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Thema

Taliban

Die Hoffnungen auf einen baldigen Kontakt zu vier in Afghanistan festgehaltenen Deutschen haben sich wieder zerschlagen. Die Vertretung der afghanischen Taliban-Miliz im pakistanischen Islamabad weigerte sich am Samstag, deutschen Diplomaten die beantragten Visa zum Besuch in Kabul auszustellen, wie ein Taliban-Sprecher mitteilte.

Fünf Tage nach der Festnahme der Helfer der deutschen Organisation "Shelter Now" in Afghanistan haben Mullahs in ihren Freitagspredigten harte Strafen für Missionare verlangt. "Unser Glaube ist uns wichtiger als jede Hilfe", sagten islamische Geistliche in mehreren Städten.

Das Taliban-Regime ist - besonders nach den UN-Sanktionen vom letzten Dezember - weltweit weitgehend geächtet. Auch von der Mehrheit der islamischen Staaten, die im März, als die Taliban die Buddhas zerstörten, vehement protestierten, weil sie - zu Recht - befürchteten, dadurch würde der Islam international weiter diskreditiert.

Von Elke Windisch

Im letzten Dezember beschloss der UN-Sicherheitsrat auf der Basis eines gemeinsamen Vorschlages Russlands und der USA weit reichende Sanktionen gegen die Taliban. So mussten die Taliban ihre Auslandsvertretungen schließen oder deren Personalstärke erheblich reduzieren.

Von Elke Windisch

Die Sorge um die christlichen Helfer in Afghanistan wächst. Vier Deutsche von der Hilfsorganisation "Shelter-Germany" hält die Religionspolizei der radikal-islamischen Taliban immer noch fest.

Von Elke Windisch

Als im Jahre 1979 Kambodscha von vietnamesischen Truppen besetzt und das ganze Ausmaß der Verbrechen des von ihnen verjagten Pol-Pot-Regimes ruchbar wurde, war das Entsetzen groß. Wie war es nur möglich, fragte man sich fassungslos, dass derartige Untaten von der internationalen Öffentlichkeit unbemerkt bleiben konnten?

"So hatte ich mir Europa nicht vorgestellt." Der afghanische Ingenieur Amanuallah, der mit seiner kranken Frau und den beiden halbwüchsigen Söhnen vor der fundamentalistischen Taliban flüchten musste, erzählt erschüttert von den Erfahrungen seiner Familie in Deutschland, besonders aber in der Abschiebehaft Eisenhüttenstadt.

Von Sandra Dassler

Erneut versuchen die afghanischen Taliban, das kulturelle Erbe ihres Landes zu beseitigen: Erst zu Wochenbeginn schockten Nachrichtenagenturen die Weltöffentlichkeit mit der Meldung, wonach der Führer der ehemaligen Koranschüler Mullah Muhammad Omar die Bevölkerung aufgefordert hat, sämtliche Musikkassetten, CDs und Bücher mit schöngeistiger Literatur, sowie Radios, Player und Musikinstrumente bei den lokalen Vertretungen des Ministeriums für islamische Führung abzuliefern. Dem, der sich weigert, drohen wiederum drakonische Strafen bis hin zur Todesstrafe.

Von Elke Windisch

Die von der afghanischen Taliban-Regierung verordnete Kennzeichnungspflicht für Hindus ist international auf heftige Kritik gestoßen. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) forderte am Donnerstag in Berlin ein Einschreiten der Staatengemeinschaft gegen diese "eklatante Verletzung der universellen Menschenrechte".

Die Weltkulturorganisation UNESCO hat die zerstörten Buddha-Statuen von Bamian für "nicht wiederherstellbar" erklärt. Mit dieser Feststellung reagierte UNESCO-Generalsekretär Koichiro Matsuura gestern in Paris auf verschiedene Vorschläge, die von den afghanischen Taliban-Milizen gesprengten Statuen zu ersetzen.

Die kulturpolitische Raserei in Afghanistan ist ein Akt der Selbstzerstörung. Während alle internationalen Interventionsversuche scheitern, wurden inzwischen nicht nur die beiden bekannt gewordenen großen monolithischen Buddha-Figuren von Bamiyan zerstört, sondern auch eine Statue im Kakrak-Tal und viele weitere Relikte einer imposanten vor-islamischen Vergangenheit an den Kreuzwegen der ehemaligen Handelsrouten zwischen China und Byzanz: allesamt stumme Zeugen einer seit Jahrhunderten ausgelöschten Kultur.

Kofi Annans Rettungsversuch für die Buddha-Statuen in Bamian ist gescheitert. Es war wohl ohnehin zu spät: Wahrscheinlich hatten die Taliban schon am Mittwoch große Teile der einzigartigen Kunstwerke gesprengt.

Von Clemens Wergin

Die UN haben die Zerstörung der weltberühmten Buddha-Statuen im afghanischen Bamian offiziell bestätigt. Die Vernichtung der vor-islamischen Kunstwerke durch das Taliban-Regime sei ein "Verbrechen gegen die Kultur", heißt es in einer Erklärung des Unesco-Generaldirektors Koichiro Matsuura vom Montag.

Zwei Wochen nach dem Befehl zum Bildersturm in Afghanistan haben die Taliban trotz weltweiter Proteste die größere der beiden Buddha-Statuen in Bamian durch eine Sprengung enthauptet. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Presse-Agentur AIP am Freitag unter Berufung auf "zuverlässige Quellen".

Der Feldzug der Taliban gegen das universelle Kulturerbe hat die Welt auch an einen schon fast vergessenen Bürgerkrieg erinnert - den Bürgerkrieg in Afghanistan. Und an ein Land, das selbst durch den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt mit unterschiedlichen Parteien fast vollkommen zerstört ist.

Von Elke Windisch

Die Unesco-Beauftragten, die Generaldirektor Koishiro Matsuda am Samstag in Marsch setzte, um die Vernichtung vorislamischer Kunst in Afghanistan zu verhindern, kommen wahrscheinlich zu spät: Das russische Staatsfernsehen berichtete am Samstagabend, die Taliban hätten im Nationalmuseum von Kabul mehrere Hundert Buddha-Statuen zerstört. Für die Sprengung der zwei berühmtesten Buddhas im Höhlenkloster von Bamian, das die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt hatte, seien bereits Vorbereitungen für die Sprengung mit Dynamit getroffen worden, erklärte der der Taliban-Botschafter in Pakistan, Maulvi Abdul Salam, gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur Efe.

Von Elke Windisch

Trotz weltweiter Proteste haben die radikal-islamischen Taliban mit der Zerstörung der berühmten Buddha-Statuen von Bamian im Zentrum Afghanistans begonnen. Talibankämpfer hätten die 55 und 38 Meter hohen Statuen mit automatischen Waffen und Granaten beschossen, verlautete am Freitag aus dem Innenministerium in Kabul.

Flüchtlinge aus Bürgerkriegsländern haben künftig bessere Chancen, Asyl in Deutschland zu erhalten. Weiterhin gilt, dass nur solchen Flüchtlingen Asyl gewährt wird, die in ihrer Heimat von staatlichen Stellen verfolgt wurden.

Von Ulrike Scheffer

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat am Montag zu Berichten über ein Massaker an schiitischen Moslems in Afghanistan eine sofortige Untersuchung gefordert. Unter Berufung auf Augenzeugen erklärte Human Rights Watch, die Taliban hätten nach der Eroberung der Stadt Jakaolang in der Provinz Bamijan im Januar 300 Männer aus der Volksgruppe der Hazara erschossen.

Die radikal-islamischen Taliban haben zahlreiche afghanische Herrenfriseure ins Gefängnis geworfen, weil sie ihren Kunden die Haare im Stil des "Titanic"-Filmstars Leonardo DiCaprio geschnitten hatten. "Sie sagten, wir würden anti-islamische westliche Haarschnitte populär machen", berichtete der Friseur Schahr-i-Nau.

Olympia-Pferde angekommenDie 17 Pferde der deutschen Olympia-Equipen der Disziplinen Springen, Military und Dressur sind nach einem beinahe 24-stündigen Flug von Frankfurt/Main aus wohlbehalten in Sydney angekommen. An Bord waren auch die dreimalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) und Aachens Mannschafts-Weltmeisterin Nadine Capellmann sowie Team-Veterinär Björn Nolting.

Die größte oppositionelle Frauenvereinigung Afghanistans hat die Vereinten Nationen um mehr Unterstützung im Kampf gegen Verletzungen der Grundrechte von Frauen durch das Taliban-Regime gebeten. Gleichzeitig erklärte sie, die Schließung der 25 UN-Bäckereien durch die Taliban vor zwei Tagen dürfe nicht zu einem Abzug der humanitären Organisationen führen.

Die am Donnerstag zunächst freigelassene Geisel der Luftpiraten in Kandahar ist nach Angaben der afghanischen Behörden wieder in das gekaperte Flugzeug zurückgekehrt. Der 25-jährige Inder, der gesundheitliche Beschwerden hatte, sei medizinisch versorgt worden, erklärte Flughafen-Direktor Haji Rehmatullah.

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