Kampagne gegen Enteignungen : Die Berliner CDU ist aufs Rad gekommen

Die Wohnungsnot ist das dominierende Thema der Stadt, findet auch die CDU. Beim Verkehr geht sie neue Wege.

Kampagne mit Rad: Kai Wegner (links) und Stefan Evers verbinden Wohn- und Verkehrspolitik.
Kampagne mit Rad: Kai Wegner (links) und Stefan Evers verbinden Wohn- und Verkehrspolitik.Foto: Robert Kiesel

Großstadtpartei nennt sich die Berliner CDU selbst, eine Partei für alle Berliner, die motorisierten wie auch die nicht-motorisierten. Ganz in diesem Sinne präsentierten am Dienstagmorgen CDU-Landeschef Kai Wegner und sein Generalsekretär Stefan Evers eine neue Plakatkampagne ihrer Partei und stellten sich dabei auf oder besser hinter ein Fahrrad.

An dessen Heck hatten die Christdemokraten einen Anhänger befestigen lassen mit der Aufschrift "Häuser bauen, nicht enteignen". Hat zwar nichts mit dem Radfahren in der Stadt zu tun, aber Räder ziehen halt in Berlin, manchmal auch Plakate.

Und so verbanden Evers das Angenehme mit dem Nützlichen. Im Hintergrund das Rote Rathaus, traten sie ordentlich gegen den Regierenden Bürgermeister in die Pedale. Michael Müller (SPD) müsse sich endlich positionieren in der Debatte rund um das Thema Enteignungen, der Senat sei ein "Investorenschreck".

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"Die SPD als Regierungspartei muss dem Enteignungswahnsinn Einhalt gebieten", erklärte Wegner. "Zukunft wird aus Mut gemacht", ergänzte Evers und warf Grünen und Linken vor, den Wohnungsneubau zu vergiften.

Werbung für den Masterplan

In den kommenden Wochen sollen vier mit den Plakaten ausgestattete Fahrzeuge durch Berlin touren. Ziel sind unter anderem Gebiete wie die Elisabeth-Aue, der Blankenburger Süden oder das Tempelhofer Feld. Orte, an denen aus Sicht der CDU Wohnungen gebaut werden könnten und sollten - Volksentscheid hin oder her.

Darüber hinaus will die Partei ihren 2018 präsentierten Masterplan Wohnen bewerben. Der war sogar aus den Reihen der Koalition gelobt worden, sie wissen schon, der Investorenschreck.

Blöd nur, dass der von strahlender Sonne in Szene gesetzte Termin aus Fahrradsicht doch noch einen faden Beigeschmack hatte. Ein extra fürs Foto arrangierter Plakat-Truck hielt auf der Grunerstraße und blockierte dabei - oh wunder - den Radweg. Nachfolgende Radfahrer mussten sich in den fließenden Verkehr der dreispurigen Magistrale einordnen, kein ungefährliches Unterfangen.

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Immerhin: Evers fiel der Fauxpas sofort auf, er ruderte wild mit den Armen und bewegte den Fahrer schließlich zum Weiterfahren. In einer Partei, die seit Jahren gegen Dieselfahrverbote und Abgas-Grenzwerte kämpft, ist das ein Anfang.

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