• Tagesspiegel-Leser spendeten für „One Happy Family“: Flüchtlingseinrichtung auf Lesbos bei Brand schwer zerstört

Tagesspiegel-Leser spendeten für „One Happy Family“ : Flüchtlingseinrichtung auf Lesbos bei Brand schwer zerstört

Auf dem Gelände einer Flüchtlingsorganisation auf Lesbos hat es am Samstag gebrannt. Der Tagesspiegel hatte kürzlich Spenden für das Projekt gesammelt.

Am Tag danach sind immer noch Feuerwehrkräfte auf dem Gelände im Einsatz.
Am Tag danach sind immer noch Feuerwehrkräfte auf dem Gelände im Einsatz.Foto: Louisa Gouliamaki/AFP

Das Schulgebäude ist komplett abgebrannt, auch einen Spielplatz und Büroräume samt der dort aufbewahrten Unterlagen hat es getroffen. Nicht zerstört, aber durch Rauch und Löscharbeiten beeinträchtigt, sind die Klinik, die Ausbildungswerkstatt und das Frauenhaus.

Das ist die Bilanz nach einem Brand in der Einrichtung der Schweizer Flüchtlingsorganisation „One Happy Family“ am Samstagabend auf Lesbos, unweit der Flüchtlingsunterkunft Kara Tepe, wo rund 1500 Flüchtlinge und Migranten leben, darunter viele Kinder und Familien. One Happy Family wird als Treffpunkt für Flüchtlinge genutzt.

[Alle Neuigkeiten zur Lage an der türkisch-griechischen Grenze können Sie im Newsblog nachverfolgen.]

Welche Ursache das Feuer hat, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Polizei ermittelt, ob es sich um einen Brandanschlag handelt.

Die Einrichtung von „One Happy Family“ ist seit etwa zwei Wochen geschlossen, sagte der örtliche Leiter Nicolas Perrenoud dem Tagesspiegel. Wohl auch deshalb hat es keine Verletzten gegeben.

Eine Aufnahme des Brandes von Samstagabend.
Eine Aufnahme des Brandes von Samstagabend.Foto: via Reuters

Der Betrieb war aus Sicherheitsgründen eingestellt worden - die Stimmung auf Lesbos, einer Insel nahe der Türkei, war zuletzt gekippt. Mitarbeiter von Flüchtlingscamps, Aktivisten, Politiker und Journalisten berichten von Angriffen durch wütende Inselbewohner und rechtsextreme Schläger, teils aus Griechenland, aber auch aus Deutschland, weiteren EU-Ländern und den USA.

Auch der Spielplatz des Flüchtlingszentrums brannte ab.
Auch der Spielplatz des Flüchtlingszentrums brannte ab.Foto: promo

Auch Feuer wurden gelegt. Unter anderem brannte eine Erstaufnahmestelle des UN-Flüchtlingshilfswerks im Norden der Insel ab, das zu diesem Zeitpunkt geschlossen war.

Hilfsorganisationen, die auf Lesbos aktiv sind, haben bereits begonnen, Mitarbeiter nach Hause zu schicken. Die Ehrenamtlichen „One Happy Family“ seien in der Inselhauptstadt Mytilene untergebracht, das 20-köpfige Kernteam sei vor Ort, sagte Nicolas Perrenoud. Zuletzt habe man aber darüber nachgedacht, das Zentrum wieder zu öffnen.

Auf einem Plakat ist die Ankündigung zu lesen, dass man die Schule wieder aufbauen wolle.
Auf einem Plakat ist die Ankündigung zu lesen, dass man die Schule wieder aufbauen wolle.Foto: Louisa Gouliamaki/AFP

Die Tagesspiegel-Spendenverein hatte bereits im Dezember beschlossen, die Organisation „One Happy Family“, die auch einen Sitz in Berlin hat, finanziell zu unterstützen. Ein Scheck sollte am 19. März in Anwesenheit von Chefredakteur Lorenz Maroldt, Geschäftsführerin Ulrike Teschke überreicht werden. Der Spendenverein wird in Kürze tagen, um zu entscheiden, was mit den gesammelten Geldern passiert.

Derzeit halten sich mehr als 20.000 Migranten auf der Insel 86.000-Einwohner-Insel auf. Wegen der Grenzöffnung der Türkei versuchen derzeit wieder mehr Menschen, nach über das Meer nach Lesbos zu kommen

Richtigstellung: In einer vorherigen Version dieses Artikels haben wir aufgrund einer dpa-Meldung berichtet, dass Herr Oliver Kirchner, AfD Fraktionsvorsitzender im Landtag von Sachsen-Anhalt, am Rande des Brandes der Flüchtlingseinrichtung auf Lesbos selber aufgetreten sei und „Fake News“ verbreitet habe, dass die Gebäude niedergebrannt seien, weil sie einer Hilfsorganisation gehörten, die illegale Einwanderer aus der Türkei ins Land brächten. Hierzu stellen wir fest, dass Herr Kirchner nach eigenen Angaben noch niemals in Griechenland war. Er war weder auf Lesbos noch hat er solche Angaben zur Brandursache gegenüber Journalisten gemacht. Die Redaktion.

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