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Immerhin singt er nicht.  Micky Beisenherz, 42, Moderator, Talkmaster, Gagschreiber fürs Dschungelcamp, Autor, Podcaster unterwegs auf diversen Kanälen. Am Montag startet sein Magazin „#timeline“ (n-tv, 20 Uhr 15), am 27. 2. „Artikel 5“ auf Magenta TV.

© picture alliance/dpa

Micky Beisenherz im Interview: „Der kann weg? Bitte nicht!“

Micky Beisenherz, der Gagschreiber fürs RTL-Dschungelcamp, über seine beiden neuen TV-Sendungen, sinnvolles Twittern und Social Media im Fernsehen.

Herr Beisenherz, wie war es im Dschungelcamp? Sie sind eben aus Australien zurück.

Aus der Hitze in den deutschen Winter, ja. Im Ernst: Es war dort unten heißer als sonst. Von den Verheerungen an anderen Orten Australiens haben wir aber wenig mitbekommen.

Im Februar geht es bei Ihnen jobmäßig weiter hoch her, unter anderem mit dem Magazin „Artikel 5“. Was genau ist das?
Infotainment, auf Magenta TV. Eine Mischung aus „heute-show“ und „Frontal21“. Themen wie China, Subventionen oder Krankheitskeime werden ausführlicher behandelt, und das nicht nur satirisch. Die Sendungen sind teils vorproduziert, wir können und wollen bei Themen wie Coronavirus aber aktuell reagieren. So neu ist der Job übrigens gar nicht. Es ist ja schon die zweite Staffel.

„Artikel 5“, der Passus zur Meinungsfreiheit. Das Grundgesetz liegt im Trend. 2019 gab’s einen guten Ansatz von Oliver Wurm, der das in Heftform rausbrachte.
Ich habe das zu Hause. Extrem wichtig, allein der Artikel über die Würde des Menschen. Das ist gerade in den vergangenen Jahren nicht von allen so ernst genommen worden. Oder eben das Thema Meinungsfreiheit. Wieso haben so viele Menschen das Gefühl, ihre Meinung nicht mehr sagen zu können? Schauen Sie sich Twitter an. Da sind wir in extremen Lagern verhaftet: das linke, das rechte, das Mitte-rechte. Es ist sehr schwierig geworden, die Meinung des anderen Lagers überhaupt mal anhören zu wollen.

Dem wollen Sie jetzt ab Montag mit einem weiteren TV-Magazin beikommen.
Ja, in „#timeline“ auf n-tv widmen wir uns den Social-Media-Timelines von prominenten Gästen. Auch den Feinheiten, die bei Twitter ein bisschen unter dem Radar laufen.

Jeden Tag ein neuer Shitstorm

Social Media, ist das Fluch oder Segen?
Das ist so pauschal nicht zu beantworten. Es gibt ein unseliges Zusammenspiel von Twitter, Onlinemedien und Printmedien, die Onlinemedien zitieren, die wiederum Twitter zitieren. Da kommt jeden Tag ein Shitstorm zusammen, jüngst der über Jürgen von der Lippe, der sich im Interview zum Thema Greta äußerte. Meine Mutter liest dann, dass bei Twitter ein Berufsverbot für Jürgen von der Lippe gefordert wird, weil er gesagt hat, die Leute seien von Greta genervt.

Eine Spirale.
Eine Art Vierklang. Es passiert irgendwas, dann kommen drei erboste Meldungen bei Twitter, die Onlinemedien zitieren diese empörten Regungen, Twitter zitiert die Onlinemedien. Im vierten Schritt zitieren Printmedien die Onlinemedien. Dann ist es plötzlich eine Meldung in der Zeitung, die bei meiner Mutter liegt. Im Grunde genommen ist überhaupt nichts passiert.

Sie sind ja Teil dieses Systems, als Medienmensch, der sich täglich bei Facebook und Twitter äußert. Vielleicht sollten wir auch mal schweigen, als Gipfel des Tiefsinns.
Ich bin, Jahrgang 77, aus so einer Art Scharnier-Generation, mit einem Bein knietief in der analogen Welt, andererseits weiß ich um die Belange der Millennials. So kann ich in der Mitte stehen und weiß, wie so ein Shitstorm, ein vermeintlicher Skandal sich aufbaut, wie er verläuft und wie es endet. Deswegen ja auch die Moderation für „#timeline“.

Bitte ohne klassischen Twitter-Jargon

Sehen wir’s andersrum: Worüber wird sich derzeit bei Twitter nicht genug aufgeregt?
Über Alexander Gauland, der das Steuernzahlen offenbar genauso verpennt wie die Rede des israelischen Präsidenten im Bundestag. Oder Friedrich Merz, der sich zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung nicht zurückhalten kann, seine politische Agenda unterzubringen. Ärgerlich. Deswegen muss man aber bitte nicht gleich in klassischen Twitter-Jargon verfallen. Motto: „Der kann weg!“ Was für eine Aussage: „Kann weg.“

Braucht Facebook Regeln, um dort Beleidigen, Lügen, Bedrohen zu unterbinden?
Grundsätzlich ja. Das Problem ist, dass auch viele Beiträge gelöscht werden, die vielleicht satirischen Hintergrund haben. Zudem: Was erwarten wir von Mark Zuckerberg? Der animiert erst mal zur Gegenrede, anstatt Regeln einzuführen. Facebook ist ein eigener Staat. Je mehr Traffic auf den Straßen ist, desto besser.

Viel Traffic – das scheint ja auch Ihr Motto zu sein. Gibt es mehrere Micky Beisenherz? Moderator, Autor, Gagschreiber ...
Schön, dass Sie das Wort „Allzweckwaffe“ vermieden haben. Ich habe mich mittlerweile mit mir selbst darauf geeinigt, mich als „Unterhalter“ zu bezeichnen. Immerhin singe ich nicht.

Das Interview führte Markus Ehrenberg

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