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Stromausfall bis Donnerstag: Wieso dauert die Reparatur in Berlin so lange?
Eine staubfreie Umgebung und Plusgrade: Die Arbeiten nach dem Stromausfall sind komplex. Die Sicherheit des Netzes steht zur Debatte. Voller Schutz sei aber „kaum darstellbar“, sagt der Senat.
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Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde lässt am Samstagmorgen den Strom in Zehntausenden Haushalten im Berliner Südwesten ausfallen. Zuerst heißt es, bis 18.30 Uhr am selben Tag sei der Schaden repariert.
Doch durch die meisten der betroffenen Anschlüsse fließt wohl erst am Donnerstag wieder Strom. Viele fragen sich nun: Wieso dauert die Reparatur so lange? Und warum kann der Strom nicht einfach von woanders umgeleitet werden? „Wenn wir in einem innerstädtischen Bereich wären, könnten wir leichter umleiten“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Sonntag: „Hier in einem Außenbezirk wird es schwieriger und ein Stück weit komplizierter. Natürlich haben wir ein Netz, aber dieses Netz endet dann auch irgendwann.“
Der Schaden
„Wir haben einen akuten, sehr, sehr großen Schaden“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Samstag in der „Abendschau“ des RBB. Demnach wurden fünf Hochspannungskabel und zehn Mittelspannungskabel bei dem Brand am frühen Samstagmorgen zerstört.

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Es seien Brandsätze direkt unter den Kabeln platziert worden. „Die Kraft, mit der eine kontinuierliche Hitzeentwicklung und ein kontinuierlicher Brand erfolgt ist, war größer als die Kraft, die eine Kugelbombe hätte auslösen können“, sagte die Senatorin. Und weiter: „Eine Kugelbombe hätte unseren Leitungen, so wie sie gesichert sind, nichts anhaben können.“
Die Reparatur
Durch Reparatur der Mittelspannungskabel ließen sich mehrere Tausend Haushalte in Lichterfelde schnell wieder anschließen, erklärte Giffey. Für die zehn Zentimeter dicken Hochspannungskabel brauche man „eine Raumumgebung mit Plusgraden“, um sie zu reparieren.
Ein Stromnetz-Sprecher sagte der dpa, dass derzeit an zwei Stellen gearbeitet werde: Zum einen werde die beschädigte Kabelbrücke am Teltowkanal repariert, zum anderen werde an einer provisorischen Lösung für die betroffenen Haushalte gearbeitet. Aktuell gehe man davon aus, dass die provisorische Lösung schneller fertig sei.
Dafür sollen zwei Leitungen, die bisher nicht miteinander verbunden waren, zusammengeführt werden. Das sei allerdings sehr kompliziert, weil hier zwei verschiedene Kabeltechnologien im Einsatz seien: Ein Kunststoffkabel trifft auf ein Ölkabel.
Für die Verbindungen der beiden Technologien brauche es speziell ausgebildete Experten, Plusgrade, eine rund 14 Meter lange, tiefe Baugrube und eine möglichst staubfreie Umgebung, erklärte der Sprecher. Stromnetz Berlin habe viele Unterstützungsangebote bekommen, doch für diese technologische Herausforderung sei eben etwas Zeit nötig.
Die Reparatur der Hochspannungsleitungen sei „hochkomplex“, schrieb Giffey in einem Instagram-Post. „Normalerweise dauert die Reparatur solcher zehn Zentimeter dicken Kabel fünf Wochen – jetzt werden alle Teams der Stromnetz Berlin und ihrer Partner rund um die Uhr daran arbeiten, das in fünf Tagen zu schaffen.“
Die Sicherheit des Stromnetzes
Das Berliner Stromnetz hat laut Giffey eine Länge von etwa 35.000 Kilometern. 99 Prozent davon seien bereits unter der Erde. „Wir reden über ein Prozent, das noch oberirdisch verläuft. Es ist unser Ziel, auch dieses eine Prozent unter die Erde zu bringen“, sagte Giffey. Man werde aber immer verletzliche Stellen im Netz haben. „Unsere Kabel sind sehr gut gesichert“, sagte die Senatorin.
Eine vollständige Sicherung des Stromnetzes gegen Attacken wie die vom Samstagmorgen hält die Wirtschaftsverwaltung allerdings für „kaum darstellbar“. Das sagte eine Sprecherin Giffeys am Sonntag auf Nachfrage des Tagesspiegels. Es werde „immer punktuell oberirdisch Hochspannungsleitungen geben müssen, besonders wenn Leitungen an Brücken über Flüsse und Kanäle geführt werden müssen“ – so wie es in Lichterfelde der Fall ist.
Giffeys Sprecherin bezeichnete das Berliner Stromnetz als eines der sichersten in Deutschland und kündigte an, neben der unterirdischen Führung würden Umspannwerke, Netzknoten und neuralgische Punkte zusätzlich gesichert.
Unklar blieb, in welcher Höhe Gelder für die geforderte Absicherung des Netzes zur Verfügung gestellt werden. „Das Land Berlin investiert in den nächsten Jahren so viel wie nie zuvor in den Ausbau und die Modernisierung seines Stromnetzes“, erklärte die Sprecherin vage, nannte aber keine konkrete Summe. „Die Investitionsquote in das Berliner Stromnetz ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen“, ergänzte sie.
Vorgesehen ist, im Zuge des aktuellen Doppelhaushalts 500 Millionen Euro als Eigenkapitalzuführung an die BEN, Betreibergesellschaft von Stromnetz Berlin, zu überweisen. Mit dem zusätzlichen Geld sollen Kredite am Kapitalmarkt aufgenommen werden können.
Zudem wurde im September der Vertrag für die Aufnahme eines 380-Millionen-Euro-Darlehens der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterzeichnet. Wie genau die Gelder verwendet werden und wie groß der Anteil zur Verbesserung der Resilienz des Berliner Stromnetzes ausfallen wird, blieb am Sonntag zunächst unklar. (mit dpa)
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