Jusos bei Lietzensee-Fest in Berlin : Dosenwerfen mit Seehofer und Zschäpe als Ziel

Nicht jeder fand das Büchsenwerfen der Jusos in Charlottenburg lustig. Denn die Dosen zierte eine seltsame Mischung an Gesichtern.

Die Jusos wollten sich in Charlottenburg einen Spaß erlauben - und ernteten Empörung.
Die Jusos wollten sich in Charlottenburg einen Spaß erlauben - und ernteten Empörung.Foto: dpa

Die Leute, welche die Idee zu dem Büchsenwerfen hatten, fanden ihre Aktion bestimmt lustig. Beim Lietzensee-Fest des SPD-Kreisverbands Charlottenburg-Wilmersdorf im September stand bei einem Stand der Jusos auch ein Tisch mit zehn aufgeschichteten Dosen. Man musste möglich viele Dosen mit möglichst wenigen Ballwürfen abräumen, wie beim Jahrmarkt.

Nur prangten auf den Dosen auch Gesichter – eine sehr seltsame Mischung: Innenminister Horst Seehofer neben dem NSU-Mitglied Beate Zschäpe, wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, aber auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, der AfD-Bundestags-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland sowie Ex-SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin.

Allerdings fand nicht jeder die Ballwerferei lustig. Ein empörter Beamter zum Beispiel erinnerte in einem Brief an die SPD-Parteizentrale an den Leitsatz: „Versöhnen statt spalten“. Den hatte der langjährige SPD-Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau geprägt. Ob sich die SPD diesem Satz nicht mehr verpflichtet fühle? Die SPD antwortete, Rau habe gemeint, dass man zeigen müsse, wofür man einstehe.

Jusos erklären Entscheidung auf Facebook

Ihre Ziele am Lietzensee erklärten die Jusos bei Facebook sehr konkret. Man habe Menschen ausgewählt, „welche die freiheitlich demokratische Grundordnung entweder direkt angreifen oder maßgeblich zu ihrer schrittweisen Aushöhlung beitragen“.

Der Verfassungsminister Seehofer wird mit Interesse hören, dass er aus Juso-Sicht ebenso wie die NSU-Terroristin Zschäpe zu diesem Personenkreis gehört. Und zu Sarrazin hat gleich auch noch der SPD-Kreisverband eine sehr klare Meinung. Sarrazin vertritt umstrittene Thesen zum Islam, deshalb fordert der Kreisverband, er solle die SPD verlassen. Und damit seinen Kreisverband. Der heißt Charlottenburg-Wilmersdorf.

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