Diskussion um Verkehrskonzept : Berlin und die Wut der Pendler

Viele steigen erst in Berlin in die Bahn, weil's billiger ist. Spandaus Bezirkschef Helmut Kleebank (SPD) fordert jetzt die Reform des ABC-Tarifs.

Der Bahnhof Falkensee in Brandenburg.
Der Bahnhof Falkensee in Brandenburg.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Züge werden voller, der Ton wird schärfer. „Es kann nicht über zehn Jahre dauern, ein zweites Gleis von Berlin nach Cottbus zu legen“, schimpfte jetzt Landeschef Dietmar Woidke, SPD, in der „Morgenpost“. „Wenn wir im 19. Jahrhundert in dieser Geschwindigkeit angefangen hätten, das deutsche Bahnnetz aufzubauen, hätten wir heute noch keins.“ Brandenburg habe Planungsleistungen sogar vorfinanziert, damit es vorangehe.

Kein Tag vergeht, an dem sich hunderttausende Pendler nicht ärgern über die Infrastruktur und holprige Verzahnung zwischen Berlin und Brandenburg. Und es geht nicht nur um die Pendler, die in Stadt wollen, es geht auch um die Pendler, die in entgegengesetzter Richtung zu ihrem Arbeitsplatz in die vielen Logistikhallen kurz hinterm Stadtrand fahren wollen. Drastisch wurde am Sonntag Spandaus Bezirkschef Helmut Kleebank, SPD, der Woidkes Worte so via Twitter kommentierte: „Die Mobilität des nächsten Jahrzehnts steht auf dem Spiel.“

Bahn muss attraktiver werden

Der Bezirksbürgermeister von Spandau – das ein besondere Rolle als Verkehrsengpass zwischen Umland und Berlin einnimmt – hatte bereits einen offenen Brief an die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) geschrieben. Darin fordert er mit dem Bürgermeister der Nachbarstadt Falkensee, Heiko Müller, SPD, ein Umdenken für den ABC-Tarif. „Aus unserer Sicht stellt sich die grundsätzliche Frage, ob das Tarifsystem mit den Tarifzonen ABC überhaupt noch zeitgemäß ist. Gerade die Pendler sollen zum Umstieg auf die Bahn motiviert werden. Insofern sollte auch durch die Politik gezielt versucht werden, die Attraktivität des Bahnnutzens zu erhöhen. Ein einheitlicher Tarif im Stadtverkehr der bisherigen Tarifzonen ABC würde einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Bisher gibt es zu viele Bahnnutzer, die wegen des günstigeren Tarifs zu einem Bahnzugangspunkt fahren, der eigentlich nicht der geeignetste ist. Dadurch entstehen unnötige Verkehrsbelastungen sowohl im Umland von Berlin als auch in den Randlagen Berlins innerhalb der Landesgrenze. Auch solche unnötigen Verkehrsbelastungen sollten minimiert werden.“ Autofahrer aus dem Umland quetschen sich mit ihren Autos auf die eh schon vollen Berliner Straßen, weil der Einstieg in den Zug in Berlin billiger ist als in Brandenburg.

Tagesspiegel lädt zum Stadtgespräch

Die Ideen und Forderungen passen zeitlich gut zu einer großen Debatte am Montagabend in der Urania in Berlin. Wie kann eine Gesamtstrategie für den Metropolenraum aussehen und die Anbindung der Umlandgemeinden verbessert werden? Das ist das Thema in der Urania beim von der Architektenkammer und dem Tagesspiegel veranstalteten Stadtgespräch am Montag, dem 10. September.

Es diskutieren Katrin Stary, Chefin der Berliner Stadtgüter, Karsten Knobbe, Bürgermeister von Hoppegarten, Ekkehard Buß von der Stadt Luckenwalde, Jan Drews, Abteilungsleiter Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg sowie der Landschaftsarchitekt Martin Janotta. Moderation: Gerd Nowakowski, Leitender Redakteur des Tagesspiegel. 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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