Humboldt-Universität : 5,5 Millionen Euro vom Bund für die Berliner Islam-Theologie

Berlins Institut für Islamische Theologie ist offiziell in die Förderung der universitären Islam-Zentren aufgenommen - und kann mit sechs Professuren starten.

Islamkunde-Unterricht an einer Schule in Düsseldorf.
Mehr Wissen. Ausgebildet werden an der HU auch Lehrkräfte für die Islamkunde – hier an einer Düsseldorfer Schule.Foto: IMAGO

Das neue Institut für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität erhält eine millionenschwere Förderung vom Bund. Das erfuhr der Tagesspiegel aus dem Bundestag. Gut 5,5 Millionen Euro fließen demnach ab 2019 vom Bundesforschungsministerium an das in diesem Sommer konstituierte Zentralinstitut der HU – 714 000 Euro im kommenden Jahr und weitere 4,8 Millionen Euro bis 2023. Diese Mittel kommen zur Förderung durch das Land Berlin hinzu, das 13,8 Millionen Euro bis 2022 bewilligt hat. Ab dem Wintersemester 2019/20 sollen ein Bachelor- und ein Masterstudiengang „Islamische Theologie“, ein Lehramtsstudiengang mit Bachelor und Master sowie ein Masterprogramm „Islam und Gesellschaft“ angeboten werden.

Dass das Islam-Zentrum damit in ähnlichem Umfang wie die seit 2011 gegründeten Zentren in Tübingen, Frankfurt am Main, Münster, Osnabrück und Erlangen-Nürnberg aus dem Bundeshaushalt finanziert wird, sei ein „weiterer großer Erfolg für die Berliner Wissenschaft“, sagte der Berliner SPD-Abgeordnete und Haushälter Swen Schulz dem Tagesspiegel – neben den 660 Millionen Euro, die der Bund in der vergangenen Woche für den Um- und Ausbau des Berliner Museums für Naturkunde bereitstellte. Doch die Freigabe der Bundesförderung für die Islam-Theologie bedeutet auch einen weiteren Schritt in dem schwierigen Prozess, das Fach überhaupt an einer Berliner Universität zu etablieren.

Auch Paderborn wird Islam-Zentrum, muss aber noch nachbessern

An der ersten, vom Bund vor acht Jahren ausgeschriebenen Runde für universitäre Zentren für Islamische Theologie hatte sich Berlin nicht beteiligt. Als der Berliner Senat dann vier Jahre später für die Hauptstadtunis um Aufnahme in das Bundesprogramm bat, stieß er zunächst bei der damaligen Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) auf offene Ablehnung. Sie beschied die Spätberufenen aus Berlin, seitens des Bundes sei keine Erweiterung des Programms geplant. Die Berliner Landesregierung trieb die Gründung trotzdem weiter voran.

Finanziell alleine stemmen musste Berlin das Vorhaben dann aber doch nicht. Der Haushaltsausschuss des Bundestages überzeugte Bundesministerin Wanka schließlich davon, zwei weitere Islam-Zentren auszuschreiben und mit jeweils 1,5 Millionen Euro pro Jahr zu finanzieren. Zuerst beworben hat sich wie berichtet Berlin, es folgte ein Antrag der Universität Paderborn. An der dortigen Fakultät für Kulturwissenschaften hatte sich bereits 2016 ein Seminar für „Islamische Theologie“ gegründet. Zu einer bestehenden Juniorprofessur für „Islamische Systematische Theologie“ sollten nun vier Professuren hinzukommen – eine vom Land finanzierte und drei vom Bund geförderte. Anders als Berlin hat Paderborn dem Vernehmen nach noch keinen endgültigen Zuschlag vom BMBF bekommen. Es müssten noch Details bezüglich der Ausgestaltung des künftigen Zentrums für Islamische Theologie nachgebessert werden, heißt es aus der Uni.

Berliner Nachwuchsgruppe zu sexueller Diversität und Antisemitismus

An den fünf bestehenden und den voraussichtlich zwei neuen universitären Zentren fördert der Bund auf jeweils fünf Jahre befristete Forschungsprofessuren und Nachwuchsgruppenleitungen. Berlin kann nach dem aktuellen Zuschlag durch das BMBF zwei zusätzliche Professuren – eine für Islamische Ideengeschichte und eine für Vergleichende Theologie – ausschreiben. Sie ergänzen die vom Land finanzierten vier Professuren für Islamische Textwissenschaften (Koran und Hadith), Religionspädagogik und Praktische Theologie, Recht in Geschichte und Gegenwart sowie Islamische Philosophie und Glaubensgrundlagen.

Bewilligt wurde vom BMBF auch die Nachwuchsgruppenleitung „Islamische Theologie im Kontext: Wissenschaft und Gesellschaft“. Sie soll laut dem avisierten Ausschreibungstext „gesellschaftsrelevante Themen aus islamtheologischer Perspektive“ behandeln – und damit Themen wie „muslimische Gemeinden im säkularen Rechtsstaat, sexuelle Diversität als religiöses Problem, religiöse Kleidungsvorschriften, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit“. Das sind inhaltliche Vorgaben seitens der Universität, die auf eine kritisch-plurale Ausrichtung zumindest der Nachwuchsgruppe schließen lässt.

"Sehr gute Bewerberlage" für die HU-Professuren

Die Gründung der Islam-Theologie war von Verfechtern eines liberalen beziehungsweise progressiven Islams überaus kritisch begleitet worden. Denn die Humboldt-Uni sah sich gezwungen, bei der Konstituierung des Beirats, der über die theologische Unbedenklichkeit der Lehrenden wacht, ausschließlich mit konservativen Islam-Verbänden zusammenzuarbeiten. Liberale Verbände und eine Moschee, die ihre Kooperation anboten, verträten noch zu wenige Gläubige, hieß es. „Liberale“ Akzente aber könnten unabhängige Hochschullehrende im Beirat setzen, die bis Jahresende zusätzlich zu den Verbandsvertretern berufen werden.

Spannend wird auch die Besetzung der Professuren. Für die vier zuerst ausgeschriebenen Stellen gebe es jedenfalls eine „sehr gute Bewerberlage“ – von internationalen „Koryphäen“ bis zu exzellenten jungen Expertinnen –, ist aus der HU zu hören. Allem Anschein nach ist die Berliner Islam-Theologie also auf einem guten Kurs – nicht nur wegen der Millionenförderung vom Bund. „Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit islamischer Theologie und Ausbildung von islamischen Theologen in Deutschland, öffentlich und auf dem Boden des Grundgesetzes, ist so wichtig – auch und gerade in Berlin“, sagt Swen Schulz.

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