Baustellen und Sicherheitsgefühl : Unterirdische Zustände im Berliner Nahverkehr

Einladende Stationen verbessern das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste. Doch bei der Berliner BVG sieht es oft anders aus. Warum eigentlich?

Heruntergekommen. Der U-Bahnhof Yorckstraße soll schon seit etlichen Jahren saniert werden.
Heruntergekommen. Der U-Bahnhof Yorckstraße soll schon seit etlichen Jahren saniert werden.Foto: Steinach/Imago

Statistisch ist der Nahverkehr sicher. Um Opfer einer Straftat zu werden, muss ein BVG-Fahrgast, der täglich unterwegs ist, 900 Jahre fahren, bis es so weit ist, hat BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta einmal ausrechnen lassen. Das subjektive Sicherheitsgefühl sieht bei vielen Fahrgästen, wie in den vergangenen Tagen berichtet,anders aus. Und es sind nicht nur Raucher, Trinker oder Drogenhändler, die Angst auslösen können. Beeinflusst wird das Sicherheitsgefühl nach Ansicht von Experten auch vom Zustand der Bahnhöfe. Und der ist bei der BVG zum Teil extrem abschreckend.

Beispiel Yorckstraße an der U 7 (Rathaus Spandau–Rudow). Die BVG plant schon seit Jahren, die 1971 eröffnete Station, die inzwischen heruntergekommen ist, zu erneuern. Und zwar vollkommen. Vom einstigen Entwurf des U-Bahn-Architekten Rainer G. Rümmler soll nicht viel übrig bleiben. Entstehen soll eine Station nach neuen Plänen mit viel Licht.

An den – nur noch gestrichenen – Wänden sollen abschnittsweise angebrachte Lamellen, die ein „Y“ (für Yorckstraße) symbolisieren, das Licht unterschiedlich reflektieren. An der Decke sollen gebogene und beleuchtete Lamellen den Eindruck eines Gewölbes vermitteln.

Bisher sind lediglich die orangefarbenen Fliesen an den Bahnsteigwänden abgeschlagen worden, die herabzufallen drohten. Seit Monaten sehen Fahrgäste nur noch auf blanken Beton, der inzwischen kräftig beschmiert ist. Im westlichen Eingangsbereich ist stellenweise der Putz abgefallen; die dort noch vorhandenen Fliesen sind ebenfalls beschmiert. Die Arbeiten stockten, weil Gespräche mit der S-Bahn zum Verbessern der Umsteigesituation nícht abgeschlossenseien, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner.

Auch in vielen anderen der 173 Bahnhöfe der U-Bahn sieht es nicht viel besser aus. Fliesen fehlen teilweise oder ganz; Wände sind mehr oder weniger gelungen besprüht. Und das Entfernen ist nicht immer einfach. Bei asbesthaltigen Platten, wie sie auf den Stationen Eisenacher Straße oder Bayerischer Platz der U 7 eingebaut sind, kann sich beim Schrubben der krebserregende Stoff lösen.

Asbest ist auch der Grund, dass sich Fahrgäste monate- oder gar jahrelang durch Baustellen quälen müssen – wie im Bahnhof Rathaus Steglitz. Dort hatte man nach dem Entfernen der Wandverkleidung Asbestnester im Beton entdeckt, die nach und nach aufwendig behandelt werden mussten, was die Arbeiten erheblich verzögert hat. Zeitweise war sogar eine Vollsperrung erforderlich.

Dass sich auch das Sanieren von Ausgängen in die Länge zieht, ist nach Angaben von Bauchef Uwe Kutscher einfach zu erklären: Nach Vorgaben der Technischen Aufsichtsbehörde darf immer nur ein Ausgang gesperrt sein, um Fluchtwege offenzuhalten. Die letzten Arbeiten werden deshalb wohl erst 2021 abgeschlossen sein.

Die lange Baustellen-Zeit sei auch darauf zurückzuführen, dass die Arbeiten in der Regel nachts während der Betriebspause stattfinden, sagte Falkner. So dauert auch die Sanierung des Bahnhofs Bismarckstraße mit seinen Bahnsteigen der U 2 und der U 7 gefühlt seit Ewigkeiten. Immerhin ist inzwischen zu ahnen, wie die Station einmal aussehen wird. Grüne Fliesen ersetzen die vormaligen grauen Platten an den Wänden.

Auch seien die Probleme unterschiedlich, die zu Verzögerungen bei Sanierungsarbeiten führten, sagte Falkner weiter. Saniert werde, wenn es baulich erforderlich sei. Seien die Stationen nur unansehnlich, müssten die Arbeiten warten.

Dabei ist auch bei der BVG unstrittig, dass saubere und helle Bahnhöfe das subjektive Sicherheitsgefühl verbessern können. Doch hier macht auch der Denkmalschutz nicht immer mit. So hat die BVG große Probleme, den dunklen Asphalt auf Bahnsteigen durch helle Platten zu ersetzen. Und unter Schutz steht eine Vielzahl der Bahnhöfe; egal, in welchem Zustand sie sich befinden.

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