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In keinem anderen Bezirk ist die Versorgung mit Grünflächen schlechter als in Mitte – trotz des riesigen Tiergartens.
© dpa/Christoph Soeder
Update

Neuer Umweltgerechtigkeitsatlas: Diese Berliner Kieze leiden besonders unter Hitze, Lärm und schlechter Luft

Eine neue Auswertung zeigt, dass schlechte Umweltfaktoren vor allem im Zentrum auftreten. Zudem sind besonders ärmere Bevölkerungsschichten betroffen.

Zu laut, zu heiß, zu wenig grün und die Luft zu dreckig: All die schlechten Umweltfaktoren, die sich niemand in seinem direkten Wohnumfeld wünscht, treten mit Blick auf Berlin besonders im Zentrum der Hauptstadt auf. Und sie ballen sich dort, wo bislang vorrangig ärmere Bevölkerungsschichten leben. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Umweltgerechtigkeitsatlas für Berlin, den die Senatsumweltverwaltung am Dienstag veröffentlicht hat.

Betroffen von Hitze, Lärm, schlechter Luft und fehlenden Grünflächen sind demnach vor allem die Wedding, Gesundbrunnen, Moabit, Nord-Kreuzberg, Friedrichshain und Nord-Neukölln. Dort leiden die Menschen am meisten unter den äußeren Bedingungen. Besonders hart trifft das die Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg.

In keinem anderen Bezirk ist die Versorgung mit Grünflächen demnach schlechter als in Mitte – und das trotz des riesigen Tiergartens.

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Vor allem in Wedding, Moabit, aber auch Alt-Mitte prägen Parks kaum das Stadtbild. Mehr als die Hälfte der Planungsräume im Bezirk haben mit schlechter Luft und Hitze zu kämpfen.

Schlechteste Lage in Gesundbrunnen

Am schlechtesten ist die Lage im Planungsraum Schwedenstraße in Gesundbrunnen. Er gehört zu den einzigen zwei Planungsräumen von 542 in der Stadt, die in allen vier Umweltindikatoren sowie der sozialen Situation Probleme aufweisen.

Ähnlich stark von Hitzebildung betroffen ist der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Auch dort ist zugleich das Angebot an Grünflächen viel zu gering. Zudem gibt es dort die zweitmeisten Kieze, die eine hohe Luftverschmutzung aufweisen. Nur in Charlottenburg-Wilmersdorf sind noch mehr Planungsräume von Abgasen betroffen.

Nirgendwo sind so viele Gegenden von großem Lärm betroffen wie in Treptow-Köpenick. Grund dafür dürfte der Flughafen BER sein. Und obwohl der Bezirk insgesamt sehr grün ist, gibt es nirgendwo so große Probleme mit Hitze wie in Marzahn-Hellersdorf.

Geringere Umweltbelastungen am Stadtrand

Insgesamt sind die Umweltbelastungen vor allem in den weniger dicht besiedelten am Stadtrand geringer. Zumeist sind dies auch die besseren Wohnlagen, Einfamilienhaussiedlungen oder Villenviertel.

„Der Atlas zeigt uns, auf welche Kieze wir unser Augenmerk für entsprechende Programme richten müssen und er bestätigt, dass Umweltschutz nach wie vor eine brennende Frage der Gerechtigkeit ist“, sagte Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne).

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Noch immer seien Menschen mit niedrigem sozialem Status besonders häufig hohen Umweltbelastungen ausgesetzt. „Sie leben in Kiezen mit viel Verkehr und wenig Grün. Wir müssen es schaffen, die Lebensqualität gerade in diesen mehrfach belasteten Gebieten zu erhöhen“, erklärte die Senatorin.

Initiativen fordern Verkehrsberuhigung

Dass die Mieten zuletzt nahezu flächendeckend im Stadtzentrum explodiert sind – trotz der hohen Umweltbelastung – spiegeln die Daten allerdings nicht wider. Wobei auch dort häufig gilt: In den ruhigen Nebenstraßen sind die Mieten höher, dort wohnt die Mittelschicht. An den lauten und dreckigen Hauptstraßen lebt weiterhin die eher ärmere Bevölkerung.

Ein Umstand, den der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mittlerweile in seine Verkehrs- und Stadtentwicklungspolitik berücksichtigt. Nirgendwo sonst gibt es so viele Initiativen, um den Verkehr in Kiezen zu beruhigen.

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Doch zumeist gehen sie von der akademisch geprägten Mittelschicht aus, die dort lebt. Die Gegenden, mit ärmerer stärker migrantisch geprägter Bevölkerung drängen den Bezirk weit weniger, das Wohnumfeld zu verbessern.

Der Bezirk hat daher zuletzt angekündigt, den Verkehr im kompletten Bezirksgebiet weitestgehend zu beruhigen – und dort anzufangen, wo der Bedarf am dringendsten ist, unabhängig von Anwohnerinitiativen. Eine Gefahr, auf die SPD-Fraktionschef Raed Saleh zuletzt hinwies, besteht dennoch: Werden die Viertel aufgewertet, droht auch dort die Gentrifizierung noch stärker zuzuschlagen.

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