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Thema

Spritpreise

Man soll ja mit Prognosen vorsichtig sein am Anfang eines neuen Jahres. Aber wenn wir trotzdem mal eine wagen dürfen: Die neue Benzinwutwelle, unter der CDU, CSU und FDP die rot-grüne Ökosteuer zu begraben suchen - sie wird rasch in sich zusammenfallen.

Von Robert Birnbaum

Kurz vor dem erneuten Preissprung bei Benzin um sieben Pfennige hat Grünen-Chef Fritz Kuhn die Ökosteuer erneut verteidigt. "Die Mehrheit der Bevölkerung versteht, dass wir eine ökologische Besteuerung in Deutschland brauchen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Fokus".

Was hat Kerstin Müller bloß auf die Idee gebracht, ausgerechnet jetzt öffentlich über weitere Erhöhungen der Ökosteuer nach 2003 nachzudenken? Sie sollte doch wissen, dass sie ihrer Partei mit einer neuen Debatte über unaufhörlich steigende Spritpreise nur schadet.

In diesem Jahr machte ein fast vergessenes Wort die Runde: Ölpreisschock. Auto- und Lkw-Fahrer gingen in Deutschland und Frankreich auf die Straße, weil sie sich durch die hohen Benzinpreise bedroht fühlten.

Von Bernd Hops

Die hohen Benzinpreise und die großen Gebrauchtwagenbestände haben in diesem Jahr in Deutschland zu einem drastischen Absatzrückgang bei Neuwagen geführt. Bis Jahresende wird der Verkauf von Neuwagen verglichen mit dem Vorjahr voraussichtlich um 10,6 Prozent auf rund 3,40 Millionen Fahrzeuge (Vorjahr 3,80 Millionen) sinken, teilte der Verband der Importeure von Kraftfahrzeugen (VDIK), Bad Homburg, am Freitag in Sondershausen (Thüringen) mit.

Nach mehrstündigen Beratungen haben sich SPD und Grüne am Mittwochabend auf eine Entfernungspauschale zum Ausgleich höherer Spritpreise geeinigt. Danach wird vom kommenden Jahr an eine Pauschale von 70 Pfennig bis einschließlich zehn Kilometer eingeführt.

Der Ursprung des rot-grünen Streits um die Pendler-Pauschale findet sich in der Koalitionsvereinbarung von 1998. "Die neue Bundesregierung strebt an, die heutige Km-Pauschale in eine Entfernungspauschale umzuwandeln", heißt es dort.

Am Montagabend wollten sie sich in der Hamburger Landesvertretung: die grüne Fraktionschefin Kerstin Müller, Hans Eichel und sozialdemokratische Länderfinanzminister. Ob Rot und Grün dann wieder vereint schlagen, steht dahin.

Von Tissy Bruns

Tagtäglich dasselbe Bild in Berlin: Verkehrschaos, Massen von Leuten auf dem Weg ins Büro und zur Schule. Sie sind zu Fuß, auf dem Fahrrad, auf Rollerblades, dem - neuesten Trend - Cityroller, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und größtenteils natürlich mit dem Auto unterwegs.

Mit den Benzinpreisen steigt auch die Zahl der Sprit-Diebe. Wie die in Berlin erscheinende Zeitschrift "Auto/Straßenverkehr" berichtet, erwartet allein die Arbeitsgemeinschaft der Bundesautobahn-Tankstellen einen Anstieg der Zahl der Diebstähle in diesem Jahr um 50 000 auf 250 000.

In den politischen Meinungsumfragen geht es derzeit zu wie an den Börsen: mal heftig rauf, mal heftig runter. Hohe Volatilität, nennen das die Fachleute, und für eine Aktie ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen, schon gar nicht für gediegene Blue Chips aus der Old Economy, die dem Anleger wegen ihrer Solidität gefallen.

Von Albert Funk

Keine Sorge, sie werden sich einigen. Hans Eichel wird den Bundesländern einen Batzen Geld auf den Tisch legen, um ihre Zustimmung zum Entlastungspaket zu bekommen, mit dem die Bundesregierung die hohen Energiepreise ausgleichen will.

Während viele Studenten noch am Frühstückskaffee nippen, schiebt Jürgen Spethmann bereits ihr Mittagessen in den Ofen. Um halb neun hat der Koch in der Mensa der FU-Rostlaube schon 50 Kilo Brokkoli blanchiert, die gleiche Menge Kartoffeln gekocht, 400 Eier abgelassen und das Ganze backfertig auf große Bleche verteilt.

Von Tilmann Warnecke

Die Spannungen im Nahen Osten haben den Ölpreis an der Londoner Ölbörse am Montag steigen lassen. Ein Barrel (gut 159 Liter) Rohöl der Nordsee-Referenzsorte Brent wurde gegen Mittag mit 30,80 Dollar gehandelt, nach 30,75 Dollar zu Handelsstart und 30,10 Dollar am Freitag in New York.

"Erstaunlich günstige Angebote" hat die Verbraucherzentrale bei den Berliner Tankstellen ausgemacht, sie interpretiert dies als "Jagd auf die Verbraucher". Um 13 bis 14 Pfennige seien die Spritpreise in den letzten 14 Tagen gesunken, teilweise lägen die Abgabe- offenbar unter den Einkaufspreisen.

Die Pyramiden von Gizeh, würden sie heute gebaut, wären wohl zuerst auf einer Website zu besichtigen. So jedenfalls gehen es die Planer eines Monuments an, das den Pyramiden wenn nicht an Größe, so doch an Ewigkeitsanspruch ebenbürtig sein soll.

Die EU-Kommission hat angesichts hoher Rohöl- und Benzinpreise einen neuen Vorstoß für eine Energie-Versorgungssstrategie unternommen. Ziel sei es, gemeinsam gegen Spekulationen und die dadurch verursachten Preisschwankungen vorzugehen und Maßnahmen zum Energiesparen zu entwickeln, erläuterte die Kommissarin für Verkehr und Energie, Loyola de Palacio, in Straßburg.

Aus dem Finanzministerium kommt ein klares Nein. Es wird keine Kompensation für die Länder geben, die wie der Bund aufkommen müssen für das Entlastungspaket, das Kanzler und Finanzminister am vergangenen Freitag unter dem Druck der Benzinpreis-Diskussion verkündet haben.

Von Tissy Bruns

Hohe Verluste im nordamerikanischen Pkw-Geschäft werden in diesem Jahr deutliche Spuren beim Ergebnis des Autokonzerns Daimler-Chrysler hinterlassen. Wie das deutsch- amerikanische Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart berichtete, habe die Chrysler Group im dritten Quartal einen operativen Verlust in Höhe von 600 Millionen Euro (1,17 Milliarden Mark) hinnehmen müssen.

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