Bilanz 2018 : Berliner S-Bahn befördert eine halbe Milliarde Fahrgäste

Die S-Bahn befördert ein Fünftel mehr Passagiere als vor wenigen Jahren – die Anzahl von Zügen stieg nur um zwölf Prozent. Pünktlicher sind die Bahnen trotzdem.

Doppelgleisig. Die S-Bahn befördert mehr Fahrgäste, aber überweist weniger Gewinn an den Mutterkonzern Deutsche Bahn.
Doppelgleisig. Die S-Bahn befördert mehr Fahrgäste, aber überweist weniger Gewinn an den Mutterkonzern Deutsche Bahn.

Fast eine halbe Milliarde Fahrgäste sind im Jahr 2018 in die Züge der S-Bahn gestiegen. Genau waren es 478 Millionen, wie S-Bahn-Chef Peter Buchner sagte. Im Vergleich zu 2012 ist das ein Plus von 21 Prozent, damals waren es 395 Millionen. 2012 hatte es die letzte genaue Zählung gegeben.

Das Angebot an (tatsächlich fahrenden) Zügen ist in dieser Zeit nur um zwölf Prozent gestiegen. Das heißt, die Züge sind voller geworden. Die durchschnittliche Reiselänge sank von 10,4 auf 9,6 Kilometer. "Vor allem auf kurzen Strecken haben wir neue Kunden", sagte Buchner. In der Innenstadt sind die Züge gefüllt, auf den Außenstrecken gebe es noch Kapazität.

Stärkster Konkurrent ist nach Buchners Worten nicht das Auto, sondern die Regionalbahn. So sank die Zahl der Reisenden zum Beispiel aus Königs Wusterhausen, Erkner oder Potsdam wegen der guten Regio-Anbindung.

Die mit Abstand meistgenutzte Strecke ist der Abschnitt zwischen Friedrichstraße und Hackescher Markt, dort wurden 230.000 Fahrgäste pro Tag gezählt. Auf dem Ring zwischen Treptower Park und Ostkreuz waren es 167.000 und im Nord-Süd-Tunnel 120.000. Den stärksten Zuwachs gab es auf der Strecke zum Flughafen Schönefeld – mit 85 Prozent.

Die meisten Passagiere hat das Ostkreuz

Und weiter in Buchners Zahlenfeuerwerk: Am Ostkreuz steigen täglich 235.000 Menschen ein, aus oder um. Friedrichstraße liegt auf Platz 2 (220.000). Es folgen Gesundbrunnen (140.000), Alexanderplatz (140.000) und Südkreuz (110.000). Zoo und Hauptbahnhof sind mit je 81.000 Fahrgästen abgeschlagen. Den kleinsten Zuwachs gab’s am Bahnhof Zoo, den stärksten am Ostkreuz.

Die Pünktlichkeit hat sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich gebessert, sie lag mit etwa 96,5 Prozent etwas über den angestrebten 96 Prozent und deutlich über den Werten der jeweiligen Vorjahresmonate. Im März drückten die Behinderungen durch den Sturm vom 5. und 6. März allerdings die Werte wieder nach unten.

"Ein paar solcher Tage reißen uns runter", klagte der S-Bahn- Chef. Und auch der April startete mit 89 Prozent am Montag schlecht. Um während des BVG-Streiks möglichst viele Fahrten anbieten zu können, galt am Montag die Devise: Kapazität vor Pünktlichkeit. Verspätete Züge rollten weiter und beendeten nicht wie sonst auf einer Unterwegsstation die Tour, um bei der Rückfahrt wieder Zeit aufzuholen.

Der Umsatz ging zurück, der Gewinn noch stärker

Als Wirtschaftsunternehmen muss die S-Bahn allerdings schlechte Zahlen melden. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, den S-Bahn-Chef Peter Buchner am Dienstag ebenfalls vorlegte. Der Umsatz ging zurück, der Gewinn noch stärker. Der Überschuss sank 2018 auf knapp 50 Millionen Euro, das sind 29 Prozent weniger 2017. Dies liegt vor allem an anderen Verträgen mit Berlin und Brandenburg. Zugleich stiegen die Ausgaben für Personal und Instandhaltung. 2018 wuchs der Personalbestand um 30 Mitarbeiter, vor allem Lokführer und Monteure wurden eingestellt.

Der Fahrgast interessiert sich weniger für den Umsatz, sondern will zügig ankommen. Am heutigen Mittwoch will Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek die Bauvorhaben dieses Jahres vorstellen. Zwar ist das Ostkreuz nach 20 Jahren nahezu fertiggestellt, aber zum Beispiel am Karower Kreuz auf der Strecke in Richtung Bernau wird weiter gearbeitet.

Buchner ist guter Dinge für die Zukunft, auch wegen der neuen Züge, die ab 2020 geliefert werden. Chef ist er nun seit fast zehn Jahren, er kam im Krisenjahr 2009. Und sagt 2019: "Ich kann das Wort ’S-Bahn-Krise’ nicht mehr hören."

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