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Kurioser Handyalarm per Cell-Broadcast: Strom kommt ab 11 Uhr zurück – warum warnt Berlin vor „extremer Gefahr“?
Das Ende des wohl längsten Berliner Stromausfalls der Nachkriegszeit ist in Sicht, der Strom kommt zurück. Eine Warnung des Senats verwundert zunächst.
Kurz nach 9.30 Uhr schrillt es am Mittwochmorgen auf vielen Handys von Berlinerinnen und Berlinern: Der Berliner Senat hat über die Warnapps eine Warnung herausgeschickt. „Extreme Gefahr. Achtung! Warnung Stromausfall für Berlin“, heißt es in der Mitteilung. Viele Berliner schauten verwundert aufs Handy. Kurz zuvor hieß es noch, dass der Strom bald wieder da ist.
Erst durch Anklicken der Meldung wird der Hintergrund der Nachricht klar: Im Laufe des Tages sollen die vom Stromausfall betroffenen Haushalte im Südwesten Berlins wieder mit Strom versorgt werden, teilte die Senatsverwaltung für Inneres mit. Via X bestätigte die Senatsverwaltung um 9.36 Uhr, dass die Warnung berlinweit an „alle mobilen Empfangsgeräte“ verschickt werden sollte. Von „extremer Gefahr“ ist hier allerdings nicht mehr die Rede.
Stromausfall: Wovor warnte der Berliner Senat?
Ab 11 Uhr soll es zu einer schrittweisen Wiederzuschaltung kommen. Jedoch warnt die Behörde in der Handywarnung vor möglichen kurzzeitigen Stromunterbrechungen. Um eine sichere und erfolgreiche Wiederzuschaltung zu ermöglichen, wird gebeten, einen starken Verbrauch zu vermeiden.

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Die Meldung wurde über das staatliche Warnsystem Cell Broadcast verschickt, das Gefahrenhinweise – etwa bei Unwettern, Bränden oder Bombenfunden – zeitgleich an alle empfangsbereiten Mobiltelefone innerhalb einer betroffenen Funkzelle sendet. Eine App ist dafür nicht erforderlich.
Laut Innenverwaltung sind jedoch im bundesweiten Warnsystem MoWaS (Modulares Warnsystem) Textvorgaben für unterschiedliche Warnkategorien und Dringlichkeitsstufen voreingestellt. Diese könnten nicht vor Ort verändert werden, erklärte eine Sprecherin.
„Eine Aktivierung des Cell Broadcast über MoWaS in ganz Berlin war zwingend notwendig, um alle potenziell Betroffenen in der Stadt zu erreichen und über die zu treffenden Maßnahmen bei der bevorstehenden Stromaufschaltung zu informieren“, so die Sprecherin. Werde auf diese Art gewarnt, laute die Formulierung auch automatisch „Extreme Gefahr“.
Doch eine erneute Warnung am Mittwochabend löst Zweifel an der Darstellung der Innenverwaltung aus. Sie wurde mit der Überschrift „Gefahreninformation. Entwarnung“ verschickt. Demnach konnte die Textvorgabe offenbar doch geändert werden. Weiter hieß es in der Meldung: „Die Warnung ist AUFGEHOBEN.“
„Keine starken Stromverbraucher verwenden“
In der ersten Warnung vom Mittwoch heißt es weiter, privat und geschäftlich betriebene Notstromaggregate sollten bis spätestens 10.30 Uhr privat ausgeschaltet werden. Elektrogeräte sollten am besten vom Netz getrennt werden, um eventuelle Schäden zu vermeiden.
Die Behörde bittet darum, unmittelbar nach der Wiederzuschaltung keine starken Stromverbraucher zu verwenden, etwa Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter und Ladestationen für E-Fahrzeuge.
Vermeiden Sie nach der Rückschaltung starke Stromverbraucher.
Warnmeldung zum Stromausfall
Notstromaggregate bei gewerblichen Anschlüssen wie Supermärkten, Läden und anderen größeren Abnehmern sollen zunächst weiterbetrieben werden, damit das Netz nicht überlastet wird.
Warnmeldung löste bei Berlinern Verunsicherung aus
Anstatt die Berlinerinnen und Berliner zu beruhigen – der Strom fließt bald wieder – löste die Warnmeldung bei vielen Empfängerinnen und Empfängern Verunsicherung aus. So kommentierte ein Tagesspiegel-Leser: „Diese inhaltlich falsch aufgesetzte Alarmmeldung war kurz beunruhigend und dann wirkte sie lächerlich.“
Ich dachte, das wars, jetzt sind wir im Krieg, wo ist das Auto?
Tagesspiegel-Leser reagierte beunruhigt auf die Warnmeldung.
Ein anderer kommentierte: „Überaus seltsam, eine Warnung zu ‚extremer Gefahr‘ mit dem Betreff ‚Stromausfall‘ zu bekommen, selbst wenn man nicht im betroffenen Gebiet wohnt, oder sich dort aufhält. Es gibt keine extreme Gefahr – der Strom wird wieder angeschaltet. Es ist kein Stromausfall, sondern das Gegenteil davon.“
Nach Stromausfall: Kritik am Krisenmanagement des Senats
Andere Leserinnen und Leser kritisierten auch den Senat für sein Krisenmanagement: „Die Krisenkommunikation inkl. Verfügbarkeit dafür notwendiger Mobilfunknetze war noch nicht gut, da zeigt Berlin noch eklatante Schwächen“. Oder: „Das passiert, wenn Bürokraten und der Berliner Senat sich in Kommunikation versuchen.“ Ein anderer Leser schrieb: „Berlin macht sich mal wieder wichtig. Das kennt man doch. ‚Extreme Gefahr‘ ist totaler Unsinn.“
Ein anderer Nutzer berichtete von einem ersten Panikgefühl beim Lesen der Warnung: „Ich dachte, das wars, jetzt sind wir im Krieg, wo ist das Auto?“ (...) 100% der Warnungen über diesen SMS-Service waren bei mir Unsinn und sie schüren nur Misstrauen dem Staat gegenüber.“
Doch auch positive Reaktionen auf die Warnungen gibt es. Ein Leser schreibt dazu: „Die Warnung ist nachvollziehbar. Wenn alle betroffenen Berliner gleichzeitig ihre Wärmepumpen und Heizungen anwerfen, gibt es die nächste Netzüberlastung.“ Eine weitere Person kommentierte: „In der Tat, etwas seltsam, davor zu warnen und zwar im kompletten Stadtgebiet, dass es in den betroffenen Gebieten wieder Strom gibt. Ich seh es mal positiv, überhaupt informiert zu werden und freue mich mit den Betroffenen.“
Konnten alle Handys die Warnung empfangen?
Nein, längst nicht alle Handys konnten die Warnmeldung via Cell Broadcast empfangen. Denn dafür müssen einige technische Grundvoraussetzungen gegeben sein. Dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zufolge seien vor allem ältere Geräte oder Handys mit einem veralteten Betriebssystem oft nicht in der Lage, Cell-Broadcast-Warnungen zu empfangen. Auch wenn das Smartphone in den Flugmodus versetzt oder komplett ausgeschaltet wird, kann über das Verfahren generell kein Alarm empfangen werden.
Eine Stummschaltung oder den „Bitte nicht stören“-Modus kann Cell Broadcast allerdings aushebeln. Das BBK bestätigte dem Tagesspiegel zum letzten bundesweiten Warntag im September 2025, dass Cell-Broadcast-Meldungen auch ausgegeben werden, wenn das Handy zuvor auf lautlos oder leise gestellt wurde. In diesem Fall soll der Alarmton trotzdem in voller Gerätelautstärke ausgespielt werden. Darüber hinaus soll das Gerät vibrieren.
Warnmeldungen zum Stromausfall wurden nicht nur via Cell Broadcast, sondern auch über spezielle Warn-Apps wie etwa Katwarn, Nina oder Biwapp verschickt. Weil das Cell-Broadcast-Verfahren längst nicht von allen Geräten unterstützt wird, seien solche Anwendungen eine sinnvolle Ergänzung, sagte das BBK dem Tagesspiegel. Überdies können in den Apps mehr Informationen bereitgestellt werden. Bei Cell-Broadcast-Meldungen ist die maximale Zeichenlänge auf 500 Zeichen begrenzt.
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