Vor dem G-20-Finanzminister-Treffen : Staaten wollen Kryptowährung regulieren

Deutschland und Frankreich wünschen sich verbindliche Regeln für Kryptowährungen wie Bitcoin. Das bringt aber nur etwas, wenn andere G-20-Staaten mitziehen.

Burger gegen Bitcoin. Mit der Kryptowährung kann man theoretisch auch zahlen wie hier in Kreuzberg.
Burger gegen Bitcoin. Mit der Kryptowährung kann man theoretisch auch zahlen wie hier in Kreuzberg.Foto: imago/Klaus Martin Höfer

Google hat vorgesorgt. Ab Juni will der Techkonzern keine Werbung für Kryptowährungen wie Bitcoin mehr ausspielen – weder auf der Suchmaschine noch beim hauseigenen Videoportal Youtube. Auch  Facebook hat solche Anzeigen bereits ausgeschlossen. Zu oft stehen dahinter zweifelhafte Geschäftsmodelle, zu oft fallen Verbraucher darauf rein. Google und Facebook greifen der Politik damit vor. Denn wenn sich von diesem Montag an in Buenos Aires die Finanzminister der G-20-Staaten treffen, werden sie auch darüber sprechen, wie man die Kryptowährungen regulieren könnte.

Angestoßen haben das Deutschland und Frankreich. Beide Staaten wollen sich auf G-20-Ebene für einen koordinierten Umgang mit Bitcoin und Co. einsetzen. Denn es hilft nichts, wenn ein Land allein Regeln für den Handel mit Kryptowährungen definiert. Schließlich werden sie weltweit gehandelt, Bitcoin-Börsen aus den USA konkurrieren mit denen aus Japan. Da bringt es wenig, wenn Deutschland schon jetzt strenge Vorgaben macht. Ohne eine Banklizenz oder die Kooperation mit einer Bank kann man hierzulande zum Beispiel keine Bitcoin-Börse aufmachen. Deshalb gibt es in Deutschland auch bislang nur einen einzigen Anbieter – was Nutzer aber natürlich nicht davon abhält, Bitcoins auf ausländischen Internetseiten zu kaufen, die weniger strengen Regeln unterliegen.

Verbraucher sollen besser geschützt werden

Die Finanzminister und Zentralbankchefs von Deutschland und Frankreich werben deshalb in einem gemeinsamen Brief an die argentinische G-20-Präsidentschaft dafür, für Kryptowährungen strenge Informationspflichten einzuführen: Für Bitcoins und Co. müssten ähnliche Regeln gelten wie für andere Finanzpapiere, fordern sie. Verbraucher müssten dann zum  Beispiel stärker über die Risiken aufgeklärt werden, die sie mit dem Kauf von Kryptowährungen eingehen. Start-ups, die sich über die Ausgabe eigener Digitalwährungen finanzieren, könnten einen Prospekt vorlegen müssen – ähnlich wie es bei einem klassischen Börsengang der Fall ist.

Dazu kommen neue Regeln, die Geldwäsche und Terrorfinanzierung mittels Kryptowährungen verhindern sollen. So könnten Plattformen, auf denen sie gehandelt werden, unter die Finanzaufsicht fallen. Nutzer wären dann gezwungen, sich auszuweisen. Wie beim Eröffnen eines Bankkontos müssten sie dann per Post- oder Videoident ihre Identität offenlegen. Die EU hat bereits eine Richtlinie verabschiedet, die genau das vorsieht. Nun ist es an den Mitgliedsstaaten, sie umzusetzen. Eindämmen kann man Geldwäsche und Terrorfinanzierung durch Kryptowährungen aber nur, wenn diese Regeln auch international gelten.

Anonyme Zahlungen sollen der Vergangenheit angehören

Ihre Einführung ist in der Branche allerdings umstritten, weil die Anonymität bei manchen Kryptowährungen zum Geschäftsmodell gehört. Mit sogenannten Privacy Coins wie Monero, Dash und Zcash kann man Digitalgeld weltweit transferieren, ohne seine Identität offenzulegen. Diese Kryptowährungen müssten nach den neuen Regeln aber angepasst oder verboten werden. Mit Bitcoin gäbe es solche Probleme dagegen nicht, weil jedem Nutzer ohnehin schon eine Bitcoin-Adresse zugeordnet ist, wodurch die Zahlungen nachverfolgt werden können. Solange man die Adresse auch mit dem eigenen Namen verknüpft hat, ist man auf der sicheren Seite. So könnte Bitcoin erhalten bleiben – aber seltener für kriminelle Geschäfte genutzt werden.

Dass sich die G-20-Staaten bereits in den kommenden Tagen auf solche konkreten Regeln für Kryptowährungen einigen könnten, gilt als unwahrscheinlich. Deutschland und Frankreich fordern deshalb auch zunächst einmal, ein internationales Expertengremium wie den Finanzstabilitätsrat mit einem Gutachten zu beauftragen. Diese Gruppe soll dann Vorschläge für das weitere Vorgehen machen. Außerdem ist es nach Ansicht von Deutschland und Frankreich auch eine Option, den Internationalen Währungsfonds (IWF) einzuschalten.

IWF-Chefin schlägt Blockchain-Lösung vor

Dessen Chefin hat vor wenigen Tagen einen Vorschlag gemacht, wie man die kriminellen Geschäfte mit Kryptowährungen eindämmen könnte. Man müsse Feuer mit Feuer bekämpfen, fordert Christine Lagarde in einem Blogeintrag auf der Internetseite des IWF. Ihr Vorschlag: Man solle einfach die Technologie hinter Bitcoin – die sogenannte Blockchain – nutzen, um den Handel in den Griff zu bekommen.

Mit der Blockchain kann man nämlich nicht nur digitales Geld schnell und günstig weltweit übertragen, sondern auch alle möglichen anderen Informationen. So könnten Aufsichtsbehörden weltweit zum Beispiel die Blockchain-Technologie einsetzen, um sich wechselseitig und unbürokratisch auf auffällige Transaktionen aufmerksam zu machen. Als Vorbild für eine solche internationale Zusammenarbeit nennt Lagarde die Stilllegung des Online-Marktplatzes AlphaBay. Über den sind bis letzten Sommer im Darknet Drogen, verschreibungspflichtige Medikamente und Waffen gehandelt worden – bezahlt wurde mit den Kryptowährungen Bitcoin und Monero.

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