Aktion von Changing Cities : Demo-Marathon für sichere Radwege in Berlin

Der Verein Changing Cities ruft am Samstag zu vier Demonstrationen für bessere Radwege auf. Das Motto lautet: "Heute trägt man Poller".

Menschliche "Poller" demonstrierten am Sonnabend in Charlottenburg für sichere Radwege
Menschliche "Poller" demonstrierten am Sonnabend in Charlottenburg für sichere RadwegeFoto: Jörn Hasselmann

Friedrichshain-Kreuzberg reicht nicht. Der Verein Changing Cities, der aus dem Volksentscheid Fahrrad hervorging, ruft am heutigen Sonnabend zu vier Demonstrationen für bessere Radwege auf. Sie stehen unter dem Motto: „Heute trägt man Poller“. Nach Angaben des Vereins wollen Aktivisten sich als Poller verkleiden und einen lebenden Schutz für Radwege bilden. Die vier Demos sind bei der Polizei angemeldet, bei allen Veranstaltungen ist die Teilnehmerzahl auf 50 Personen begrenzt.

  • 11 Uhr, Reinickendorf: Berliner Straße 96 (Höhe Edeka)
  • 12 Uhr, Wedding: Müllerstraße zwischen Utrechter Straße und Amsterdamer Straße
  • 14 Uhr, Charlottenburg: Kaiser-Friedrich-Straße zwischen Schillerstraße und Pestalozzistraße
  • 16 Uhr, Neukölln: Hermannstraße zwischen Selchower Straße und Okerstraße

„Wir demonstrieren in Bezirken, in denen es Radfahrer besonders schwer haben. Hier trauen sich Menschen nicht auf das Rad, weil sie schlichtweg Angst vor dem Pkw-Verkehr haben, teilte Ragnhild Sørensen von Changing Cities am Freitag mit.

Changing Cities war maßgeblich am Konzept der ersten temporären Radstreifen in Friedrichshain-Kreuzberg beteiligt, bekanntlich hat dieser Bezirk mittlerweile zahlreiche Radwege an Hauptstraßen gebaut, sie sind auch als „Corona-Radwege“ bekannt.

Um während der Pandemie Radfahrern mehr Platz zu geben, werden sie provisorisch angelegt, mit Klebefolien auf dem Asphalt und Warnbaken. Während Kreuzberg innerhalb von zwei Tagen einen kompletten Straßenzug umgestaltet und fast alle Autoparkplätze gestrichen hat, kommen die anderen Bezirke kaum oder gar nicht voran.

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Auch in den anderen Bezirken hat Changing Cities Straßen vorgeschlagen, „doch hier reagiert die Verwaltung weniger kooperativ“, sagte Sørensen. Deswegen demonstriert der Verein gemeinsam mit Bezirksinitiativen, Greenpeace, VCD und ADFC-Stadtteilgruppen für bessere Infrastruktur in der ganzen Stadt. In Tempelhof-Schöneberg zum Beispiel ist trotz großer Ankündigungen fast nichts in den vergangenen zwei Monaten geschehen, der Druck auf die dafür zuständige Grünen-Stadträtin  wächst.

Unterdessen gelangt die Posse um den nicht fertig werdenden Poller-Radweg in der Charlottenburger Kantstraße zu bundesweiter Bekanntheit, das Hamburger Magazin „Stern“ hat sich mit der Nicht-Leistung des Bezirksamts unter dem Titel "Verkehrsplanung absurd" beschäftigt.

Aus Sicht des Bundes-ADFC hat sich das Rad in der ersten Phase der SARS-CoV-2-Pandemie als krisenfestes Verkehrsmittel bewährt. Der Radverkehr sei in der Lockdown-Phase anteilig sogar gewachsen. Viele Städte weltweit haben diese Entwicklung mit der Einrichtung von Popup-Radinfrastruktur unterstützt, darunter Bogotá, New York City, Barcelona, Mailand und Rom.

In Deutschland hat bisher nur Berlin das Konzept aufgegriffen. Der ADFC appelliert an alle Städte, jetzt schnell leistungsfähige Fahrradinfrastruktur zu schaffen - durch die Umgestaltung von Fahrspuren in geschützte Radspuren und die Umwidmung von normalen Straßen in Fahrradstraßen.

Der ADFC-Vorsitzende Burkhard Stork sagte: „Die Krise hat gezeigt, dass viel mehr Menschen Rad fahren, wenn die Straßen frei sind. Jetzt müssen die Städte ihnen gute Angebote machen, damit sie dem Rad so oft und lange wie möglich treu bleiben.“

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