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Thema

Taliban

Wie schnell die Standpunkte doch wechseln. Vor einer Woche noch war zwischen den großen Mehrheiten von Regierung und Opposition unstreitig, dass Deutschland sich an den Bemühungen gegen den weltweiten Terrorismus beteiligen müsse und dass gegenüber dieser Herausforderung das Schielen auf parteipolitische Vorteile zurückzutreten habe.

Die nach Afghanistan entsandten britischen Bodentruppen sollen neben der Vorbereitung humanitärer Hilfsaktionen den islamischen Extremistenführer Osama bin Laden aufspüren. Die etwa hundert Elitesoldaten seien "für sehr spezielle Aufgaben" entsandt worden, sagte der britische Außenminister Jack Straw am Freitag in London.

"Gutes wollen - das Beste tun." Moses MendelssohnZu den Symbolen des Taliban-Regimes gehören braune Luftschlangenbündel, die als Trophäen von Telegraphenmasten und Straßenschildern flattern: Tonbänder beschlagnahmter, aufgerissener Musikkassetten.

Von Caroline Fetscher

Vom rasenden Stillstand, den Zeitkritiker in den letzten Jahren so oft beschworen haben, ist nur noch wenig zu spüren. Sogar die Propheten der virtuellen Geschwindigkeit, allen voran ihr französischer Guru Paul Virilio, haben seit dem 11.

Die grünen Rebellen haben Recht: Gerhard Schröder will Afghanistan zu einer deutschen Kolonie machen, um deren Ressourcen für die imperialistische Berliner Republik auszubeuten (Höhlen, Heroin, Kalaschnikows). Wie soll man einem Kaschmir-Kanzler auch trauen, wenn es um den Hindukusch geht?

Manchmal ist die Geschichte nicht der lange, träge Fluss, als der sie uns meistens erscheint. Dann überschlägt sie sich, wie im Moment in Afghanistan: Noch vor einigen Wochen hatte sich der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld überrascht gezeigt über die Hartnäckigkeit der Gotteskrieger.

Von Clemens Wergin

Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar hat in einem Interview mit der britischen BBC die "Zerstörung Amerikas" angedroht. Das Gespräch wurde in Paschtu über einen Mittelsmann geführt.

Im Osten was Neues: Als Mitglied der Anti-Terror-Koalition macht sich die Türkei unentbehrlich und denkt nach dem Sturz der Taliban schon über die Eröffnung einer Botschaft in Kabul nach. Im Westen nichts Neues: Ankaras Verhältnis zur EU bleibt zwiespältig.

Von Albrecht Meier

In der Berliner Botschaft der Nordallianz herrscht Hochstimmung. "Wir sind alle glücklich, dass das Terrorregime der Taliban in Kabul beendet ist", sagt Botschaftsrat Abed Nadjib.

Von Amory Burchard

Pakistan: Anwalt der TalibanEs gibt wohl niemanden, der unglücklicher ist über die Entwicklung in Afghanistan, als Pakistans Präsident Musharraf. Mit der Einnahme von Kabul durch die Nordallianz muss Pakistan den Jahrzehnte gehegten Traum vom Vasallenstaat im Nachbarland begraben, der ihm im Falles eines Kriegs mit dem Erzfeind Indien eine Rückfallposition geboten hätte, oder wie es die pakistanischen Militärs nennen: strategische Tiefe.

Mit der Vertrauensfrage des Kanzlers geht es am Freitag auch wieder um die - innenpolitische - Macht. Aber die zu Grunde liegende Entscheidung über einen Kriegseinsatz der Bundeswehr ist zugleich eine Frage der Moral.

Von Peter von Becker

Zum Thema Vereinte Nationen: Fünf-Punkte-Plan für Afghanistan Online Spezial: Terror und die Folgen Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus Fotostrecke: Krieg in Afghanistan Was ist mühseliger als ausbleibender Erfolg? Der zu schnelle Sieg.

Trotz des Einlenkens einiger Abgeordneter aus den Regierungsfraktionen bleibt der Fortbestand der rot-grünen Koalition unsicher. Unter dem Eindruck der Drohung von Gerhard Schröder (SPD), die Koalition zu beenden, falls bei der Abstimmung über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan keine Regierungsmehrheit zustande kommt, wollen etliche Skeptiker am Freitag für den Kanzler stimmen.

Keine Entwarnung, nicht einmal eine Atempause: Trotz der militärischen Erfolge der Nord-Allianz in Afghanisan sind die deutschen Sicherheitsbehörden überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit den Taliban und Osama bin Laden noch lange dauern wird. Es gebe eine Vielzahl von Informationen, dass sich die Taliban schon Wochen vor dem Fall von Kabul auf einen Guerillakampf vorbereitet haben, sagte Dieter Kaundinya, Abteilungsleiter beim Bundesnachrichtendienst, am Mittwoch auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden.

Von Frank Jansen

Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Der Rückzug der Taliban nach Kandahar lässt ahnen, wie ihre künftige Strategie aussehen wird. Kandahar, eine kleine Landstadt im Süden mit etwa einer viertel Million Einwohnern hat keine besondere strategische Bedeutung, wiewohl es militärisch ein Durchbruch wäre, wenn sich bewahrheiten sollte, dass die Nordallianz den Flughafen dauerhaft eingenommen hat.

Über Nacht hat sich das Blatt in Afghanistan gewendet. Die Taliban haben den Norden des Landes verloren, sie haben auch die Hauptstadt Kabul preisgegeben; nun ziehen sie sich in ihre Hochburg Kandahar im Süden zurück.

Von Christoph von Marschall

Der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar hat seine Milizen aufgefordert, sich den Oppositionstruppen entgegenzustellen und zu kämpfen. "Ich befehle euch, euren Kommandeuren bedingungslos zu folgen", erklärte Mullah Omar am Dienstag nach dem Abzug der Taliban aus der afghanischen Hauptstadt Kabul in einer Funkansprache.

Am Sonntagabend schalteten n-tv und die "Tagesthemen" erstmals nach Beginn der US-Bombardements wieder nach Kabul. Da stand Christoph Hörstel auf einem Hoteldach, sprach in sein Satellitenhandy.

Es war bereits tiefschwarze Nacht, als Volker Handloik und sein Kollege Paul McGeough am Sonntag auf das Dach des gepanzerten Wagens von Kommandant Amer Bashir aufsprangen. Auf das Dach deshalb, "weil es da oben am meisten Spaß macht", sagt McGeough, Afghanistan-Reporter der australischen Zeitung "Sydney Morning Herald".

Von Albrecht Meier

Gerd Ruge, 73, hat als ARD-Korrespondent viele Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt bereist. Zu Weihnachten zeigt das erste Programm drei Reportagen des Journalisten über das südliche Afrika.

Es dürfte nicht oft in der Geschichte der Kriege vorgekommen sein, dass ein Regierungschef seine verbündeten Truppen davor warnt, zu früh erfolgreich zu sein. Eben das jedoch tat der US-Präsident am Sonnabend in New York.

Von Malte Lehming

Die Niederlage der Taliban im Kampf um die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif lässt bei den Barbieren die Kasse klingeln. Vor den Friseurläden bildeten sich lange Schlagen von Männern, die sich die Bärte abrasieren lassen wollten, berichtete die private afghanische Nachrichtenagentur AIP.

Da es derzeit üblich ist, unentwegt auf den Islam einzuhauen, wenn auch nur in seiner unfreundlichen Spielart, mögen zur Abwechslung vielleicht ein paar christenfeindliche Äußerungen angenehm sein. Genauer: Nordirisch-Protestanten-feindliche Äußerungen.

Je länger der Bombenfeldzug in Afghanistan dauerte, desto öfter mussten sich die amerikanischen Militärs ungeduldige Fragen über Fortschritte gefallen lassen. Der Einmarsch der Nordallianz in Masar-i-Scharif ist der erste große Durchbruch, den die Amerikaner sich auf die Fahnen schreiben können.

Die oppositionelle Nordallianz Afghanistans ist am Freitag in die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif vorgestoßen. Vertreter der Nordallianz erklärten, rund 2000 Soldaten seien unter dem Befehl des usbekischen Kriegsherrn Abdul Rashid Dostum in die Stadt vorgedrungen.

Gründungsmythen sagen viel aus über das Selbstverständnis einer Gruppe, vielleicht sogar über deren Erfolg. Was stand am Beginn des Siegeszugs der Taliban durch fast ganz Afghanistan?

Von Christian Böhme
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