zum Hauptinhalt
Thema

Taliban

Die um die Stabilität in Afghanistan kämpfende Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" und die Schutz- und Aufbautruppe Isaf sollen offenbar künftig zusammengelegt werden. Nach dem Tod unschuldiger Zivilisten bei einem Einsatz der Bundeswehr sind derweil die Zahlungen an "Blutgeld" für die Familien abgeschlossen.

228879_0_537f132a

Die Lage ist angespannt: Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will in in Islamabad bei Regierung und Militär für die Sicherung der Grenze zu Afghanistan werben. Unterdessen mehren sich die Stimmen, die eine Beendigung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr fordern.

Die Angst vor neuen Anschlägen auf die Bundeswehr in Afghanistan löst unter deutschen Soldaten zunehmend Nervosität aus. Ein mutmaßlicher Sprengsatz in der Nähe des Feldlagers in Kundus entpuppt sich offenbar als Fehlalarm. Die ohnehin schon schwierige Sicherheitslage wird dadurch nicht einfacher.

Erneut wurden Zivilisten bei Gefechten zwischen Einheiten der Isaf und den radikal-islamischen Taliban getötet, darunter auch drei Kinder. Die Verbitterung in der Bevölkerung über die versehentlichen Angriffe auf Zivilisten wächst.

Nach dem Tod von Zivilisten in Kundus sucht die Bundeswehr offenbar Kontakt zu Familien der Opfer. Die Sorge ist groß, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung nach dem Unglück gegen die Bundeswehr richten könnte.

Von
  • Ruth Ciesinger
  • Sarah Kramer

Im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan haben die ausländischen Truppen schon oft Zivilisten getötet. Mehrfach waren auch Soldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) beteiligt. Eine Chronologie der jüngsten Fälle:

Über eine Woche nach dem Tod zehn französischer Soldaten in Afghanistan sind in Paris Zweifel an der offiziellen Darstellung des Hergangs laut geworden. Nach einem Bericht der satirischen Wochenzeitschrift „Le canard enchaîné“ seien gleich zu Beginn der Kämpfe am Usbin-Pass vier französische Soldaten von den Taliban gefangen genommen und exekutiert worden.

Bestürzung nach einem weiteren Attentat auf Bundeswehrsoldaten im Norden Afghanistans: Bei einem Sprengstoffanschlag ist am Mittwoch ein 29 Jahre alter Hauptfeldwebel getötet worden. Nach Medienberichten haben sich mittlerweile die radikal-islamischen Taliban zu dem Anschlag bekannt.

Neu Delhi - Eine Woche nach dem Abgang von Präsident Pervez Musharraf ist Pakistans fragile Regierungskoalition geplatzt. Nawaz Sharif von der Muslim-Liga kündigte am Montag das Bündnis mit der Bhutto-Partei PPP auf.

Blutiges Attentat: Ein Raketenangriff der radikalislamischen Taliban hat in Pakistan mindestens acht Todesopfer gefordert. Unter den Opfern sind auch Familienangehörige eines Parlamentariers - die Taliban bezeichneten den Anschlag als Racheakt.

Afghanistan

Bei einem US-Luftangriff sind 89 Zivilisten getötet worden - darunter auch viele Frauen und Kinder. Präsident Hamid Karsai beklagt den Tod der "unschuldigen Landsleute", doch die Dorfbewohner lassen sich nicht beruhigen. Die Situation spielt den Taliban in die Hände.

Sarkozy in Afghanistan

Nicolas Sarkozy ist zu einem Truppenbesuch in Kabul eingetroffen. Nach dem Tod von zehn französischen Soldaten mahnte er, der Einsatz in Afghanistan müsse engagiert fortgesetzt werden. Man kämpfe nicht gegen, sondern mit den Afghanen, "um sie nicht der Barbarei zu überlassen".

In Afghanistan sind bei schweren Kämpfen zehn französische Nato-Soldaten getötet worden. Rund 50 Kilometer östlich der Hauptstadt Kabul gerieten sie in einen Hinterhalt der radikal-islamischen Taliban.

Der Rücktritt von Präsident Musharraf zeigt, dass Pakistan demokratischer wird. Läuft es gut, kommt es nun statt eines Machtvakuums zu einer Machtkonzentration bei den zivilen Kräften. Läuft es schlecht, zerfleischen sich die Koalitionspartner bald gegenseitig, weil ihnen der gemeinsame Feind fehlt.

Von Ruth Ciesinger

Davon hätten sie kaum zu träumen gewagt: Afghanische Künstlerinnen dürfen ihre Bilder ausstellen. Und das nicht nur in Kabul, sondern erstmals außerhalb ihres Landes. Der Titel ihrer Ausstellung ist Programm: "Make Art not War!".

In Afghanistan fallen immer mehr Zivilisten den Kämpfen der Koalitionstruppen gegen die Taliban zum Opfer. Erneut kamen bei einem Luftangriff acht Menschen ums Leben, als ein Versteck der Aufständischen bombardiert wurde.

Was pakistanische Behörden schon vermuteten, hat Al Qaida nun bestätigt: Der Chemiewaffen-Experte des Terrornetzwerks Al-Masri ist tot. Sein Tod gilt als schwerer Verlust für die Schlagkraft der Terroristen.

Spezialkräfte der Bundeswehr haben im vergangenen Monat ein Waffenversteck im Norden Afghanistans ausfindig gemacht. 400 Granaten sprengten sie gleich an Ort und Stelle. Unterdessen nehmen Koalitionstruppen und Taliban offenbar immer weniger Rücksicht auf Zivilisten.

Bei Kämpfen zwischen dem pakistanischen Militär und Islamisten sind rund 70 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern befinden sich sowohl Regierungstruppen als auch Taliban-Kämpfer - aber auch zahlreiche Zivilisten.

223606_0_fdfb1db3

Der Grünen-Politiker Winfried Nachtwei reiste zusammen mit Außenminister Steinmeier durch Afghanistan. Sein Resümee: Die internationale Gemeinschaft hat noch immer keine einheitliche Strategie.

Von Ruth Ciesinger

Ein Ausdruck aus dem militärischen Sprachgebrauch ist der Begriff „Offensive“. Von der Nato wird er im Einsatz häufig gebraucht, wenn in Afghanistan eine Aktion gegen Taliban-Kämpfer ansteht.

Von Sven Lemkemeyer

Seit 2002 leisten deutsche Soldaten in Afghanistan Dienst. Doch die Politiker haben bislang versäumt, die Bürger über Sinn und Zweck der Mission aufzuklären.

Von Sven Lemkemeyer
Mehboba_Ahdyar

Anfang Juli verschwand das einzige weibliche Mitglied des afghanischen Olympiateams unter mysteriösen Umständen aus dem italienischen Trainingslager. Ein Verbrechen kann mittlerweile ausgeschlossen werden. Ist Mehboba Ahdyar vor den ständigen Morddrohungen der Taliban geflohen?

console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })