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Der Kommissar und die Polizistin: die Geschwister Anton (Anton Rubtsov) und Tonja Raabe (Alina Stiegler). Sie verbindet zugleich ein schreckliches Familiendrama.

© rbb/Elliott Kreyenberg

ARD-Krimi „Die Raaben und das tote Mädchen“: Wenn die Bäume am Tatort rosafarben leuchten

Man kennt Alina Stiegler aus den Spreewaldkrimis des ZDF. Nun spielt sie für die ARD eine Polizistin im brandenburgischen Senftenberg – mit übersinnlichen Fähigkeiten.

Stand:

Das Fernsehen hält interessante Überschneidungen bereit. Ende Februar läuft im ZDF der neue Spreewaldkrimi mit dem bedrohlichen Titel „Böses muss mit Bösem enden“. Neben Christian Redl als wortkargem Kommissar a.D. Krüger mit seinen hellsichtigen Fähigkeiten spielt Alina Stiegler darin seit drei Jahren als junge Polizistin Luise Bohn eine zentrale Rolle in dieser deutsch-sorbischen Region im Osten Deutschlands.

Ebendiese Alina Stiegler hat nun die Hauptrolle in einer neuen ARD-Reihe übernommen, die am Donnerstag im Ersten Premiere hat (ARD, 30.1., 20.15 Uhr) und bereits jetzt in der ARD-Mediathek abgerufen werden kann.

In „Der Krimi aus Brandenburg: Die Raaben und das tote Mädchen“ spielt Stiegler die Polizistin Tonja Raabe. Ihre Dienstelle befindet sich nicht einmal eine Autostunde vom Spreewald entfernt in Senftenberg und somit ebenfalls in der Lausitz mit ihrer besonderen Geschichte und ihrer mythischen Märchentradition. Tonja und ihr Bruder, der Kriminalkommissar Anton (Anton Rubtsov), verbindet nicht nur ihre sorbische Sprache, sondern zugleich ein Familiendrama, das zumindest Tonja auch nach so vielen Jahren nicht überwunden hat.

Als sie selbst noch ein kleines, siebenjähriges Mädchen war, verschwand ihr jüngerer Bruder Micha. Noch immer weiß niemand, was ihm widerfuhr. Tonja leidet seitdem unter dem Schuldgefühl, dass Micha wie im sorbischen Krabat-Märchen zu einem Raben wurde, weil sie kein braves Mädchen war. Und als ob sich die Geschichte wiederholt, verschwindet in der Premierenfolge des neuen ARD-Donnerstagskrimis erneut ein Kind – diesmal ein kleiner Junge im Babyalter.

Ich fand es unheimlich interessant, mich in diese Wahrnehmung hineinzuarbeiten, mir zu überlegen wie zum Beispiel der Wind für sie schmecken könnte.

Alina Stiegler über die synästhetischen Fähigkeiten von Tonja Raabe.

Bei der Entführung kommt das Au-pair-Mädchen Adelina zu Tode. In Verdacht gerät schnell der Geflüchtete Amir (Mohammad Eliraqui), der sich im Deutschkurs mit der Kolumbianerin angefreundet hat. Aber auch das Verhalten von Liams Eltern Jochen und Lisa Fischer (Franz Dinda und Julischka Eichel) ist nicht immer nachvollziehbar.

Zuständig für den neuen ARD-Krimi ist der RBB, das Drehbuch für die erste Folge stammt von Alexander Buresch, Regie führte Nina Vukovic.

Die Überschneidungen zwischen dem Spreewaldkrimi des ZDF und dem Brandenburg-Krimi der ARD gehen indes weiter. Kommissar Krüger sieht die Ereignisse am Tatort mitunter in einer Art Déjà-vu, was ihm oftmals zu entscheidenden Hinweisen verhilft. Tonja Raabes Fähigkeit heißt Synästhesie.

Es handelt sich dabei um eine erweiterte Sinneswahrnehmung. „Sie geht mit einem anderen Blick durch die Welt, der sehr viel direkter, ,kreativer‘ und vieldimensionaler ist als der der meisten Ermittler*innen, die ich sonst so im Fernsehen sehe“, beschreibt Alina Stiegler diese Fähigkeit selbst. „Ich fand es unheimlich interessant, mich in diese Wahrnehmung hineinzuarbeiten, mir zu überlegen, wie zum Beispiel der Wind für sie schmecken könnte.“

Noch beeindruckender ist der praktische Nutzen. Denn welcher Polizist würde es sich nicht wünschen, so wie Tonja Raabe am Tatort der Entführung des kleinen Liam und der Ermordung von Adelina entscheidende Spuren zu finden, weil einige Bäume des Waldes plötzlich in rosafarbenem Licht zu sehen sind?

Was dem Spreewald die Fließe sind, sind in der Lausitz die Braunkohlen-Tagebaue. Sie prägen entweder als riesengroße Mondlandschaften noch immer die Region oder verheißen im gefluteten Zustand der Lausitz eine neue Zukunft als Tourismusregion. In jedem Fall bietet die Hinterlassenschaft des Braunkohle-Tagebaus mit ihren Aussichtstürmen und ehemaligen XXL-Förderanlagen viele imposante Kulissen für Film-Sets.

Die Familiengeschichte der Raabes wiederum eröffnet dem neuen ARD-Donnerstagskrimi aus Brandenburg genug Raum für eine übergreifende horizontale Erzählung. Das Schicksal von Micha wird Anton und Tonja auch weiterhin beschäftigen, auch das Verhältnis zum Vater ist dadurch nach wie vor belastet. Aber das kennt Alina Stiegler ja auch aus dem Spreewaldkrimi.

Lässt man die offensichtlichen Ähnlichkeiten der beiden Krimi-Reihen einmal außer Acht, bietet der neue ARD-Donnerstagskrimi aus der Lausitz solide Krimi-Unterhaltung, die eine Fortsetzung verdient. Nicht nur für die Sender dürfte es spannend werden, wie sich „Die Raaben und das tote Mädchen“ gegen „Böses muss mit Bösem enden“ in der Zuschauergunst schlägt.

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