TikTok App : „Staatlicher Zugriff nicht ausgeschlossen“

Verfassungs- und Datenschützer warnen vor TikTok. In Berlin läuft ein Prüfverfahren um die Video-App.

Die Video-App TikTok verzeichnet ein rasantes Wachstum, noch ist der chinesische Dienst kaum reglementiert.
Die Video-App TikTok verzeichnet ein rasantes Wachstum, noch ist der chinesische Dienst kaum reglementiert.Foto: Jens Kalaene/dpa

Der chinesische Videodienst TikTok ist die aktuell am schnellsten wachsende Social-Media-Plattform weltweit. Allein in Deutschland gibt es bereits 5,5 Millionen Nutzer, insgesamt sollen es bereits über eine Milliarde sein. Nach Ansicht des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Bundesbeauftragten für den Datenschutz ist es aber zugleich aus Datenschutzsicht eines der gefährlichsten Angebote.

Gegenüber der „Bild“-Zeitung warnte das Verfassungsschutzamt insbesondere davor, dass bei Apps aus dem Ausland die User-Daten „in dem jeweiligen fremden Staat gespeichert sind und somit die dortigen Behörden auf diese Daten Zugriff nehmen können“.

Deutschlands oberster Datenschützer Ulrich Kelber sieht besonders bei Staaten Gefahren, „die nicht unser Verständnis einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung teilen“. Dort könne nicht ausgeschlossen werden, „dass eventuell auch staatliche Stellen Zugriff auf die Daten erhalten“, sagte er auf Anfrage.

In der Praxis ergeben sich allerdings noch andere Probleme: TikTok ist in Deutschland über eine Niederlassung in Berlin vertreten, entsprechend ist die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Maja Smoltczyk, für das chinesische Unternehmen zuständig.

Prüffall in Berlin

Aktuell läuft eine Prüfung in Zusammenhang mit TikTok, teilte das Amt am Montag auf Anfrage mit. Es hatte eine Beschwerde über Probleme beim Löschen eines Accounts gegeben. Über Details zum Stand der Prüfung gibt die Datenschutzbeauftragte keine Auskunft. Es handelt sich dem Vernehmen nach jedoch nicht um eine grundsätzliche Datenschutzprüfung.

Neben den grundsätzlichen Bedenken der Verfassungs- und Datenschützer wegen der Speicherung der Nutzerdaten auf ausländischen Servern ist bei TikTok jedoch ein anderes Thema eine virulente Gefahr: Fake News. Seit kurzem ist auch die „tagesschau“ der ARD in der Video-App vertreten. Genauer gesagt gibt es nun auch einen offiziellen Kanal der „Tagesschau“ mit aktuell 64 000 Followern.

Wie auch bei anderen Social-Media-Angeboten zeigt ein kleiner blauer Haken am Account-Namen an, dass es sich um ein verifiziertes Angebot handelt. Videos mit dem Hashtag #tagesschau gibt es hingegen schon deutlich länger. Und längst nicht alles mit dem Namen des altehrwürdigen Nachrichtenflaggschiffs der ARD entspricht den journalistischen Standards der Informationssendung.

Keine neutrale Plattform

Als neutrale Nachrichteninstanz kann TikTok ohnehin nicht angesehen werden. Recherchen von Netzpolitik.org haben gezeigt, dass der Dienst Videos von politischen Protesten und Demonstrationen – Stichwort Tiananmen-Massaker, Tibets Unabhängigkeit und Hongkong – systematisch unterdrückt, auch wenn TikTok selbst bestreitet, dass Inhalte allein wegen der politischen Ausrichtung moderiert würden.

Die Jugendschutz-Initiative „Schau hin!“ rät den Nutzern von TikTok dazu, die Datenschutz-Einstellungen anzupassen. Dazu gehört, das Profil auf privat zu stellen. Posts von angemeldeten Nutzern sind dann nur für jene Personen zu sehen, die einem folgen. Empfehlenswert sei auch die Option, dass nur befreundete Nutzer Nachrichten schicken oder Kommentare abgeben dürfen. Das schützt vor einer unerwünschten Kontaktaufnahme durch Fremde.

In der App lassen sich außerdem virtuelle Geschenke machen – die sogenannten „Gift Points“ kosten jedoch bares Geld. Die Experten von „Schau hin!“ empfehlen Eltern, dass ihre Kinder Downloads und Käufe nur auslösen dürfen, wenn das vorher abgesprochen wurde.

Die App ist ab 13 Jahren freigegeben, unter 18-Jährige brauchen laut den Geschäftsbedingungen eine Erlaubnis der Eltern. Doch „Schau hin!“ zufolge findet eine wirkliche Altersprüfung nicht statt. TikTok kann auch ohne Anmeldung genutzt werden, allerdings ist es dann nicht mögich, eigene Videos zu veröffentlichen. Kurt Sagatz

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