• Coronavirus breitet sich in China aus: Behörden fürchten die Reisewelle zum Neujahrsfest

Coronavirus breitet sich in China aus : Behörden fürchten die Reisewelle zum Neujahrsfest

Millionen Chinesen sind unterwegs, um mit den Familien in das Jahr der Ratte zu feiern. Das macht die Kontrolle des Wuhan-Virus zur Herausforderung.

Kampf gegen das Coronavirus: Temperaturdetektoren an einem Bahnhof in Wuhan
Kampf gegen das Coronavirus: Temperaturdetektoren an einem Bahnhof in WuhanFoto: Reuters/China Daily

Kein Feiertag ist den Chinesen so wichtig wie das Neujahrs- oder Frühlingsfest. Das Jahr der Ratte nach dem Mondkalender beginnt am 25. Januar – und mehrere Hundert Millionen Chinesen sind schon per Zug, Bus oder Flugzeug unterwegs im Lande, um mit ihren Familien in den Städten und Dörfern zu feiern. Drei gesetzliche Feiertage gewährt die Obrigkeit den Bürgern der Volksrepublik. Die meisten werden deutlich mehr Tage freinehmen, so wie es im Westen Millionen von Menschen zu Weihnachten und für die Zeit bis Neujahr machen.

Aber nicht nur gefühlt die halbe Volksrepublik wird unterwegs sein zu den Festessen und Familientreffen am traditionellsten aller Feste in China. Überall im chinesischen Kulturkreis – in Hongkong, auf Taiwan und in Ländern mit einem großen chinesischen Bevölkerungsanteil wie Indonesien, Malaysia oder Singapur – wird das Jahr der Ratte im Familienkreise begrüßt werden.

Auch aus den USA oder Europa fliegt die Verwandtschaft dazu ein, die „Overseas Chinese“ kommen in die alte Heimat – und zu diesem chinesischen Neujahr wächst damit die Sorge vor einer raschen Verbreitung des Coronavirus über das gegenwärtige Zentrum der Krankheit, die Stadt Wuhan und die zentralchinesische Provinz Hubei, hinaus.

Reisewelle zum Frühlingsfest: Menschen warten am Südbahnhof von Guangzhou in der Provinz Guangdong auf ihren Zug.
Reisewelle zum Frühlingsfest: Menschen warten am Südbahnhof von Guangzhou in der Provinz Guangdong auf ihren Zug.Foto: dpa/Xinhua/Liu Dawei

„Wir sollten strikte Wachsamkeit üben“, sagte der Vizechef der Nationalen Gesundheitskommission, Li Bin, am Mittwoch.

Längst gibt es Fälle der Lungenkrankheit auch jenseits der Region Wuhan. 440 Fälle haben die chinesischen Gesundheitsbehörden bestätigt, mehrere Provinzen melden Infektionen mit dem Wuhan-Virus. Neun Tote gibt es bislang, alle in Hubei, sagte Li Bin. Betroffen waren demnach zumeist ältere Menschen mit ernsthaften Vorerkrankungen.

Aber auch außerhalb Chinas gibt es erste Krankheitsfälle, gemeldet etwa aus Thailand, Japan, Südkorea sowie von Taiwan. In den USA wurde erstmals ein Fall der neuen Lungenkrankheit nachgewiesen, bei einem Mann, der von einer Reise nach Wuhan nach Seattle zurückgekehrt war.

Temperaturmessungen bei Reisenden an Flughäfen und Bahnhöfen

Die Behörden in Wuhan haben am internationalen Flughafen 15 Temperaturdetektoren installiert, um die Körpertemperatur der Reisenden zu messen, Krankheitsfälle zu identifizieren und Erkrankte vom Besteigen von Flugzeugen abzuhalten. An den drei wichtigsten Bahnhöfen der Stadt sind ebenfalls entsprechende Geräte aufgebaut. An fünf US-Flughäfen sowie zahlreichen Airports in ganz Asien werden Passagiere ebenfalls auf Fieber kontrolliert.

Wuhans städtisches Tourismus- und Kulturbüro hat Tourenangebote von Reisebüros gestrichen, wer gebucht hat, bekommt eine Entschädigung. Eine große Feier zum Neujahrsfest wurde abgesagt.

Angekündigt hat die Stadtverwaltung auch Kontrollen an Bauernmärkten, Supermärkten und Restaurants. Der Handel mit wilden Tieren, die oft auch als Delikatessen gelten, werde unterbunden, sagte Li. Auf dem Markt in Wuhan werden lebende Füchse, Krokodile, Wolfswelpen, Ratten oder Zibetkatzen verkauft. Zibetkatzen waren 2002 der Ausgangspunkt für das Coronavirus Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome), an dem weltweit mehr als 800 Menschen starben.

Mit dem Wuhan-Virus hatten sich viele Patienten offenbar auf einem Markt infiziert, auf dem Fleisch und Fisch angeboten wird. Nachgewiesen seien inzwischen auch Übertragungen von Mensch zu Mensch, berichtet die „Volkszeitung“.

Chinas Behörden betonen bei jeder Gelegenheit, wie ernst sie die Krankheit und den Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus nehmen. Obwohl „2019-nCoV“ als eine „Infektionskrankheit der Klasse B“ eingestuft sei, werde das Wuhan-Virus wie eine „Epidemie der Klasse A“ behandelt – mit den strengsten nationalen Maßnahmen zu Prävention, Meldepflicht und Quarantäne.

Behörden: Seit dem SARS-Ausbruch dazugelernt

Denselben Ansatz hatte China auch beim Ausbruch von SARS gewählt. Bei der Sars-Epidemie aber hatten die Behörden zu lange gezögert und es zudem an Offenheit fehlen lassen. Das habe damals die rasche Ausbreitung der Krankheit befördert, schreiben auch die Staatsmedien in der Rückschau.

Umso deutlicher betonen die Verantwortlichen jetzt, dass sie aus der Sars-Erfahrung gelernt hätten, die Epidemiekontrolle besser funktioniere und nichts verschwiegen werde über das Wuhan-Virus und die neue Lungenkrankheit.

Chinas Gesellschaft habe im Vergleich zum Sars-Ausbruch „einen großen Schritt“ nach vorn gemacht, schreibt die staatliche Zeitung „Global Times“. Das Land sei nun in der Lage, schnell und effektiv auf den Ausbruch solcher Krankheiten zu reagieren.

Doch dass das Neujahrsfest in dem Reich mit 1,4 Milliarden Menschen eine besondere Herausforderung wird, ist Experten und Behörden klar. „Während der Reisewelle zum Frühlingsfest wird der Kampf gegen die sich ausbreitende Epidemie ganz sicher schwierig“, räumt die „Global Times“ ein. Doch es sei kein Grund, „in Panik zu verfallen“.

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