Im Kampf um die Taliban-Hochburg Kandahar stehen jetzt Soldaten des US-Marinekorps (USMC) in vorderster Front. Die vierte amerikanische Teilstreitkraft neben Heer, Luftwaffe und Marine umfasst mehr als 170 000 Soldaten, unter ihnen etwa 10 000 Frauen.
Taliban
In der arabisch-islamischen Welt schien nach dem 11. September eine Zeitlang alles offen: Würde die veränderte Weltlage nach den Terroranschlägen eher den Israelis oder den Palästinensern nutzen?
Ahmed Rashid berichtet seit Jahren aus Zentralasien. Der in Pakistan lebende Journalist gilt als einer der besten Kenner Afghanistans.
Die afghanische Nordallianz beansprucht bis auf weiteres exekutive Vollmachten in Afghanistan. Ihr Führer, der 1996 von den Taliban vertriebene Präsident Burhanuddin Rabbani, sagte am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Kabul, er wolle das Land bis zur Bildung einer Übergangsregierung durch die "Große Versammlung" (Loja Dschirga) führen.
Der deutsche Afghanistan-Einsatz beginnt mit Bildern wie aus dem Militärmuseum. Montagmittag lassen drei Transall-Transporter ihre je zwei Rolls-Royce-Propellermotoren an und dröhnen vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein gen Südosten davon.
Die Tage des Taliban-Regimes sind gezählt. Nach dem Fall von Kundus ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Kandahar, die Hochburg im Süden, fällt.
Truppen der afghanischen Nordallianz haben am Sonntag weite Teile der Taliban-Hochburg Kundus eingenommen. Wie die Nordallianz in Masar-i-Scharif mitteilte, wurden in einem Gefängnis in der Nähe der Stadt mehrere hundert ausländische Kämpfer getötet.
In Bonn wird konferiert, in Afghanistan selbst hat die Nordallianz die Macht übernommen und zeigt wenig Neigung, sie mit anderen zu teilen. Was kann, was muss auf dem Petersberg herauskommen?
Der Weg von Imam Sahib nach Kundus führt durch eine von Schützengräben durchfurchte Wüste. Amir Latif Ibrahimi, Kommandant der Nordallianz für den nördlichen Frontabschnitt vor Kundus, ist diesen Weg in den vergangenen Tagen schon oft gefahren.
Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben Fotostrecke: Krieg in Afghanistan Auf Pantoffeln latschen sie zur Front - und am Abend wieder zurück an den Herd. Geschossen wird häufig nur, wenn westliche Kamerateams dafür bezahlen.
Frauen? Werden sich kaum finden unter den Repräsentanten, die ab übermorgen in Bonn über Afghanistans Zukunft verhandeln.
Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben Fotostrecke: Krieg in Afghanistan Heute läuft das Ultimatum ab, das Nordallianz-General Dostum zur Räumung von Kundus gestellt hat. Gestern haben sich dort mehr als 1000 Taliban ergeben.
Wenige Tage vor Beginn der Afghanistan-Konferenz in Bonn hat die Nordallianz am Freitag ihre Offensive auf Tausende eingekesselte Talibankämpfer in Kundus verstärkt. Ihr General Raschid Dostum drohte: "Wenn die Taliban nicht bis Sonntag aufgeben, werden sie eliminiert.
Nach der Entdeckung von mehreren hundert Leichen im nordafghanischen Masar-i-Scharif hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) auch in Kabul mit der Bergung von Toten begonnen. Das bestätigte IKRK-Sprecherin Antonella Notari am Freitag in Genf.
Im Vorfeld der für kommende Woche in Bonn geplanten Afghanistan-Konferenz versucht die Nordallianz vollendete Tatsachen zu schaffen. Ihr Sprecher attestierte der Konferenz nur "rein symbolische Bedeutung".
Auch ein toter Terrorist kann enorm gefährlich sein. Als sichtbar präsentierte Leiche und als Gefallener, der nach dem Kampf nicht mehr identifiziert werden kann.
Nach dem Jubel über den Rückzug der Taliban breitet sich in den befreiten Gebieten Afghanistans Ernüchterung aus. Die neuen, alten Herren der Nordallianz sowie unabhängige lokale Herrscher rivalisieren um Macht, um Land, um Geld - vor allem um die Einnahmen aus dem wieder deutlich zunehmenden Drogenschmuggel.
1600 Marine-Infanteristen und ein Kopfgeld von 56 Millionen Mark - die USA setzen viel daran, Osama bin Laden zu fassen. "Wir sind ihm auf den Fersen", verkündet Präsident Bush.
Der Ort der mit Spannung erwarteten Afghanistan-Konferenz der Vereinten Nationen steht endgültig fest. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Mittwoch mit, die Konferenz beginne am kommenden Montag auf dem Petersberg.
London hat Presseberichte dementiert, wonach die Verzögerungen bei der Entsendung weiterer britischer Soldaten nach Afghanistan auf Meinungsverschiedenheiten mit den USA zurückzuführen sind. Er habe die Berichte in der "Times" und im "Independent" mit "gewisser Verwunderung" gelesen, sagte Außenminister Jack Straw am Dienstag dem Radiosender BBC.
Die vom Taliban-Regime zerstörte 53 Meter hohe Buddha-Statue von Bamiyan in Afghanistan wird möglicherweise wieder aufgebaut. Ein entsprechendes Vorhaben zur Rekonstruktion des mehr als 1500 Jahre alten Kolossal-Kunstwerks wollen zwei Schweizer in Angriff nehmen.
Die geplante Konferenz zur politischen Zukunft Afghanistans unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen wird in Berlin stattfinden. Wie Außenminister Joschka Fischer in New York bestätigte, wird das Treffen am Montag in der deutschen Hauptstadt beginnen.
Irgendwie ist die Weltgeschichte immer ein Schrittchen schneller als die Grünen, die sich ja als Avantgarde verstehen. Als die Partei gerade heftig am Krieg in Afghanistan zweifelte, traten flugs die Taliban den Rückzug an.
Vor Beginn der Talibanherrschaft stellten die Frauen in Afghanistan 50 Prozent der Regierungsangestellten. Danach wurden die Afghaninnen vollkommen aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen.
Lida Azmi ist überglücklich. Sie gerät ins Schwärmen: "Wieder arbeiten zu können, das kommt mir vor wie ein Traum!
Berlin bereitet sich auf die Uno-Konferenz für Afghanistan vor. Dazu gehört vor allem die geistige Klarheit.
Das ist nach wie vor die oberste Devise der US-Regierung: Nerven behalten. Denn die Situation in Afghanistan wird täglich unübersichtlicher.
Die Resolution 1378 des UN-Sicherheitsrates über die Zukunft Afghanistans ist sehr offen formuliert, was Aktivitäten anderer Staaten im Lande angeht: Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen werden aufgefordert, die Sicherheit der Teile Afghanistans zu unterstützen, die nicht von den Taliban kontrolliert werden. Zivilbevölkerung, internationale Autoritäten, humanitäre Organisationen und die UN-Organisationen selbst brauchten Schutz, heißt es.
Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben Fotostrecke: Krieg in Afghanistan Die Nordallianz vertreibt die Taliban aus einer Region nach der anderen. Fast überall ist der Jubel der Afghanen groß.
Das Verwirrspiel um den Aufenthaltsort des islamischen Fundamentalistenführers Osama bin Laden dauert an: Bin Laden sei weiterhin "Gast" der Taliban, sagte Taliban-Botschafter Abdul Salam Saif am Sonntag im pakistanischen Islamabad. Die radikalislamische Miliz werde den mutmaßlichen Terroristen "bis zum letzten Augenblick" beschützen, sein Aufenthaltsort sei den Taliban jedoch nicht bekannt.
Ingeborg Schäuble (58), die Ehefrau von Wolfgang Schäuble, ist seit 1996 Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe. In ihrer Amtszeit erhöhte sich das Spendenvolumen von 39 Millionen Mark auf 64 Millionen Mark im vergangenen Jahr.
In der Schweiz Vermögen einzufrieren ist einfach. Es genügt der Verdacht eines Bankangestellten, dass ein Kunde Geld unrechtmäßig erworben hat.
Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben Fotostrecke: Krieg in Afghanistan Die inzwischen weite Teile Afghanistans beherrschende Nordallianz hat zugestimmt, dass die Verhandlungen über die künftige Regierung auf neutralem Boden stattfinden, möglicherweise in Bonn. Nach anfänglichem Beharren auf Kabul als Konferenzort sagte ihr Außenminister Abdullah Abdullah am Sonntag in Taschkent, alle von den UN vorgeschlagenen Treffpunkte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz seien akzeptabel.
Alle Planspiele scheinen wieder einmal vergebens: Nachdem die Taliban-Gegner in Afghanistan mit der Einnahme Kabuls Tatsachen geschaffen haben, drohte der Plan von Ex-König Sahir Schah bloße Makulatur zu werden. Das Konzept des von UN und Anti-Terror-Koalition unterstützten Ex-Königs sieht die Bildung einer Übergangsregierung vor, an der alle Volksgruppen des Landes beteiligt werden sollten.
Wie fühlt sich einer, der den Bundeskanzler schützen muss?Schützen ist der falsche Ausdruck.
Für Gerhard Schröder hätte die Nachrichtenlage aus Afghanistan sich kaum günstiger entwickeln können. Just in jenen Tagen, in denen er die in den Koalitionsparteien heftig umstrittene Entscheidung über die Bereitstellung von Bundeswehreinheiten zur Bekämpfung des Terrorismus durch den Bundestag presste, schienen die Meldungen aus dem Kriegsgebiet die Kritiker dieses Einsatzes wichtiger Argumente zu berauben: In schneller Folge eroberte die gegen die Taliban kämpfende und von massiven US-Luftangriffen unterstützte Nordallianz zunächst die Mehrzahl der wichtigen afghanischen Städte.
Trotz des andauernden Widerstands der Taliban in ihrer Hochburg Kandahar treibt die Nordallianz in Afghanistan die Bildung einer Regierung auf breiter Basis voran. Der international immer noch anerkannte frühere Präsident Burhanuddin Rabbani kehrte am Samstag nach fünf Jahren im Exil nach Kabul zurück und kündigte an, er wolle "sobald wie möglich" eine Regierung unter Einbeziehung aller Bevölkerungsgruppen bilden.
Der gesuchte Topterrorist Osama bin Laden hat Afghanistan nach Angaben des Taliban-Vertreters in Pakistan, Salam Saif, verlassen. Die Taliban-Miliz wisse nicht, wo sich bin Laden aufhalte, sagte Saif am Samstag.
Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben Fotostrecke: Krieg in Afghanistan Die Warnungen der Hilfsorganisationen klingen noch in den Ohren: Wenn nicht vor Wintereinbruch Hunderttausende afghanische Binnenflüchtlinge und Bewohner entlegener Bergdörfer mit Nahrung versorgt werden, komme jede Hilfe zu spät. Nun hat der Winter begonnen, und die Taliban sind kein Hindernis mehr.