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Die Kundgebung am Frankfurter Tor.

© Madlen Haarbach

Update

Gedenkdemo für ermordete Kommunisten: Tausende ziehen zu Gräbern von Luxemburg und Liebknecht in Berlin

Palästina, Venezuela und der Weltfrieden: Rund 8000 Menschen demonstrierten an der Gedenkstätte der Sozialisten. Auch der jüngste Brandanschlag auf die Berliner Stromversorgung war ein Thema.

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Rund 8000 Teilnehmende haben sich nach Schätzungen der Polizei am Sonntagmorgen in Berlin versammelt, um des Todestages der linken Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu gedenken. Der jährlich stattfindende Demonstrationszug setzte sich um kurz nach 10 Uhr am U-Bahnhof Frankfurter Tor in Bewegung und führte entlang der Frankfurter Allee zur Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde.

„Wir sind heute hier im Gedenken an Lenin, Luxemburg und Liebknecht und im Kampf für einen echten Sozialismus“, ruft eine Rednerin, kurz bevor die Menge loslief. Neben einigen Flaggen der Partei Die Linke sah man vor allem Flaggen kommunistischer Kleinstparteien wie der DKP und MLPD.

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Ein Demowagen des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkommitees“.

© Madlen Haarbach

Ein Redner kommentierte den jüngsten Stromausfall im Berliner Südwesten: „Wenn es die sogenannte Vulkangruppe wirklich gibt, war der Anschlag mega dämlich.“ Es gebe jedoch immer mehr Hinweise darauf, dass es ein fingierter Anschlag gewesen sei, um linke Gruppen vor der heutigen „riesigen kämpferischen Demo zu diskreditieren“, behauptete er. Man kämpfe „mit offenem Visier“ für den Weltfrieden.

In Redebeiträgen solidarisierten sich Teilnehmende mit Palästina, Kuba und Venezuela. Sie kündigten einen „Kampf dem Zionismus“ an. Das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee, das der Verfassungsschutz zu den Hamas-Unterstützern zählt, stellte einen eigenen Block und skandierte „Free, free Palestine“. Andere Redebeiträge richteten sich gegen eine Militarisierung und die Wehrpflicht oder verherrlichten die DDR.

Der Demonstrationszug blieb weitgehend friedlich. Vereinzelt zündeten Teilnehmende aus dem Block kommunistischer Jugendgruppen Bengalos und Rauchtöpfe.

Vereinzelt wurden Teilnehmende festgenommen, genaue Zahlen lagen am Mittag noch nicht vor. In fast allen Fällen sei es um verbotene Parolen und das Verwenden von Kennzeichen terroristischer Organisationen aus dem Palästina-Block heraus gegangen, sagte Polizeisprecher Florian Nath dem Tagesspiegel. Die Polizei setzte rund 500 Einsatzkräfte ein.

Baustelle an Zentralfriedhof erschwert Demo

Gegen Mittag erreichte der Demonstrationszug den Friedhof. Am Eingang wurden an Ständen Glühwein, Currywurst, rote Nelken und sozialistisches Merchandise wie Che-Guevara-Shirts und Tassen verkauft. An Infoständen warben linke Zeitungen und kommunistische Parteien für sich. Dazu lief die „Internationale“ in Dauerschleife.

Auch die Parteichefs der Linken waren vor Ort und legten an der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde rote Nelken nieder. Die Bundesvorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken sowie die Linke-Spitzenkandidatin zur Berliner Abgeordnetenhauswahl, Elif Eralp, nahmen teil.

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Kommunistische Kleinstparteien wie die DKP oder MLPD geben bei der Demonstration den Ton an.

© Madlen Haarbach

Erschwert wurde die Demo in diesem Jahr durch eine Baustelle am Eingang des Zentralfriedhofs: Dort gestaltet der Bezirk seit einiger Zeit den Vorplatz um. Lange war unklar, ob der Aufzug in der geplanten Form überhaupt stattfinden kann. Doch nun wurden die Baustellenzäune provisorisch verschoben, für die Teilnehmenden blieben zwei mehrere Meter breite Durchgänge als Ein- und Ausgang. An der Gedenkstätte für die Sozialisten legten die Teilnehmenden rote Nelken nieder.

Insgesamt zeigte sich Polizeisprecher Nath zufrieden mit dem Ablauf der Demonstration. „Das Einsatzkonzept ist voll aufgegangen“, sagte er dem Tagesspiegel. Auch an der Baustelle vor der Gedenkstätte habe es keine Probleme gegeben.

Wiederholt Ausschreitungen bei früheren Demonstrationen

In den vergangenen Jahren kam es bei der Demonstration immer wieder zu Ausschreitungen. 2025 sollen einige der damals rund 3000 Teilnehmenden die Polizei mit Pyrotechnik und Fahnenstangen attackiert haben. Insgesamt nahm die Polizei nach eigenen Angaben 31 Menschen fest, unter anderem auch wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. 24 Polizist:innen wurden verletzt.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gründeten unter anderem die Kommunistische Partei Deutschlands mit. Nach dem Spartakusaufstand wurden beide am 15. Januar 1919 von rechten Milizen ermordet. (mit dpa)

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