Spektakulärer Fossilienfund : Nicht nur die Dinos waren riesig

Im Stammbaum der Säugetiere gab es auch schon zu Dinosaurier-Zeiten elefantengroße Arten. Das zeigen Fossilienfunde in Polen.

Die Fossilien des Ursäuger-Verwandten wurde in einer Lehmschicht im Süden Polens, bei Lisowice, entdeckt.
Die Fossilien des Ursäuger-Verwandten wurde in einer Lehmschicht im Süden Polens, bei Lisowice, entdeckt.Foto: Grzegorz Niedzwiedzki

Viereinhalb Meter lang, 2,6 Meter groß und neun Tonnen schwer muss das Tier gewesen sein. Das war den Forschern Tomasz Sulej und Grzegorz Niedzwiedzki rasch klar, als sie etwa 208 Millionen Jahre alte Fossilien, darunter ein 72 Zentimeter langer Oberschenkelknochen, im Süden Polens entdeckten. Große Tiere gab es zu dieser Zeit genug: Dinosaurier. Doch was die Forscher von der polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau und der Uppsala Universität in Schweden in Händen hielten, stammte nicht von Echsen, sondern von einem Verwandten der Ursäuger. Die Theorie, dass Ur-Säugetiere ihrer ursprünglich mickrigen Größe erst nach dem Verschwinden der Dinosaurier entwachsen konnten, ist damit wohl hinfällig.

Ein nashornartiges Tier mit Hornschnabel

Lisowicia bojani, so bezeichnen die Forscher das nashornartige Tier im Fachblatt "Science", gehört zu der Gruppe der „Synapsiden“, zu der auch die Urahnen der Säugetiere gehören. „Diese Synapsiden brachten einst sehr viele verschiedene Gruppen hervor, von denen nur die Säugetiere bis heute überlebt haben“, sagt Jörg Fröbisch vom Museum für Naturkunde und von der Humboldt-Universität in Berlin. Eine dieser Seitengruppen taucht vor rund 270 Millionen Jahren zum ersten Mal auf und wird von Paläontologen „Dicynodontier“ genannt. Die bisher letzten bekannten Vertreter dieser Gruppe sind die jetzt beschriebenen Lisowicia-Giganten.

Der Ursäuger-Verwandte Lisowicia bojani war ähnlich groß wie heutige Elefanten.
Der Ursäuger-Verwandte Lisowicia bojani war ähnlich groß wie heutige Elefanten.Foto: Tomasz Sulej and Grzegorz Niedzwiedzki

„Die ersten Dicynodontier waren dagegen eher klein, ähnelten ein wenig den heutigen Maulwürfen und lebten zum Teil unter der Erde“, berichtet Jörg Fröbisch. Anstelle eines Gebisses hatten sie einen Schnabel aus Horn, mit dem sie wohl ähnlich wie die heute lebenden Schildkröten ihre Nahrung zerkleinerten. Die beiden Zähne ähnelten kleinen Stoßzähnen, die sie vielleicht zum Graben benutzten.

Gründe für Riesenwachstum: unbekannt

Als vor rund 251 Millionen Jahren das stärkste bisher bekannte Massen-Aussterben der Erdgeschichte neun von zehn Arten auf der Erde vernichtete, wurden auch die Dicynodontier stark dezimiert, überlebten am Ende aber. Danach bildeten sich rasch wieder neue Arten. Trotz sehr unterschiedlicher Lebensräume blieb der Bauplan ähnlich: Schnabel und Stoßzähne an einem plump wirkenden Kopf und ein eher runder Körper mit kurzem Schwanz.

Weshalb Lisowicia bojani sich zu einem riesigen Tier mit dem Körperbau eines Nashorns entwickelte, können Sulej und Niedzwiedzki bisher nur vermuten: Vielleicht konnten die Riesen so größeren Raubtieren trotzen? Oder sie wurden größer, weil sich damit die Körper-Oberfläche, über die kostbare Energie in Form von Wärme verloren geht, im Verhältnis zur Körpermasse reduziert.

Auf jeden Fall war die Anpassung vorteilhaft – zumindest für einige Zeit. Als vor etwas mehr als 200 Millionen Jahren ein weiteres Massenaussterben die Artenvielfalt reduzierte, verschwanden auch alle Dicynodontier. Neben den Dinosauriern gab es in dieser Phase keine anderen Giganten-Tiere. Erst vor etwa 30 Millionen Jahren und damit lange nach dem Aussterben der Dinosaurier entwickelten sich wieder riesige Formen bei den letzten überlebenden Synapsiden, den Säugetieren.

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