Wie schnell die Standpunkte doch wechseln. Vor einer Woche noch war zwischen den großen Mehrheiten von Regierung und Opposition unstreitig, dass Deutschland sich an den Bemühungen gegen den weltweiten Terrorismus beteiligen müsse und dass gegenüber dieser Herausforderung das Schielen auf parteipolitische Vorteile zurückzutreten habe.
Taliban
Die nach Afghanistan entsandten britischen Bodentruppen sollen neben der Vorbereitung humanitärer Hilfsaktionen den islamischen Extremistenführer Osama bin Laden aufspüren. Die etwa hundert Elitesoldaten seien "für sehr spezielle Aufgaben" entsandt worden, sagte der britische Außenminister Jack Straw am Freitag in London.
"Gutes wollen - das Beste tun." Moses MendelssohnZu den Symbolen des Taliban-Regimes gehören braune Luftschlangenbündel, die als Trophäen von Telegraphenmasten und Straßenschildern flattern: Tonbänder beschlagnahmter, aufgerissener Musikkassetten.
Vom rasenden Stillstand, den Zeitkritiker in den letzten Jahren so oft beschworen haben, ist nur noch wenig zu spüren. Sogar die Propheten der virtuellen Geschwindigkeit, allen voran ihr französischer Guru Paul Virilio, haben seit dem 11.
Die grünen Rebellen haben Recht: Gerhard Schröder will Afghanistan zu einer deutschen Kolonie machen, um deren Ressourcen für die imperialistische Berliner Republik auszubeuten (Höhlen, Heroin, Kalaschnikows). Wie soll man einem Kaschmir-Kanzler auch trauen, wenn es um den Hindukusch geht?
3. August: Die Taliban nehmen die acht ausländischen Helfer zusammen mit 16 afghanischen Mitarbeitern unter dem Vorwurf fest, christliche Missionierung betrieben zu haben.
Manchmal ist die Geschichte nicht der lange, träge Fluss, als der sie uns meistens erscheint. Dann überschlägt sie sich, wie im Moment in Afghanistan: Noch vor einigen Wochen hatte sich der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld überrascht gezeigt über die Hartnäckigkeit der Gotteskrieger.
Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar hat in einem Interview mit der britischen BBC die "Zerstörung Amerikas" angedroht. Das Gespräch wurde in Paschtu über einen Mittelsmann geführt.
Noch Anfang der Woche war Kabul eine Geisterstadt. Apathisch hockten die Menschen in den Trümmern.
Im Osten was Neues: Als Mitglied der Anti-Terror-Koalition macht sich die Türkei unentbehrlich und denkt nach dem Sturz der Taliban schon über die Eröffnung einer Botschaft in Kabul nach. Im Westen nichts Neues: Ankaras Verhältnis zur EU bleibt zwiespältig.
Beim ersten Mal ging es um die Ostpolitik. Beim zweiten Mal wollte Helmut Schmidt die SPD strategisch auf Linie bringen.
In der Berliner Botschaft der Nordallianz herrscht Hochstimmung. "Wir sind alle glücklich, dass das Terrorregime der Taliban in Kabul beendet ist", sagt Botschaftsrat Abed Nadjib.
Pakistan: Anwalt der TalibanEs gibt wohl niemanden, der unglücklicher ist über die Entwicklung in Afghanistan, als Pakistans Präsident Musharraf. Mit der Einnahme von Kabul durch die Nordallianz muss Pakistan den Jahrzehnte gehegten Traum vom Vasallenstaat im Nachbarland begraben, der ihm im Falles eines Kriegs mit dem Erzfeind Indien eine Rückfallposition geboten hätte, oder wie es die pakistanischen Militärs nennen: strategische Tiefe.
Gut zwei Monate nach den Terroranschlägen in den USA steht die Herrschaft der Taliban in Afghanistan vor dem Ende. Nur einen Tag nach dem Fall von Kabul hatte die Nordallianz am Mittwoch bereits nahezu Zweidrittel des Landes unter ihrer Kontrolle.
Der schnelle Vormarsch der afghanischen Nordallianz setzt die Weltgemeinschaft unter Druck. Nun muss sie zeigen, dass sie den Wiederaufbau Afghanistans ernsthaft unterstützen will.
Mit der Vertrauensfrage des Kanzlers geht es am Freitag auch wieder um die - innenpolitische - Macht. Aber die zu Grunde liegende Entscheidung über einen Kriegseinsatz der Bundeswehr ist zugleich eine Frage der Moral.
Zum Thema Vereinte Nationen: Fünf-Punkte-Plan für Afghanistan Online Spezial: Terror und die Folgen Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus Fotostrecke: Krieg in Afghanistan Was ist mühseliger als ausbleibender Erfolg? Der zu schnelle Sieg.
"Afghanistan ist schön." Sehnsuchtsvoll erzählt Trina A.
Trotz des Einlenkens einiger Abgeordneter aus den Regierungsfraktionen bleibt der Fortbestand der rot-grünen Koalition unsicher. Unter dem Eindruck der Drohung von Gerhard Schröder (SPD), die Koalition zu beenden, falls bei der Abstimmung über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan keine Regierungsmehrheit zustande kommt, wollen etliche Skeptiker am Freitag für den Kanzler stimmen.
Keine Entwarnung, nicht einmal eine Atempause: Trotz der militärischen Erfolge der Nord-Allianz in Afghanisan sind die deutschen Sicherheitsbehörden überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit den Taliban und Osama bin Laden noch lange dauern wird. Es gebe eine Vielzahl von Informationen, dass sich die Taliban schon Wochen vor dem Fall von Kabul auf einen Guerillakampf vorbereitet haben, sagte Dieter Kaundinya, Abteilungsleiter beim Bundesnachrichtendienst, am Mittwoch auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden.
Totgesagte leben bekanntlich lange. Im Wortsinne wie im politischen.
Sie gaben sich die Hand. Worte wurden nicht gewechselt, aber die Geste war bezeichnend.
Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen Themenschwerpunkte: Krieg - Afghanistan - Bin Laden - Islam - Fahndung - Bio-Terrorismus Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Der Rückzug der Taliban nach Kandahar lässt ahnen, wie ihre künftige Strategie aussehen wird. Kandahar, eine kleine Landstadt im Süden mit etwa einer viertel Million Einwohnern hat keine besondere strategische Bedeutung, wiewohl es militärisch ein Durchbruch wäre, wenn sich bewahrheiten sollte, dass die Nordallianz den Flughafen dauerhaft eingenommen hat.
Über Nacht hat sich das Blatt in Afghanistan gewendet. Die Taliban haben den Norden des Landes verloren, sie haben auch die Hauptstadt Kabul preisgegeben; nun ziehen sie sich in ihre Hochburg Kandahar im Süden zurück.
Nach ihrem Abzug aus Kabul sollen die Taliban auch damit begonnen haben, Kandahar zu räumen. Tausende Kämpfer marschierten Augenzeugen zufolge auf die südafghanische Stadt zu, deren Flughafen sie zuvor erobert hatten.
Der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar hat seine Milizen aufgefordert, sich den Oppositionstruppen entgegenzustellen und zu kämpfen. "Ich befehle euch, euren Kommandeuren bedingungslos zu folgen", erklärte Mullah Omar am Dienstag nach dem Abzug der Taliban aus der afghanischen Hauptstadt Kabul in einer Funkansprache.
Michael Walzer, 64, lehrt politische Philosophie am Institute for Advanced Study in Princeton. Er gehört zu den Vordenkern der liberalen amerikanischen Linken.
Nach dem 11. September schien die Uno eine neue Zukunft vor sich zu haben.
Am Sonntagabend schalteten n-tv und die "Tagesthemen" erstmals nach Beginn der US-Bombardements wieder nach Kabul. Da stand Christoph Hörstel auf einem Hoteldach, sprach in sein Satellitenhandy.
Es war bereits tiefschwarze Nacht, als Volker Handloik und sein Kollege Paul McGeough am Sonntag auf das Dach des gepanzerten Wagens von Kommandant Amer Bashir aufsprangen. Auf das Dach deshalb, "weil es da oben am meisten Spaß macht", sagt McGeough, Afghanistan-Reporter der australischen Zeitung "Sydney Morning Herald".
Im Kuwait- und im Kosovokrieg waren die Vereinten Nationen, ihre Mandatierung und ihre Rolle ein Dauerthema. Jetzt nicht.
Gerd Ruge, 73, hat als ARD-Korrespondent viele Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt bereist. Zu Weihnachten zeigt das erste Programm drei Reportagen des Journalisten über das südliche Afrika.
Es dürfte nicht oft in der Geschichte der Kriege vorgekommen sein, dass ein Regierungschef seine verbündeten Truppen davor warnt, zu früh erfolgreich zu sein. Eben das jedoch tat der US-Präsident am Sonnabend in New York.
Soll die Bundeswehr beim Krieg gegen die Taliban mittun? Über diese Frage wird der Bundestag voraussichtlich am Donnerstag entscheiden, und bis müssen auch die zehn SPD-Abgeordneten aus Berlin ihre Position bestimmen.
Die Niederlage der Taliban im Kampf um die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif lässt bei den Barbieren die Kasse klingeln. Vor den Friseurläden bildeten sich lange Schlagen von Männern, die sich die Bärte abrasieren lassen wollten, berichtete die private afghanische Nachrichtenagentur AIP.
Ein Datum haben die Bewohner von Masar-i-Scharif noch genau im Kopf: Es ist der 8. August 1998.
Da es derzeit üblich ist, unentwegt auf den Islam einzuhauen, wenn auch nur in seiner unfreundlichen Spielart, mögen zur Abwechslung vielleicht ein paar christenfeindliche Äußerungen angenehm sein. Genauer: Nordirisch-Protestanten-feindliche Äußerungen.
Je länger der Bombenfeldzug in Afghanistan dauerte, desto öfter mussten sich die amerikanischen Militärs ungeduldige Fragen über Fortschritte gefallen lassen. Der Einmarsch der Nordallianz in Masar-i-Scharif ist der erste große Durchbruch, den die Amerikaner sich auf die Fahnen schreiben können.
Die oppositionelle Nordallianz Afghanistans ist am Freitag in die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif vorgestoßen. Vertreter der Nordallianz erklärten, rund 2000 Soldaten seien unter dem Befehl des usbekischen Kriegsherrn Abdul Rashid Dostum in die Stadt vorgedrungen.
Gründungsmythen sagen viel aus über das Selbstverständnis einer Gruppe, vielleicht sogar über deren Erfolg. Was stand am Beginn des Siegeszugs der Taliban durch fast ganz Afghanistan?