Wiarda will's wissen : Ein Ranking, das dem DAAD gefallen muss

Deutschlands Hochschulen internationalisieren "ganzheitlich": Zahlenmäßig ist dieses Ranking so schwach wie andere, aber es stärkt dem DAAD den Rücken.

Studierende tanzen unter internationalen Flaggen in einem Hochschulauditorium.
International Day an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).Foto: Patrick Pleul / picture alliance / dpa

„Deutschlands Hochschulen punkten bei Internationalisierung“, meldete der Deutsche Akademische Austauschdienst vergangene Woche. Mit seiner Pressemitteilung schickte der DAAD auch das dazu gehörende Balkendiagramm: Mit einem „Rating“ von 0,89 ist der Balken für Deutschland der zweitlängste, darüber schweben nur noch die Niederlande mit 0,92. Darunter, mit teils deutlich niedrigeren Bewertungen, folgen unter anderem Frankreich, Großbritannien, und die USA.

Die Bewertungen stammen aus einer Studie des British Council, die 20 Länder miteinander verglichen hat: Wie stark engagieren sich die nationalen Regierungen für den internationalen Austausch in Forschung und Lehre? Und welche Motive und Strategien stecken hinter dem jeweiligen Engagement? Fragen, die „The Shape of Global Higher Education: International Comparisons with Europe“ beantworten sollte.

Ein zentrales Ergebnis: Die Bundesrepublik, berichten die von British Council beauftragten Hochschulforscher, habe einen ganzheitlicheren Ansatz als etwa Großbritannien, die USA oder Australien, wo die Hochschulen teilweise horrende Studiengebühren verlangen. Diese Länder hätten es vor allem auf eine Maximierung der internationalen Studierenden im eigenen Land abgesehen, während Deutschland oder auch die Niederlande sich ebenso stark dafür interessierten, auch ihre eigenen Studierenden zumindest für eine Zeitlang ins Ausland zu schicken.

Gelobt wird der Fokus auf transnationale Bildungsprojekte

Die britischen Studienautoren loben die Deutschen auch für ihren starken Fokus auf internationale Forscherkooperationen, transnationale Bildungsprojekte und nachhaltige Entwicklung. Alles in allem ein „sehr gutes Zeugnis“, wie der DAAD betont.

Das Problem dieser Studie ist allerdings dasselbe wie bei vielen anderen Rankings: Sie erzeugen eine Pseudo-Genauigkeit durch die Auswahl und Gewichtung der Kriterien und auch durch die anschließende Umrechnung der Performance in Punktwerte. Wer weiß schon, ob Deutschland auf der Gesamtskala zwischen 0 und 1 wirklich 0,07 Punkte mehr verdient hat als Frankreich oder 0,03 Punkte weniger als die Niederlande?

Unser Kolumnist Jan-Martin Wiarda.
Unser Kolumnist Jan-Martin Wiarda.Foto: Privat

[Der Autor ist Journalist für Bildung und lebt in Berlin. Auf seinem Blog www.jmwiarda.de kommentiert er aktuelle Ereignisse in Schulen und Hochschulen.]

Jetzt könnte man sagen: Offenbar gilt im Falle des DAAD dasselbe wie bei vielen Hochschulen, die Rankings so lange misstrauisch beäugen und als unwissenschaftlich abtun, bis sie selbst in einem eine gute Platzierung erreichen. Wahr ist aber auch: Leider braucht es oft derlei plakative Ranglisten, damit manche Bildungsthemen, in diesem Fall die Internationalisierung, die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen.

Erhellend an dem Ländervergleich ist jedenfalls zweierlei: dass es laut Studie vor allem in denjenigen Ländern eine starke politische Unterstützung für die Internationalisierung gibt, wo auch starke zentrale Förderorganisationen für den Akademikeraustausch existieren. Einen Orden, den sich der DAAD zu Recht anheften lassen kann – gerade angesichts enger werdender Bundeshaushalte.

Außerdem spannend ist, dass eine auf den Interessenausgleich zwischen den Partnerländern angelegte Internationalisierungsstrategie wie die deutsche eine so starke Anerkennung findet ausgerechnet bei Wissenschaftlern aus einem Land, das Internationalisierung vor allem als einseitiges Exportgeschäft sieht. Diese besonders in Zeiten nationaler Egoismen wertvolle Erkenntnis hätte freilich gar keiner pseudoexakten Ratings bedurft.

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