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Illegaler Waffenhandel : SEK bei Razzia gegen Waffenschmuggler

Sie sollen Pistolen umgebaut, aus der Slowakei nach Berlin und im Clan-Milieu verkauft haben: Vier Festnahmen nach SEK-Einsatz.

Einsatz im Falkenhagener Feld in Berlin.
Einsatz im Falkenhagener Feld in Berlin.Foto: dpa

Bei einem über Monate vorbereiteten Einsatz der Berliner Polizei sind am Donnerstag vier Männer verhaftet worden. Zwei wurden als mutmaßliche Waffenhändler gesucht, die anderen wegen nicht näher bekannter Taten festgenommen. Hintergrund des Einsatzes sind Ermittlungen gegen eine transnationale Bande, die Pistolen aus Osteuropa auch in das Milieu arabischer Großfamilien in Berlin verkauft haben soll. Der Staatsanwaltschaft zufolge sollen zehn Verdächtige am Waffenschmuggel – vor allem aus der Slowakei – beteiligt gewesen sein.
Ab 6 Uhr durchsuchten 300 Beamte, darunter das Berliner und das Brandenburger Spezialeinsatzkommando (SEK), 26 Wohnungen und Lokale in der Hauptstadtregion – Schwerpunkt war Berlin-Spandau. Parallel wurden Häuser in Amsterdam durchsucht. In Berlin wurde ein türkischer Staatsbürger, gegen den Haftbefehl vorlag, festgenommen. Dieser Mann soll für den Verkauf der Waffen im Milieu der Stadt zuständig gewesen sein. Ein anderer Verdächtiger, russischer Staatsbürger, soll die Waffen nach Berlin geschmuggelt haben. Bei der Razzia wurden scharfe Schusswaffen, womöglich für den „Eigenbedarf“, gefunden.

Wurden Waffen aus der Slowakei bei Clan-Kämpfen benutzt?


Die gehandelten Waffen wurden in der Slowakei zunächst unbrauchbar gemacht, ihr Lauf verschweißt. So ist der Verkauf dort legal. In Berlin wurden die Läufe der Waffen dann fachgerecht aufgebohrt. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass seit 2017 bei im Berliner Milieu üblichen Einsätzen öfter deutsche Präzisionsschusswaffen der Firma Glock sichergestellt wurden, die aus der Slowakei stammten. Diese waren zuvor für 1500 bis 2000 Euro pro Stück auf dem Schwarzmarkt gehandelt worden. Einige der Waffen bestehen aus Plastik, weshalb sie von Metalldetektoren nicht erkannt werden. Insgesamt habe man sogar „70 derart umgebauter Pistolen“ gefunden.
So schoss im Sommer 2018 ein szenebekannter 30-Jähriger auf ein Lokal in der Kreuzberger Urbanstraße mit einer solchen Waffe. Mit einer zumindest ähnlichen Kleinkaliberwaffe wurde unbestätigten Angaben zufolge vergangenen Sommer auch der bekannte Intensivtäter Nidal R. am Tempelhofer Feld erschossen.

Aus Sicherheitskreisen heißt es, die am Donnerstag zerschlagene Bande habe nur mittelbar mit den deutsch-arabischen Clans der Stadt zu tun – auch wenn wahrscheinlich sei, dass einschlägig bekannte Familien solche geschmuggelten Waffen benutzen. Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei sagte, der Fall zeige, dass es multikulturelle Netzwerke gibt, die über Landesgrenzen hinweg agierten.

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Sogar Kleidungscontainer wurden durchsucht.
Sogar Kleidungscontainer wurden durchsucht.Foto: REUTERS
Polizeibeamte führen mit Handschellen einen festgenommenen Mann nach einer Razzia in einem Wohnhaus in Tempelhof ab.
Polizeibeamte führen mit Handschellen einen festgenommenen Mann nach einer Razzia in einem Wohnhaus in Tempelhof ab.Foto: dpa