Simone Thomalla in der Kritik : „Ich dachte nicht, dass es so schlimm in unserem Land aussieht“

Simone Thomalla hat zur Wahl in Sachsen und Brandenburg gegen Rechts Stellung bezogen. Dafür wird sie nun auf Instagram heftig angefeindet.

Simone Thomalla hat Gesicht gezeigt.
Simone Thomalla hat Gesicht gezeigt.Screenshot: Tsp

Simone Thomalla, 54, geboren in Leipzig, Schauspielerin, bekannt vor allem als TV-Kommissarin im MDR-Tatort (von 2008 bis 2015). In einer Aktion von „Gesicht Zeigen!“, einem Verein mit Sitz in Berlin, der sich gegen Rechtsextremismus einsetzt, hat Thomalla zur Wahl in Sachsen und Brandenburg gegen Rechts Stellung bezogen, zusammen mit acht weiteren Prominenten. Ihre Teilnahme hat zu heftigen Beiträgen bei Instagram und Facebook geführt.

Frau Thomalla, haben Sie lange überlegt, als Sie von Gesicht Zeigen!“ gefragt worden, sich zur kommenden Wahl in Sachsen und Brandenburg öffentlich zu äußern?
Ja, das habe ich und nicht, weil es sich um die Wahl in Sachsen dreht, sondern weil ich grundsätzlich in der Vergangenheit keine politischen Statements abgegeben habe. Anfragen unterschiedlicher Parteien kamen häufiger, auch Einladungen zu großen Veranstaltungen, die parteipolitisch eindeutig geprägt waren. Ich wollte mir da aber immer meine künstlerische Neutralität bewahren und habe abgesagt.

„Jede Stimme gegen Rechts zählt“, sagen Sie da. Waren Sie überrascht von den heftigen Beiträgen, die dann auf Instagram über Sie hereingebrochen sind?
Mehr als das, ich war entsetzt! In mir hat mein Beitrag für „Gesicht Zeigen!“ tatsächlich auch sehr viel gerade gerückt, weil ich nicht dachte, dass es so schlimm in unserem Land aussieht. Bei der Anfrage habe ich erst überlegt abzusagen, dachte dann aber, es ist an der Zeit, Stellung zu beziehen.

Bereuen Sie Ihren Schritt, diese Aktion oder bestärkt Sie diese Empörungswelle in Ihrer Entscheidung, Ihrer öffentlichen Äußerung?
In keinem Falle bereue ich es. Wenn ich die vielen Kommentare unter meinem Post anschaue, lese ich, dass viele Menschen dort aus Wut und Opposition eine rechte Haltung einnehmen. Schlimm genug, keinen anderen Ausweg zu sehen, als rechts zu denken oder gar zu wählen. Aber was mich zusätzlich bestärkt hat, diese Aktion zu unterstützen, ist die Tatsache, dass wir Lichtjahre von diesem großen Wunschdenken einer weltoffenen, multikulturellen Gesellschaft entfernt sind. In vielen Köpfen scheint das gar nicht gewünscht zu sein, wie ich vielen Kommentaren auf meinen Seiten bei Instagram und Facebook entnehme. 

Wen Sie am 1. September nicht wählen würden, muss ich Sie ja nicht fragen. Wie gut kennen Sie Frau Merkel, beziehungsweise, wie nahe stehen Sie der CDU? Eine der noch harmloseren Beiträge auf Instagram insinuiert, da stecke jemand tief im A….. der Merkelschen Politik..
Da haben einige User mich sicherlich mit meiner Tochter Sophia in einen Topf geworfen, die sich klar zur CDU bekannt hat und Frau Merkel bis heute unterstützt. Und ja, das war tatsächlich eher einer der harmlosen Beiträge. Zuerst war ich versucht, das eine oder andere rechte Gedankengut zu löschen, habe mich dann aber dagegen entschieden, denn vielleicht bringt es dann Wanderwähler oder Unentschlossene zum Umdenken.

Sind Sie oft in Ihrer Heimat Leipzig und in Sachsen unterwegs? Kriegen Sie etwas mit von der Stimmung auf der Straße?
Leider wenig, ich drehe zurzeit einige Monate in Bayern, bin selten in meiner Heimatregion und lese eher von den Ausschreitungen und Stimmungen. Es macht mir Angst.

Stehen Sie in Kontakt mit anderen Prominenten dieser Aktion, zum Beispiel Alexander Schubert aus der „heute-show“ oder Gerit Kling? Tauschen Sie sich aus?
Tatsächlich komme ich momentan durch die Arbeit kaum dazu, mich mit den Kollegen abzugleichen und weiß deshalb auch nicht, ob es dort bei den Kommentaren ähnlich abgeht.

Ich zähle neun Prominente bei dieser Aktion von „Gesicht Zeigen!“. Würden Sie sich wünschen, dass noch mehr Ihrer KollegInnen, SchauspielerInnen, ModeratorInnen etc. Flagge in der Sache zeigen? Wie politisch dürfen oder sollen Prominente sein?
Jeder muss das für sich selbst entscheiden dürfen. Ich habe ja auch lange geschwiegen, bin im Privatleben durchaus ein politischer Mensch, glaube aber, dass es gut wäre, wenn sich viele öffentliche Personen positionieren. Wichtig wäre es auch, die Jugend und die vielen Arbeitslosen zu erreichen. Auch da gibt es durchaus prominente Multiplikatoren, die diese Menschen erreichen und vielleicht etwas bewegen könnten.