Strom ist als sauberer als Benzin

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Zukunft der Mobilität : Unser Auto – kann das weg?
Patrick Reichelt Felix Wadewitz


Critical Mass, eine Idee von bestechender Einfachheit: Fahrradfahrer fahren unter Einhaltung aller Verkehrsregeln gemeinsam durch die Stadt, zeigen Präsenz und erinnern daran, dass die StVO viel muskelkraftfreundlicher ist, als die meisten motorisierten Verkehrsteilnehmer glauben.
Critical Mass, eine Idee von bestechender Einfachheit: Fahrradfahrer fahren unter Einhaltung aller Verkehrsregeln gemeinsam durch...Foto: promo

Als Umweltsünder: Verbesserungsfähig

Für Gegner der Elektromobilität schien es wie ein Geschenk des Himmels: Eine Studie des schwedischen Umweltforschungsinstituts IVL hatte ergeben, dass die Produktion eines E-Auto-Akkus mehr als 17 Tonnen CO2 verursacht. Die sogenannte „Schweden-Studie“ wurde begierig aufgegriffen, zum Beispiel in der „Welt“. Auch Industrievertreter bezogen sich auf das Werk.

Das Problem: Die Zahl tauchte in der Studie gar nicht auf, sondern wurde von einem schwedischen Journalisten in Umlauf gebracht. Und der räumte später selbst ein, dass es völlig falsch war, den Akku eines Tesla Model S mit einer Kapazität von 100 Kilowattstunden (kWh) als Maßstab für ein durchschnittliches E-Auto heranzuziehen – ganz abgesehen davon, dass Teslas Gigafactory mit erneuerbaren Energien arbeitet, wie Unternehmenschef Elon Musk empört twitterte.

Selbst wenn man nicht 100 Prozent Ökostrom annimmt, schneidet das E-Auto nicht schlecht ab. Der koreanische Batteriezellen-Hersteller LG Chem legte seine Daten offen: Für die Herstellung des Akkus mit einer Kapazität von 24 kWh für den elektrischen Ford Focus wurden 3,2 Tonnen CO2 freigesetzt. Diese Menge stößt ein Benziner mit knapp sieben Litern Verbrauch mit einer Strecke von 20000 Kilometern aus.

Das Fachmagazin „Edison“ vom „Handelsblatt“ hat in einer Modellrechnung untersucht, wie viel CO2 Kompaktwagen mit E-Antrieb, Benzin- oder Diesel-Motor über ihre gesamte Fahrstrecke von 200000 Kilometern emittieren. Der Benziner mit einem Verbrauch von sieben Litern kommt auf gut 32 Tonnen, der Diesel bei 5,5 Litern Verbrauch auf 29 Tonnen. Der Stromer benötigt 14 kWh für diese Strecke und stößt in seinem ganzen Autoleben 14 Tonnen CO2 aus. Dabei wurde der deutsche Strommix von 2017 zugrunde gelegt. Würde man das E-Auto mit Ökostrom betreiben, läge der Ausstoß bei nur 1,4 Tonnen.

Das ist eigentlich der Normalfall: Die Betreiber von Ladesäulen wie Ionity, das Joint Venture der Autohersteller VW, BMW, Daimler und Ford, arbeiten ohnehin mit Strom aus erneuerbaren Energien. BMW bietet seinen E-Auto-Käufern Elektrizität von Naturstrom an und produziert auch seine Modelle i3 und i8 CO2- neutral. Das planen auch VW und Porsche für ihre künftigen Elektroautos.

Die Klimabilanz ist also eindeutig positiv. Aber wie sieht es aus mit Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Nickel, die für die Produktion der Akkus gebraucht werden? Die benötigten Mengen werden enorm ansteigen, wenn zwischen 2020 und 2030 Millionen E-Autos auf die Straßen kommen. Die Reserven dieser Rohstoffe werden zu einem deutlich höheren Prozentsatz als heute angegriffen, sagten die Experten auf dem Batterieforum vor wenigen Tagen in Berlin. Sie schlugen deshalb aber nicht Alarm: Es werden immer neue Vorkommen und Techniken zum Abbau entdeckt. Außerdem versuchen die Forscher, die knappen Materialien durch andere wie Magnesium, Natrium und Aluminium zu ersetzen. Und was den Abbau von Kobalt angeht, der vor allem im Kongo teilweise mit Kinderarbeit betrieben wird, so haben sich viele Autohersteller wie BMW und VW verpflichtet, nur Batteriezellen einzukaufen, die unter einwandfreien Bedingungen hergestellt wurden.

Wer immer noch nicht von der E-Mobilität überzeugt ist, verweist gerne auf den Brennstoffzellenantrieb oder synthetische Kraftstoffe, die mithilfe von Ökostrom produziert werden könnten. Aber Autos, die mit Wasserstoff oder E-Fuels laufen, verbrauchen unter dem Strich wesentlich mehr Strom als E-Autos mit batterieelektrischem Antrieb. Die sogenannten Umwandlungsverluste bei der Produktion von grünem Wasserstoff und E-Fuels sind so hoch, dass man sie für Flugzeuge oder Schiffe reservieren sollte. Da ist der Einsatz von Akkus nicht sinnvoll, weil sie zu schwer sind. Jens Tartler


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