
© AFP/ANDREW CABALLERO-REYNOLDS
Venezuela für Trump, Ukraine für Putin?: Jetzt bekommt eine Aussage aus dem Jahr 2019 neue Brisanz
Schlägt Russlands Präsident Wladimir Putin nach der US-Intervention in Venezuela nun umso härter in der Ukraine zu? Moskau hat Washington angeblich einst einen solchen Deal vorgeschlagen: Caracas für Kiew.
Stand:
Der aus US-Sicht geglückte Militärschlag in Venezuela, mitsamt Gefangenennahme des Machthabers Nicolas Maduro und dessen Frau Cilia Adela Flores, stimuliert die Fantasien von US-Präsident Donald Trump nach weiteren Militärinterventionen.
Pressevertretern gegenüber erzählte der Republikaner an Bord der Air Force One, der US-Präsidentenmaschine, eine militärische Intervention sowohl in Kolumbien als auch im Iran sei nun ebenfalls denkbar. Und, angesprochen auf die politisch zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland, meinte Trump: „Wir brauchen Grönland, absolut.“
Bot Moskau den USA einen Deal an?
Dass das US-Vorgehen völkerrechtswidrig war und es internationale Kritik an der Militäraktion gibt, stört die US-Administration offenkundig nicht. Verurteilt wurde die Aktion auch von Russland. Die Entführung Maduros sei „zutiefst beunruhigend und verwerflich“, erklärte das russische Außenministerium.
Es gebe keine Rechtfertigung für diese „bewaffnete Aggression“, hieß es aus dem Land, das selbst seit 2022 einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Venezuela ist Russlands wichtigster Verbündeter in Südamerika, allerdings hatte Moskau dem Land keine Unterstützung mehr im Falle eines US-Angriffs zugesichert. US-Außenminister Marco Rubio sprach daher auch nur von „rhetorischer Unterstützung“.
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Zugleich bekam nun eine Aussage aus der Vergangenheit neue Brisanz. Getätigt wurde sie von der einstigen Sonderberaterin von Donald Trump, Fiona Hill, einer ausgewiesenen Russland-Kennerin, in einer Anhörung im Jahr 2019 im US-Repräsentantenhaus. Hill sagte damals, Russland habe der US-Regierung in jenem Jahr über informelle Kanäle angeboten, seine Aktivitäten in Venezuela und die Unterstützung für den dortigen Machthaber Maduro einzustellen, sofern die USA im Gegenzug Moskau in seiner eigenen Einflusssphäre freie Hand ließen. Sprich: Ihr kriegt Venezuela, wir die Ukraine. Dies geschah bereits Jahre vor der russischen Invasion des Nachbarlandes von 2022.
Damals habe die Trump-Regierung davon aber nichts gehalten und den Vorschlag abgelehnt. „Ich erhielt vom Nationalen Sicherheitsrat in Absprache mit dem Außenministerium den Sonderauftrag, den Russen abzusagen“, sagte Hill damals.
Sicherheitsexperte Peter R. Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King’s College in London, sieht klare Indizien, dass die USA unter Donald Trump zu einer außenpolitischen Leitlinie aus dem 19. Jahrhundert zurückkehren – der sogenannten Monroe-Doktrin. Auf diese habe sich Russland laut Hill auch damals schon bezogen. Trump spricht heute in einem Wortspiel von seinem „Donroe-Doktrin“.
Lateinamerika werde dabei als „Hinterhof“ der USA angesehen, Washington alleine entscheide, was in lateinamerikanischen Ländern passiere, ohne Einmischung von außen. „Wenn man sagt, wir haben wieder eine Welt der Großmächte mit ihren jeweiligen Einflusssphären, dann können andere Staaten sagen: Das gilt auch für uns“, sagte Neumann im Interview mit dem Tagesspiegel.
Wenn es möglich ist, so mit Diktatoren umzugehen, dann wissen die USA ja nun, was sie als nächstes zu tun haben.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Ukraine
Die Monroe-Doktrin lasse Schlüsse auf die US-Ukraine-Politik zu. Selenskyj drohe bei Trump mit seinem Verweis, die Ukraine sei ein souveräner Staat, argumentativ abzuprallen. Trumps Argument sei, dass die Ukraine im russischen Einflussraum liege und Putin quasi dort mehr oder weniger freie Hand genieße.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft freilich, dass das US-Vorgehen zu einem anderen Effekt führen wird. Und sich eher Wladimir Putin um die Zukunft fürchten sollte als die Ukraine. Auf die Frage eines Journalisten, wie er die Ergreifung Maduros durch US-Sondereinheiten politisch einordne, sagte er: „Wenn es möglich ist, so mit Diktatoren umzugehen, dann wissen die USA ja nun, was sie als nächstes zu tun haben.“ (jmi)
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