• Ansprüche auf tausende bedeutsame Kunstwerke: Wie der Streit zwischen Kaiser-Ururenkel und Bund eskalieren konnte

Dem Prinzen geht es um das Bild seiner Vorfahren

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Ansprüche auf tausende bedeutsame Kunstwerke : Wie der Streit zwischen Kaiser-Ururenkel und Bund eskalieren konnte

Dem Prinzen geht es auch um das Bild seiner Vorfahren

Es folgten Spannungen. Im August 2015 intervenierte der Anwalt des Prinzen wegen der geplanten Hohenzollern-Ausstellung im Schloss Charlottenburg, beschwerte zum einen über nicht korrekte Ausweisung von Leihgaben in einem Katalog, aber auch, dass das Ansehen des Hauses beschädigt werde. Denn auch darum geht es dem Prinzen: Um das Bild seiner Vorfahren. Das Haus Hohenzollern kündigte dann sogar am 24.9.2015 alle Leihverhältnisse mit der Stiftung. Eine Erneuerung der Leihverträge gehört ebenfalls zur aktuellen Verhandlungsmasse.

Den Abzug allein der bisherigen Leihgaben könnte die Schlösserstiftung, wie es intern eingeschätzt wurde, verschmerzen. Zitat: „Die Rückgabe der in diesen Verträgen enthaltenen 87 Kunstwerke … würden die preußischen Schlösser zwar außerordentlich bedauern, jedoch würde sie keines der von der SPSG betriebenen Museumsschlösser in seiner Existenz in Frage stellen.“

Die Dauerausstellung "Das Preußische Königshaus" im Schloss Charlottenburg zeigt unter anderem den Funeralhelm, eine Grabbeigabe.
Die Dauerausstellung "Das Preußische Königshaus" im Schloss Charlottenburg zeigt unter anderem den Funeralhelm, eine Grabbeigabe.Foto: SPSG und Wolfgangen Pfauder/Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Bundeskulturbeauftragte hatte danach einen Mediator eingesetzt, einen bestens vernetzten, mit guten Drähten zum Adel: Berlins früherer Senatskanzleichef André Schmitz (SPD) bemühte sich um Vermittlung. Sein Auftrag war demnach auch, „eine Lösung zu den gekündigten Leihverträgen und für die Beteiligung des Hauses HZ an der Errichtung eines neuen HM zu erarbeiten.“ Also an einem neuen Hohenzollernmuseum.

Nach Gesprächen mit der „Generalverwaltung des vormals regierenden Königshauses“, so der offizielle Titel, schickte Schmitz im Juli 2016 einen internen Besprechungsvermerk an die Gegenseite, in dem die Sichtweise und die Bedingungen des Hauses Hohenzollern für eine außergerichtliche Einigung im Vermögensstreit formuliert waren.

Forderungen überzogen und inakzeptabel

Doch es zeigte sich, dass die Positionen im Grunde unüberbrückbar waren, schon damals. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Deutsche Historische Museum bewerteten in ihrer gemeinsamen Stellungnahme für den Bund die von Schmitz übermittelten Hohenzollern-Forderungen weitgehend als überzogen und inakzeptabel. Demnach hatte das Haus Hohenzollern damals etwa vorgeschlagen, für die Werke aus dem einstigen Hohenzollernmuseum in Berlin – es geht um 3000 Positionen, die heute auf Museen verteilt sind – eine Wertermittlung durchzuführen, und dann alles zur Hälfte zwischen beiden Seiten aufzuteilen.

Auch ein Reichsapfel, Reichszepter und Krone lassen sich in der Dauerausstellung bestaunen.
Auch ein Reichsapfel, Reichszepter und Krone lassen sich in der Dauerausstellung bestaunen.Foto: SPSG und Wolfgangen Pfauder/Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Stiftungen dazu: „Das Haus HZ fordert erstmals auch eine Bewertung der Bestände nicht nach Bedeutung für das öffentliche Interesse sondern nach Marktwert“. Und: „Ganz abgesehen davon, dass die Teilung nach einem Handelswert die Aussage des Prinzen karikiert, dass ihm die Erinnerung an die kulturhistorischen Leistungen seiner Vorfahren wichtig sei, ist eine Bewertung eines so umfangreichen Bestandes eine Aufgabe, die erhebliche Kosten mit sich bringt und mehrere Jahre dauern würden. Wertfestlegungen würden zudem zu einer neuen Quelle von Streit führen, da der Kunstmarkt heute kaum noch eine Geradlinigkeit in der Preisbildung hat.“

Als Beleg führten die Fachleute damals ein Porträt des preußischen Hofmalers Antoine Pesne an, einen damaligen Restitutionsfall, bei dem die Stiftung mit Erben verhandelte. „Als Basis zur Einigung mit den Erben wurden im April 2017 Preisgutachten von vier international tätigen, großen Aktionshäusern eingeholt, deren Schätzungen 7000, 60.000, 80.000 und 140.000 Euro lauteten.“

Fifty-Fifty Modell „keine Lösung auf Augenhöhe"

Und wie bei den Beständen des einstigen Hohenzollernmuseums schlug das Haus Hohenzollern nach dem Schmitz-Papier das Fifty-Fifty-Modell auch für das sogenannte Ostvermögen der Hohenzollern vor: Es handelt sich um Kunstwerke aus dem früheren Niederländischen Palais oder auch Schloss Rheinsberg, die in Privatbesitz geblieben waren. Um 3919 Werke, 156 in Berlin und 3763 in Brandenburg, wie es im Stiftungsvermerk heißt. Die Institutionen warnten vor solch einem Vergleich mit dem Haus Hohenzollern, der „einseitig zu Lasten der öffentlichen Hand erfolgen würde“.

Eine derartige Einigung würde bedeuten: „Der Staat verzichtet auf alle Ansprüche gegenüber dem Haus HZ und erhält dafür die Hälfte aller sich derzeit im Besitz öffentlicher Institutionen befindlicher Werke des ehemaligen Hohenzollernmuseums sowie der sog. Ostsammlung. Er errichtet für das Haus Hohenzollern unter dessen Mitwirkung ein neues Hohenzollernmuseum im Theaterbau von Schloss Charlottenburg und betreibt es“, heißt es. „Das ist keine Lösung auf Augenhöhe und negiert sowohl die rechtliche Situation als auch die Leistungen der Fachinstitutionen, weshalb der Vorschlag nicht im Interesse der Öffentlichkeit sein kann.“

Und zwar auch nicht, weil das Haus Hohenzollern „in Charlottenburg auf Kosten des Bundes ein dynastisches Museum errichten und jegliche Änderung von ihm genehmigt haben will“. Soweit der Stand im Jahr 2017.

Forderung nach "Hohenzollern-Museum" mit Mitbestimmungsrecht

Fast zwei Jahre später, am 20. Februar dieses Jahres, ging die offizielle Verhandlungsposition des Hauses Hohenzollern beim Bund, den Ländern und den Stiftungen ein, übersandt vom Berliner Anwalt Eckart Putzier. Es war die Antwort auf den abgestimmten gemeinsamen Entwurf des Bundes, der Länder und der Stiftungen vom Dezember für einen Vergleich vom Dezember, auf Listen, die die Abgabe von einigen hundert Stücken aus Museen vorsah, allerdings meist jüngeren Datums, aus dem 19. und frühen 20.Jahrhundert. Die Hohenzollern-Fassung geht weit darüber hinaus.

Die Hohenzollern fordern "ein dauerhaftes, unentgeltliches und grundbuchlich zu sicherndes Mittbenutzungsrecht".
Die Hohenzollern fordern "ein dauerhaftes, unentgeltliches und grundbuchlich zu sicherndes Mittbenutzungsrecht".Foto: Thorsten Metzner

Im Word-Dokument dominiert der knallrote Änderungsmodus. In diesem Entwurf für den „Vertrag über eine abschließende Vermögensauseinandersetzung in der Form eines rechtsverbindlichen Vergleiches“ findet sich nicht nur die Forderung nach einem unentgeltlichen Dauerwohnrecht im Schloss Cecilienhof, Schloss Lindstedt oder der Villa Liegnitz, sondern gleich noch „ein dauerhaftes, unentgeltliches und grundbuchlich zu sicherndes Mitbenutzungsrecht ... auf (noch zu vereinbarendes Grundstück, Schloss o.ä.)“. Und zwar „für selbst zu veranstaltende private oder öffentliche oder gesellschaftliche Anlässe als Veranstaltungsort“.

Das alles steht im komplett neu eingefügten §10. Ziel der Hauses ist ein „Hohenzollern-Museum“ ähnlich wie einst im Schloss Monbijou, das ausschließlich die öffentliche Hand betreiben und finanzieren soll. Allerdings reklamieren die Hohenzollern zugleich inhaltlichen Einfluss, nämlich eine „angemessene institutionalisierte Mitwirkung“ bei den Einrichtungen der öffentlichen Hand, die Dauerleihgaben des Hauses erhalten.

Zitat: „Insoweit ist die öffentliche Hand mindestens und insbesondere verpflichtet, zum einen das Haus Hohenzollern jederzeit so rechtzeitig vorab über alle beabsichtigten eigenen und etwa mit Dritten vereinbarten Ausstellungs-, Publikations- und sonstigen Maßnahmen bezüglich der Dauerleihgaben zu unterrichten, dass dem Haus Hohenzollern eine Mitsprache und Einbringung eigener Vorstellungen ermöglicht wird.“ Außerdem soll sich die öffentliche Hand verpflichten, das Haus Hohenzollern, wenn es um Leihgaben geht, zu Sitzungen der Organe und Gremien einzuladen „und Rederecht zu gewähren“.

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