• Filmwirtschaft in der Coronakrise: Medienboard-Chefin: Mindestabstand im Kino überprüfen

Filmwirtschaft in der Coronakrise : Medienboard-Chefin: Mindestabstand im Kino überprüfen

Anfang Juli öffnen die Berliner Kinos wieder. Doch die neuen Corona-Regeln gefährden deren Wirtschaftlichkeit, warnt die Chefin der Hauptstadt-Filmförderung.

Großes Kino. Ab Anfang Juli öffnen Berliner Filmtheater wieder - mit strengen Auflagen.
Großes Kino. Ab Anfang Juli öffnen Berliner Filmtheater wieder - mit strengen Auflagen.Foto: Fabian Sommer/dpa

Kirsten Niehuus, die Geschäftsführerin der Filmförderung im Medienboard Berlin-Brandenburg, hat an die Berliner Politik appelliert, die bisher geltenden Abstandsregelungen für Kinos zu ändern.

Die Filmtheater der Hauptstadt wollen am 2. Juli nach einer mehrmonatigen Zwangsschließung wegen der Corona-Epidemie wieder öffnen. Allerdings gelten dann strenge neue Hygienemaßnahmen - inklusive eines Mindestabstands zwischen den Besuchern.

"Was das Hochfahren angeht, bin ich skeptisch", sagte Niehuus am Freitag dem Tagesspiegel. Der in Berlin und Brandenburg geltende Mindestabstand von 1,50 Metern bedeute für die Kinos nur eine Auslastung von 25 Prozent. Nordrhein-Westfalen und Österreich hätten ähnliche Vorgaben inzwischen aufgegeben.

Das Medienboard ist ein staatliches Unternehmen für Filmförderung und New-Media-Förderung in der Hauptstadtregion.

Kirsten Niehuus, ist Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg und leitet dort die Filmförderung.
Kirsten Niehuus, ist Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg und leitet dort die Filmförderung.Foto: Sabine Engels / Medienboard

"Ich finde, auch Berlin und Brandenburg sollten ihre Linie überdenken", sagt die Medienboard-Chefin. "Ein Mindestabstand von einem Meter ergäbe schon eine Auslastung von 50 Prozent." Der Kinobetrieb müsse "ja auch halbwegs wirtschaftlich sein".

Viele Branchen hat die Coronakrise existenziell getroffen

Die Coronakrise hat Berlins Kinobetreiber - wie viele andere Branchen - in den vergangenen Monaten teilweise existenziell getroffen. So musste das Traditionshaus "Colosseum" Ende Mai wegen ausbleibender Umsätze Konkurs anmelden.

Ein anderes Segment der Kinobranche erlebt hingegen in Zeiten des Coronavirus gerade eine Renaissance, wie Kirsten Niehuus sagt: "Besonders erstaunlich und schön finde ich die Entwicklung bei den Autokinos." Die hätten deutschlandweit seit Kurzem einen großen Zulauf und werden nicht nur für Kinofilme, sondern auch für Konzerte oder Poetry-Slams genutzt.

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Wenn am 2. Juli die Berliner Kinos wieder aufmachen, freue sie sich besonders auf zwei Filme, sagt Kirsten Niehuus: "Berlin Alexanderplatz" von Burhan Qurbani und "Undine" von Christian Petzold, die auch bei der Berlinale liefen.

"Auf Berlins Straßen wird weiterhin nur sehr wenig gefilmt"

Was neue Filmproduktionen angeht, gingen in Berlin die Dinge allerdings nur sehr langsam voran, sagt die Medienboard-Chefin. "Auf Berlins Straßen, wo sonst zahlreiche Dreharbeiten gleichzeitig stattfinden, wird weiterhin nur sehr wenig gefilmt." Die Anwohnerinnen und Anwohner fänden seit Monaten fast überall Parkplätze – "bezüglich der Filmwirtschaft ein schlechtes Zeichen".

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So leicht wie jetzt komme man in Berlin sonst nie an Drehgenehmigungen. "Aber viele Produktionen, die wegen der Pandemie pausieren mussten, bräuchten jetzt erstmal eine Ausfallversicherung", sagt Niehuus. "Da müsste Deutschland dem Vorbild Österreichs folgen, damit die Filmwirtschaft wieder auf die Beine kommt."

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