Partys trotz Coronavirus : Edeka-Betreiber schreibt Wutbrief an junge Generation

Das Verhalten mancher jüngerer Menschen in der Coronavirus-Krise hat heftige Kritiken ausgelöst. Ein Supermarktbetreiber ist sehr wütend und zieht Konsequenzen.

Ein Mitarbeiter von Edeka füllt ein Regal auf. 
Ein Mitarbeiter von Edeka füllt ein Regal auf. Foto: Patrick Seeger/dpa

Trotz zahlreicher dringender Appelle von Politikern und anderen Prominenten, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, haben in den vergangenen Tagen an verschiedenen Orten Deutschlands Gruppen junger Menschen sogenannte "Corona-Partys" gefeiert, mancherorts wurde sogar gegen Ausgangsbeschränkungen verstoßen, obwohl teilweise saftige Bußgelder drohen.

Den Einzelhändler Dieter Hieber, der an der Schweizer Grenze Edeka-Supermärkte betreibt, hat dies so wütend gemacht, dass er auf seine Facebook-Seite einen offenen Brief an die junge Generation gepostet hatte.

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Seinen Text, der inzwischen nicht mehr verfügbar ist, hatte er direkt an die "Fridays-for-Future"-Generation adressiert: "Vor einigen Wochen habt Ihr noch fleißig demonstriert und euch beschwert, dass man Euch die Zukunft gestohlen hat. Aktuell sind viele von Euch leider sehr unvernünftig, kaufen gruppenweise in unseren Märkten ein und machen kleine Privatpartys."

Polizisten reden im Englischen Garten in München mit einer Gruppe Jugendlicher.
Polizisten reden im Englischen Garten in München mit einer Gruppe Jugendlicher.Foto: Matthias Balk/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Lage durch das Coronavirus in ihrer Ansprache an die Nation mit der Situation des Zweiten Weltkriegs verglichen. "Vielleicht nehmt ihr Eure Handys, Tabletts und Computer und schaut Euch diese Rede alle an und denkt darüber nach: Link in Bio! Eure Generation ist zum Glück anscheinend immun gegen den Corona Virus."

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Dann appelliert er an die jungen Menschen, die Konsequenzen ihres Verhaltens zu bedenken: Der wirtschaftliche Schaden, der Deutschland entstehe, "den dürft Ihr, Eure Kinder und Enkel ausbaden". 

Hieber schreibt weiter: "Ihr wollt Verantwortung und Mitbestimmung? Dann bleibt einfach Zuhause und helft mit, diese schwere Zeit zu überstehen." Der Einzelhändler fordert die junge Generation auf, sich statt zu feiern nützlich zu machen und zum Beispiel für Nachbarn einkaufen zu gehen.

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Doch Hieber lässt nicht nur seinen Frust raus, sondern kündigt auch konkrete Konsequenzen an: In seinen Märkten würde an Jugendliche, die sich mit nur Party-Utensilien eindecken wollten, nicht mehr verkauft. "Jetzt gilt es die Lebensmittelversorgung für die nächsten Woche aufrecht zu halten und nicht für Euren FUN zu sorgen."

Seine Mitarbeiter gingen jeden Tag ein Risiko ein "und machen Überstunden ohne Ende" Das machen Sie gerne und sie wissen, wie wichtig dies für die nächsten Wochen ist. Aber wir werden keine Waren mehr an Party-People verkaufen." 

Er hoffe, dass sich andere Lebensmittel-Geschäfte anschließen, schreibt Hieber und endet seinen Brandbrief mit einem Appell an die Eltern: "Bitte sorgen Sie dafür, dass die Jugendlichen zuhause bleiben."

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