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Dritte Berliner Schule wegen Coronavirus geschlossen : Infiziert oder nicht? Hunderte Familien im Ausnahmezustand

Eltern fordern Quarantäne, die Bildungsverwaltung plant Sonderregelungen für Prüfungen - und bei vier Schülern wartet man besonders auf die Diagnose.

Die Osterferien beginnen, die Schulen sind schon jetzt überwiegend leer.
Die Osterferien beginnen, die Schulen sind schon jetzt überwiegend leer.Foto: Fabian Sommer/dpa

„Dear caller, we are not available, please leave a message after the beep“, ist das einzige, was ein Anrufer der privaten Berlin Metropolitan School seit Dienstagmorgen zu hören bekommt: Berlins erste Schule, die wegen des Coronavirus am Montag ihre Schließung bekannt gab, ist nicht erreichbar. Auch auf der Homepage finden Besucher nichts über den Stillstand des Schulbetriebs, der zunächst für Montag und Dienstag angekündigt worden war. Die Bildungsverwaltung forderte die Schule unterdessen auf, „die amtsärztliche Bestätigung der Schließung beizubringen“.

Mehr Offenheit gab es an der bezirklichen Emanuel-Lasker-Sekundarschule in Friedrichshain. Dort saß am Telefon Schulpsychologin Diana Sankowski, um laufend Fragen zu beantworten.

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„Die meisten wollen wissen, wer getestet werden soll“, berichtet Sankowski am Morgen. Dass an der Schule wegen eines infizierten Lehrers "bis auf Weiteres" kein Unterricht stattfindet, hatte sich da schon weitgehend herumgesprochen.

80 Kinder waren auf Skireise in Südtirol

Der Informationsbedarf ist immens, weil 74 Schüler der Sekundarschule mit dem infizierten Lehrer und weiteren Begleitern auf Skireise im Südtiroler Ahrntal waren. Samstagabend kamen sie zurück, am Montag waren sie in der Schule – bis auf vier Kinder, die krank waren. Ob sie ebenfalls mit dem Coronavirus infiziert sind, war am Abend offen: „Die Testungen dauern noch an“, teilte der Sprecher der Bildungsverwaltung auf Anfrage mit.

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Ebensowenig weiß man, ob sich weitere Teilnehmer der Reise infiziert haben – und gegebenenfalls auch Familien. Diese Unsicherheit war es dann auch, die dazu führte, dass die benachbarte Modersohn-Grundschule am frühen Morgen entschied, den Schulbetrieb auszusetzen.

Grund für die Entscheidung seien enge Verflechtungen und die direkte Nachbarschaft mit der Lasker-Schule, hieß es: Beide Schulen wachsen zur Gemeinschaftsschule zusammen. Am Dienstagnachmittag stand aber laut Gesundheitsamt fest, dass das Hauptgebäude der Grundschule am Mittwoch wieder öffnen sollte, nicht aber die Filiale neben der Lasker-Schule und auch nicht die Sekundarschule selbst. Um Vorsicht walten zu lassen, forderte der Sport- und Freizeitclubs (SFC) Friedrichshain die Lasker-Schüler auf, „den Trainingsbetrieb auszusetzen“. Das gebiete der „gesunde Menschenverstand“.

Hintergrund über das Coronavirus:

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Warten auf das Votum des Gesundheitsamtes

Groß ist auch die Aufregung an der Tempelherren- und an der Mascha-Kaléko-Grundschule in Tempelhof: Von beiden Schulen befinden sich diese Woche rund 30 Schüler sowie Lehrer und Eltern als Begleitpersonal auf Skireise. Sie sind in Südtirol – ebenso wie zuvor die Gruppen der Emanuel-Lasker-Schule. Allerdings nicht in Ahrntal, sondern im rund 60 Kilometer entfernten Meransen.

Wenn die Schüler am Freitagabend zurückkommen, sollte geklärt sein, ob sie ab Montag erstmal zuhause in Quarantäne werden bleiben müssen: Schulleiter Frank Dieckmann wollte dies veranlassen, war aber von der Schulaufsicht gebeten worden, erstmal das Votum des Gesundheitsamtes abzuwarten. Dies lag laut Bildungsverwaltung am Dienstag noch nicht vor.

Aufgeregte Eltern in Whatsapp-Gruppen

Unter einigen Familien der in Berlin gebliebenen rund 600 Kindern beider Schulen ist die Aufregung groß, obwohl das Virus für Kinder als nicht besonders gefährlich gilt: Etliche Eltern haben sich in Whatsapp-Gruppen zusammengeschlossen und fordern eine Quarantäne für die Heimkehrer, um das Ansteckungsrisiko für die nicht verreisten Kinder zu reduzieren. Dem Vernehmen nach drohten einige Eltern sogar damit, ihre Kinder von der Schule fernzuhalten, falls die Mitschüler aus Südtirol am Montag direkt wieder in den Unterricht kommen sollten. Die Schulleiter hoffen daher auf eine rasche Klärung der Quarantäne-Frage.

Für den Fall, dass das Virus sich länger in Berlin hält, beschäftigt sich die Bildungsverwaltung bereits damit, „zusätzliche Aufgaben für die Prüfungen bereitstellen zu können“: Im Mai stehen Klausuren zum Mittleren Schulabschluss und Abitur an. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte am Dienstag, er lehnte flächendeckende Schließungen ab.

Keine bundesweit einheitlichen Vorgaben bei Schulschließungen

Bundesweit einheitliche Vorgaben, wie mit Schulschließungen umzugehen ist, gibt es nicht. Aus der Kultusministerkonferenz (KMK) heißt es, jedes Land beschließe seine eigenen Maßnahmen.

Die Staatssekretäre befänden sich bei dem Thema aber im ständigen Austausch. In dieser Woche werde es wie bereits in der vergangenen Woche eine Schalte dazu geben. Dort geben man die Erfahrungen weiter. Jedes Bundesland habe einen Krisenstab eingerichtet, an dem nicht nur das jeweilige Kultusministerium, sondern auch die jeweiligen Gesundheitsämter und die Innenministerien beteiligt sind.

NRW schloss bereits mehrere Schulen

In Nordrhein-Westfalen, wo es bislang die meisten Infektionen mit dem neuen Coronavirus gibt, ist es in der vergangenen Woche jedenfalls schon zu mehreren Schulschließungen gekommen. In Mönchengladbach und in Bonn zum Beispiel wurde jeweils eine Grundschule für mindestens 14 Tage geschlossen, nachdem sich eine Lehrkraft infiziert hatte – in Mönchengladbach war es ein Lehrer, in Bonn ein Student, der bei den Hausaufgabe hilft.

In beiden Fällen müssen Schülerinnen und Schüler, die von den betroffenen Lerhkräften unterrichtet wurden, jetzt in häuslicher Quarantäne bleiben. In Bonn gilt das etwa 14 Tage lang für 150 Schüler, in Mönchengladbach für die Kinder der dritten Klasse und das gesamte Kollegium. Die Geschwister der betroffenen Schüler konnten in Mönchengladbach weiter andere Schulen oder die Kita besuchen, auch die Eltern sind nicht in Quarantäne.

Andere Schulen in NRW und ebenso jetzt zwei Einrichtungen in Thüringen wurden für kürzere Zeit geschlossen, nachdem Verdachtsfälle bei Schülern oder Lehrkräften auftauchten – die sich dann aber nicht überall bestätigten.

In Bayern sollen einige Schülerinnen und Schüler erst einmal zu Hause bleiben

In Bayern sollen Schülerinnen und Schüler, die in den vergangenen beiden Wochen in einem der ausgewiesenen Risikogebiete im Ausland waren, nach den jetzt zu Ende gegangenen Faschingsferien erst einmal zu Hause bleiben. Die Nicht-Teilnahme am Unterricht gelte in diesem Fall als entschuldigt, teilte das Kultusministerium mit.

Die Eltern in NRW wurden allerdings auch darauf hingewiesen, dass man aus Sorge seine Kinder nicht einfach zuhause lassen können – es bestehe schließlich Schulpflicht.

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