prozent.

Angesichts steigender Spritpreise sind Erdgasautos auf dem Vormarsch. "Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird sich die Zahl der Erdgastankstellen in Deutschland fast verdoppeln", sagte Manfred Scheibe, der Direktor Kundenbetreuung der ostdeutschen Verbundnetz Gas AG (VNG) am Montag auf der Leipziger Auto Mobil International.

Trotz entrüsteter Proteste von Politikern und Autofahrern verharren die Spritpreise auf Rekordniveau. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering warf den Mineralölkonzernen vor, sie nähmen die gegenwärtigen Preisspitzen mit, gäben aber die Preistäler nicht an die Verbraucher weiter.

In der Sonderschau "Motion, Drive & Automation" zeigen über 1300 Aussteller die neuesten Entwicklungen an Triebwerken, Turbinen, Hydraulik und Motoren (Hallen 19 bis 26). Neben Flugzeugtriebwerken, die immer weniger Sprit verbrauchen, leiser sind und nur noch geringe Emissionen ausstoßen, stehen sparsame Verbrennungsmotoren im Mittelpunkt des Interesses, nicht zuletzt wegen der steigenden Benzinpreise.

Die CDU fordert als Konsequenz aus den rapide gestiegenen Benzinpreisen die rasche Entwicklung alternativer Automotoren. "Wir müssen jetzt Millionen in die Hand nehmen, um die Entwicklung neuer Antriebssysteme für das Auto zu beschleunigen und von der Abhängigkeit vom Erdöl wegzukommen", sagte CDU-Vize Christian Wulff der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Bundeskanzler Gerhard Schröder fürchtet, dass die jüngsten Benzinpreiserhöhungen der Automobilkonjunktur und dem Wirtschaftsleben insgesamt schaden könnten. "Ich hoffe, dass wir runterkommen von den hohen Preisen", sagte Schröder am Freitag.

Die "Bild"-Zeitung machte sich wieder zum Sprachrohr kollektiver Ängste: "Benzin bald drei Mark?", fragte das Boulevardblatt am Freitag in großen Lettern auf der ersten Seite.

Von Hans Monath

Die Benzinpreise in Deutschland sind am Mittwoch auf ein nie dagewesenes Niveau gestiegen: Nach einer Anhebung um fünf Pfennig kostet Normalbenzin nun 2,119 Mark, Super 2,159 Mark und Super plus 2,249 Mark. DEA-Sprecher Harald Gräser begründete die Anhebung in Hamburg mit den hohen Preisen auf dem Weltmarkt für Benzin.

Das Bundeskartellamt in Bonn sieht trotz der Proteste der Politiker und Verbände gegen die drastischen Benzinpreiserhöhungen zum Beginn der Osterreisewelle keinen Grund, gegen die Mineralölkonzerne vorzugehen. "Wir beobachten die Mineralölbranche intensiv.

Nun wissen wir also, warum das Benzin schon wieder teurer geworden ist. Die geldgierigen Öl-Multis sind schuld, denn sie haben gemeinsam heimlich Preiserhöhungen beschlossen, um im Oster-Reiseverkehr den Autofahrer abzuzocken.

Von Carsten Brönstrup

Die Benzinpreise in Deutschland sind so hoch wie noch nie. Nach Einschätzung des Hamburger Branchendienstes EID haben Einflüsse aus den USA dazu beigetragen, den Großhandelspreis für Benzin auf mehr als 300 Dollar je Tonne zu treiben.

Durch den anhaltenden Preiskampf an den deutschen Zapfsäulen ist der Bochumer Aral-Konzern in die roten Zahlen gerutscht. Für das Geschäftsjahr 2000 habe das zum Eon- Konzern gehörende Unternehmen nach Verlusten "in dreistelliger Millionenhöhe" im Tankstellengeschäft das schlechteste Ergebnis der vergangenen 15 Jahre erzielt, sagte Aral-Vorstandschef Günter Michels am Mittwoch in Bochum.

Für die Verbraucher in Deutschland werden sich die jüngsten Förderkürzungen der Opec nur wenig auswirken. Die Mineralölkonzerne rechnen mit einem weitgehend stabilen Preisniveau, nachdem sich die Preise für Öl und Ölprodukte an den internationalen Märkten am Montag nur innerhalb der üblichen Schwankungsbreiten bewegten.

In Deutschland sind die Kraftstoffpreise nach einer Untersuchung des ADAC weitaus geringer als in vielen anderen europäischen Ländern. Während die deutschen Autofahrer zurzeit durchschnittlich 2,06 Mark pro Liter bleifreies Superbenzin bezahlen müssten, liege der Preis in Großbritannien bei umgerechnet 2,67 Mark, heißt es in der am Donnerstag in München veröffentlichten Studie.

Die Grünen wollen in ihrem künftigen Grundsatzprogramm dem Grundwert der Freiheit eine zentrale Rolle geben. Das geht aus vom Bundesvorstand beschlossenen Thesen hervor, die den Delegierten für den Bundesparteitag im März in Stuttgart übermittelt wurden.

Von Matthias Meisner

Wenige Monate vor Chinas WTO-Beitritt nehmen weltweit führende Autokonzerne im Reich der Mitte ihre Startposition für das vermeintlich lukrative Kleinwagensegment ein. General Motors baut in seiner 1,5 Milliarden Dollar teuren Fabrik in Schanghai seit Dezember den Sail, ein Auto, das auf dem Opel Corsa basiert und im Sommer auf den chinesischen Markt kommt.

Der Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, Robert Hendry, wirft nach einem Betriebsverlust von rund einer Milliarde Mark im vergangenen Jahr das Handtuch. Ende März will der Amerikaner den Opel-Aufsichtsrat um die "Entbindung" von seinen Pflichten bitten, kündigte Hendry auf der Bilanzpressekonferenz des Rüsselsheimer Autoherstellers am Mittwoch in Frankfurt an.

Zum Ausgleich für die zeitweise stark gestiegenen Öl- und Spritpreise sollen die Autofahrer über die Einkommensteuer entlastet werden. Doch die bisherige Kilometerpauschale von 70 Pfennig je Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz wird nicht nur vom elften Kilometer an auf 80 Pfennig erhöht - sie wird gleichzeitig in eine reine Entfernungspauschale umgewandelt und steht damit auch Bus-, Bahn und Radfahrern sowie Fußgängern zu.

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