Satirebeitrag „Corona rettet die Welt“ : Jung gegen Alt beim Coronavirus empört Nutzer

„Es rafft die Alten dahin, aber die Jungen überstehen diese Infektion nahezu mühelos“, heißt es in einem Satire-Video des Jugendkanals „funk“. Das bringt Ärger.

"Es rafft die Alten dahin, aber die Jungen überstehen diese Infektion nahezu mühelos." Das "funk"-Satirevideo "Corona rettet die Welt" sorgt derzeit für massive Empörung.
"Es rafft die Alten dahin, aber die Jungen überstehen diese Infektion nahezu mühelos." Das "funk"-Satirevideo "Corona rettet die...Screenshot: KWS

Ein vermeintliches Satire-Video des öffentlich-rechtlichen Jugendangebots „funk“ mit dem Titel „Corona rettet die Welt“ sorgt für Empörung. „Wir vom Browser Ballett sagen ja zu Corona, denn mit diesem Virus heilt sich der Planet praktisch selbst. Interessant, wie fair dieses Virus dabei ist. Es rafft die Alten dahin, aber die Jungen überstehen diese Infektion nahezu mühelos. Das ist nur gerecht, immerhin hat die Generation 65 plus diesen Planeten in den vergangenen 50 Jahren voll an die Wand gefahren“, heißt es in dem Satirebeitrag über die Coronavirus-Krise

Ende des vergangenen Jahres war der ebenfalls öffentliche-rechtliche Sender WDR mit dem so genannten „Umweltsau“-Satirebeitrag in die Kritik geraten. Intendant Tom Buhrow entschuldigte sich öffentlich für das Video, in dem der WDR-Kinderchor „Meine Oma ist ne‘ alte Umweltsau“ sang.

Das Video „Corona rettet die Welt“ stammt vom öffentlich-rechtlichen Youtube-Kanal „Bohemian Browser Ballett“ des gemeinsamen Jugendangebots „funk“ von ARD und ZDF und wurde bislang 166.000 mal aufgerufen. Im Internet wird der Satire-Beitrag inzwischen heftig kritisiert.

„ARD/ZDF lernen nichts. Ich bin 70 geworden und weiß seit 1 Stunde, dass ich Corona-positiv bin. Makabre ARD-Satire“. Der CSU-Politiker Stefan Müller twitterte: „Ekelhafter und dümmlicher Clip. In manchen Redaktionsstuben ist man moralisch anscheinend vollkommen bankrott.“ Ein anderer Twitter-Nutzer beschwerte sich online beim Presserat und twitterte das per Sceenshot.

Weiter heißt es in dem Beitrag mit einer Länge von insgesamt zwei Minuten: „Aber nicht nur die Alten erwischt es, sondern auch die Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, die wir vor allem in den entwickelten Wohlstandsnationen finden beziehungsweise dort, wo sich die Menschen wenig bewegen und alle ein bisschen fetter sind. Welche Nation ist dabei am meisten betroffen?“, fragt der Sprecher und verweist auf die Vereinigten Staaten. „Waren es nicht die USA, die mit ihrer Wachstum-um-jeden-Preis-Manierpolitik diesen Planeten in diese Bredouille gebracht haben?“

"Eine zugegebenermaßen extrem bittere Ironie"

Wie sehr das Video des "Browser Ballett" polarisiert, zeigen die Bewertungen unter dem Beitrag: Auf 8895 positive Bewertungen kamen am Sonntagmorgen 4598 negative. Viele Kommentatoren unter dem Video sind verärgert: "Diese unerträgliche Hetze gegen alte Menschen muss endlich aufhören", heißt es dort beispielsweise. Oder: "Und für so einen Dreck müssen wir bezahlen? Sorry das ist nicht lustig, das ist peinlich und eigentlich schon volksverhetzend (gegen alte Menschen). Irre, was in diesem land abgeht, nur noch Bekloppte!"

Das "Bohemian Browser Ballett" wurde vom Satiriker Satiriker Schlecky Silberstein erdacht. Im September 2018 kam es wegen des Satire-Films "Volksfest in ins Sachsen" über eine ausländerfeindlichen Demonstrationen in Chemnitz zu einer Kontroverse mit der AfD. Gegen Schlecky Silberstein, der das Video produziert hatte, wurden Morddrohungen ausgestoßen.

Inzwischen haben die Macher des Beitrages auf die Kritik reagiert: "Wir verstehen die Angst und auch die Wut der Menschen, die sich aktuell um ihr eigenes Wohlergehen oder das ihrer Angehörigen sorgen und sich durch unseren Clip “Corona rettet die Welt” verletzt oder in ihrer Sorge nicht ernst genommen fühlen. Unser Anliegen war eine satirische Einordnung des Virus als vermeintlicher Schutzreflex des Planeten", heißt es darin.

[Informationen über aktuelle Entwicklungen aufgrund des Coronavirus sowie Hintergründe und Analysen finden Sie hier in unserem Newsblog.]

"Im Kern geht es um die Beobachtung der überraschenden Wechselbeziehung zwischen den Konsequenzen der Corona-Pandemie und den Effekten für das Klima. Darin steckt eine zugegebenermaßen extrem bittere Ironie, auf die wir mit dem satirischen Stilmittel der Übertreibung aufmerksam machen wollen. Aber wir haben Respekt für die Gefühle unseres Publikums und sorgen uns wie alle anderen um das Wohlergehen all jener, deren Gesundheit durch die Pandemie besonders gefährdet ist. Daher stehen wir weiterhin hinter unserer Arbeit und entschuldigen uns gleichzeitig bei allen, die wir mit dem Clip verletzt haben."

Ein neues grünes Paradies dank Corona?

Und in dem Stil geht es weiter: „Vielleicht ist das Corona-Virus auch nur eine Antwort auf den Turbo-Kapitalismus. Das funktioniert. Der Flugverkehr ist eingebrochen, die Produktion wird zurückgefahren, der Konsum geht zurück. Eine bessere Nachricht gibt es doch gar nicht für diesen Planeten. In China ist die Luftverschmutzung in kürzester Zeit zurückgegangen. Wenn das so weiter geht, erleben wir vielleicht bald ein neues grünes Paradies.“

Sodann wird das Coronavirus als Möglichkeit gegen die Überbevölkerung der Erde gewertet: „Überhaupt, ist es nicht eigentlich, dass es von uns viel zu viele gibt?“ Weniger Menschen bedeutet, weniger Ressoucenknappheit, das bedeutet weniger Hunger, das bedeutet weniger Krieg und das bedeutet weniger Fluchtursachen. Also: Wahrscheinlich ist das Corona-Virus einfach nur ein schöner Reflex der Natur, um uns Menschen zu sagen, wer hier eigentlich die Hosen anhat. Deshalb: Schluss mit diesem kleinkarierten Egoismus. Corona ist deshalb da, weil wir es einfach nicht besser verdient haben.“

Und darunter der Hinweis „Funk ist Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Im „Umweltsau“-Video heißt es am Ende „Meine Oma ist doch keine Umweltsau“. Beim Corona-Beitrag fehlt eine solche Relativierung hingegen.

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