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Entspannt am Strand. Damit es im Urlaub auch so bleibt, gilt es einiges zu beachten.

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Teure Ferien: Wie Sie sich vor Kostenfallen im Urlaub schützen

Mietwagen in Nizza, Batterien in Kroatien, Geldautomaten in Spanien oder Shoppen am Flughafen Prag – all das kann teuer werden. Die größten Kostenfallen im Überblick.

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Telefon

Mit dem Handy im Ausland zu telefonieren ist immer noch teurer als zu Hause. Während die meisten daheim günstige Pauschaltarife nutzen, ist man im Urlaub in fremden Netzen unterwegs (Roaming). Jede Minute kostet extra.

Damit Urlauber in der Europäischen Union nicht über Gebühr belastet werden, hat die EU-Kommission in die Preisgestaltung eingegriffen und Preisobergrenzen festgelegt. Abgehende Gespräche innerhalb der EU dürfen für Kunden mit deutschen Verträgen maximal 42 Cent pro Minute kosten, ankommende nicht mehr als 13 Cent. SMS kosten ebenfalls 13 Cent je Nachricht, ihr Empfang ist kostenlos. Im Juli sinken die Preise weiter: auf 35 Cent für abgehende und zehn Cent für eingehende Anrufe. SMS dürfen dann nur noch elf Cent kosten. Aber aufgepasst: Die Mobilfunkbetreiber können Optionen anbieten, die den EU-Tarif aufheben. Manchmal sind diese abweichenden Optionstarife automatisch voreingestellt. Wer das nicht will, muss den Tarif wechseln.

Gut gesprochen

© picture alliance / dpa-tmn

Achtung: Richtig teuer wird es, wenn man die EU verlässt und zur Europameisterschaft in die Ukraine, in die Sonne Mexikos oder an die Strände der Türkei reist. Weil die EU-Obergrenzen dort nicht gelten, können Telefonate auch mehr als einen Euro pro Minute kosten.

Und auch wer mit dem Smartphone auf Reisen geht, kann eine böse Überraschung erleben – dann nämlich, wenn er wie gewohnt mit dem Handy im Internet surft. In der EU gilt ab Juli zwar erstmals eine Kostengrenze von 83 Cent pro Megabyte Datenverkehr. Das Checken der E-Mails ist damit nicht allzu teuer, aber das Verschicken von Urlaubsfotos und -videos kann schnell ins Geld gehen. Einziger Trost: Nach EU-Recht muss der Kunde per SMS – einmalig – gewarnt werden, wenn die Kosten 59,50 Euro brutto erreichen. Corinna Visser

Mietwagen

47,40 Euro am Tag für einen Kleinwagen in Antalya, 104 Euro für ein vergleichbares Modell in Nizza: Je nach Ferienort kann der Preis für einen Mietwagen mächtig auf die Reisekasse drücken. Der ADAC empfiehlt, das Auto in jedem Fall schon von zu Hause aus zu buchen, um den günstigsten Anbieter vor Ort zu finden. Daneben gibt es bei der Autoanmietung aber eine ganze Reihe weiterer Kostenfallen zu beachten.

Bieten Vermieter etwa großzügig an, das Auto nach der Rückgabe selber aufzutanken, stellen sie dafür zuweilen beachtliche Aufwandsentschädigungen in Rechnung. Ordentlich draufzahlen muss man häufig auch dafür, eine zweite Person als zugelassenen Fahrer eintragen zu lassen. Kindersitz, Navigationsgerät und Diebstahlschutzversicherung werden vielerorts ebenfalls extra berechnet. Überhaupt sollten Kunden die Versicherungsklauseln gründlich studieren und lieber ein paar Euro für ein Upgrade investieren. „Ein sogenannter Komplettschutz deckt oft nicht einmal die Basisschäden ab, da hat der Nutzer eine hohe Selbstbeteiligung“, heißt es beim ADAC. Verbraucherschützer warnen zudem vor listigen Vermietern: Kunden sollten darauf beharren, dass Kratzer im Autolack bei der ersten Übergabe genau dokumentiert werden – ansonsten wird dafür im Nachhinein gern der Kunde belangt, der sie gar nicht verursacht hat. Maris Hubschmid

Bares besorgen

Noch kann man in Europa fast überall mit dem Euro zahlen – auch in den Euro-Krisenländern Griechenland, Italien, Spanien oder Zypern. Nur wenige EU-Staaten haben ihre Landeswährung behalten und sich gegen die Gemeinschaftswährung entschieden: Schweden etwa, Dänemark oder Großbritannien. Wer in eines dieser Länder fährt oder seine Ferien außerhalb der Europäischen Union verbringt, fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt – in eine Zeit, als man vor jeder Auslandsreise an den Bankschalter gegangen ist, um seine D-Mark gegen Franc, Lire oder Gulden zu tauschen. Oder um Reiseschecks zu kaufen, die man dann später im Urlaubsland in feudalen Bankfilialen oder feinen Hotels gegen die Landeswährung eintauschen konnte.

Reiseschecks gibt es immer noch. Aber um damit in Euro-Land zu zahlen, sind sie zu teuer. Ein bis zwei Prozent des Gesamtbetrags fallen schon beim Kauf als Gebühren an, bei der Einlösung können weitere Kosten anfallen. Dafür sind Reiseschecks sicher: Beim Empfang muss man jeden Scheck unterschreiben, bei der Einlösung ist eine zweite Unterschrift fällig, und man muss sich zusätzlich auch noch ausweisen. „Reiseschecks sind vor allem für exotische Orte sinnvoll, an denen es keine Geldautomaten gibt“, meint Julia Topar vom Bankenverband. Auch von Bargeld rät die Sprecherin ab: Der Umtausch in der Bank oder in der Wechselstube sei einfach zu kostspielig. Reisegeld solle man sich stattdessen am Geldautomaten besorgen, empfiehlt Topar.

Doch auch das kann teuer werden, wie unsere Tabelle zeigt. Gebühren von sechs Euro oder mehr sind normal, mit der Kreditkarte wird es oft noch teurer. Tipp: Einige Banken haben Kooperationspartner im Ausland, bei denen die Automatennutzung kostenlos ist. Und mit der Kreditkarte der ING-Diba, der Deutschen Kreditbank und der Berliner Sparkasse (im Rahmen des Reisepakets) kann man sich die Zusatzgebühren am Automaten ebenfalls sparen. Heike Jahberg

Sonnencreme

Es ist ein Klischee und kommt doch oft genug vor: Man klappt den Koffer am Reiseziel auf und stellt fest, dass man zwar ein Dutzend Bücher dabei hat, aber keine Zahnbürste. In etlichen Urlaubsorten wird die Not der Touristen in solchen Fällen schamlos ausgenutzt, wie der ADAC festgestellt hat. Im türkischen Marmaris etwa sollte die günstigste Zahnbürste, die die Tester auftreiben konnten, vier Euro kosten. Noch teurer zu stehen kommt die Vergesslichkeit den Reisenden, wenn er seine Sonnencreme daheim vergessen hat. Was im Drogeriemarkt in der Regel für wenige Euro zu haben ist, kostet am Timmendorfer Strand an der Ostsee bereits mehr als das Doppelte, in französischen Küstenorten muss man gar bis zu sechs Mal so viel für den Sonnenschutz ausgeben: 25 Euro für 250 Milliliter sind es etwa in Saint-Jean-de-Monts.

Tourismus-Expertin Sabine Zuschrott vom ADAC fallen zahlreiche weitere Beispiele ein: In den Niederlanden sollen Eltern für eine schlichte Kinderbadehose mancherorts 25 Euro bezahlen, bei Standardbatterien im Viererpack variierte der Preis im Test zwischen einem Euro (Spanien) und mehr als elf Euro (Kroatien). Pflaster, Sonnenschirm, Schnorchelset, Getränke am Strand – all das kann die Reisekasse ganz schön belasten. Verbraucherschützer raten deswegen dazu, vor der Abreise eine detaillierte Checkliste anzufertigen, damit man sich das Urlaubsgeld für ein gutes Essen aufsparen kann. Maris Hubschmid

Duty Free

Gut gekauft

© Mike Wolff

Ein Muss für Schnäppchenjäger: vor dem Abflug noch schnell in den Duty-Free-Laden am Flughafen und steuerfrei Zigaretten und Schnaps gekauft. Seit 1999 ist dieser Spaß vorbei. Bei Reisen innerhalb der EU können Fluggäste seitdem nicht mehr abgabenfrei shoppen, die früheren Duty-Free-Läden sind – rechtlich gesehen – nur noch ganz normale Flughafenshops. Mit ganz normalen Preisen?

Wer am falschen Airport einkauft oder die falschen Waren in den Korb legt, zahlt drauf, warnt der ADAC. Der Autoclub hat Testkäufe an elf europäischen Flughäfen gemacht – und ist dabei auf wahnwitzige Preisspannen gestoßen. Die Flasche Remy Martin etwa gab es in London für 37,42 Euro, in Prag kostete die gleiche Flasche stolze 66,91 Euro. Dagegen können Raucher die Stange Camel in der tschechischen Hauptstadt für 33,48 Euro kaufen, in Paris muss man 25 Euro mehr ausgeben. Vergleichsweise günstig sind die deutschen Läden. Hinter London, der besten Shoppingadresse, kommen bereits Düsseldorf, Frankfurt und München. Berlin war nicht im Test, dürfte sich aber in etwa auf dem Niveau der anderen deutschen Flughäfen bewegen. Dort einzukaufen ist oft sogar günstiger als in der Innenstadt zu shoppen. Bei 90 Prozent der Artikel in deutschen Duty-Free-Shops lägen die Preise um bis zu 30 Prozent unter den Einzelhandelspreisen in der City oder im Internet, heißt es beim Marktführer Gebrüder Heinemann. Das lässt sich das Unternehmen auch regelmäßig vom Tüv Rheinland bestätigen. Und: „Unabhängig vom Flugziel zahlt jeder Kunde den gleichen Preis“, betont Firmensprecherin Lara Vitzthum. Nur bei Zigaretten sei das anders. In Prag und Paris sollte man dagegen auf der Hut sein: Beide Airports gehören zu den teuersten in Europa, warnt der ADAC. Heike Jahberg

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