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Immer gut angezogen. Designerin Anna von Griesheim demokratisiert sich.

© Getty Images/Tristar Media

Neustart mit bezahlbarer Mode: Designerin Anna von Griesheim bringt neue Kollektion raus

Lange hat die Designerin Berliner Prominente eingekleidet. Nach einer Auszeit stellt sie ihre Expertise nun einem TV-Massenpublikum zur Verfügung.

Stand:

Auf Anna von Griesheims Comeback werden sich etliche Berlinerinnen freuen. Mode, die sich streng an den Bedürfnissen von erfolgreichen Frauen orientiert, ist nämlich gar nicht so leicht zu finden.

Kein Wunder, dass die Designerin lange der Darling war, nicht nur unter den prominenten Politikerinnen und Schauspielerinnen, wie Iris Berben oder Angela Merkel, sondern auch unter anderen, viel beschäftigten Berliner Frauen mit Karriere. Künftig werden auch Kundinnen mit kleineren Budgets von ihrem pragmatischen Ansatz profitieren.

Das halbe Abendkleid in der Handtasche

Zweiteilige Abendkleider aus Crash-Stoffen, die sich im Taxi von der großen Abendrobe in ein Cocktailkleid verwandeln ließen und, in die Tasche gequetscht, immer in Form blieben, coole Kleider, die Rücksicht nahmen auf die Kurven von Frauen, farbenfrohe Strickkombinationen, mit denen sich viele Anlässe mit minimalem Aufwand bespielen ließen, gehörten bis zur Pandemie zu ihren Spezialitäten.

Unmittelbar vor dem ersten Lockdown verkaufte sie Atelier und Showroom in der Pariser Straße in Wilmersdorf und zog nach Zürich, um mehr mit der Familie zusammen zu sein. „Das muss Intuition gewesen sein“, sagt sie rückblickend. „Das war der perfekte Zeitpunkt.“ Sie genoss die Natur in der Schweiz, als Covid alles stilllegte, und gleichzeitig bahnte sich im Hintergrund schon etwas an, womit sie gar nicht gerechnet hatte.

50
Teile umfasst die neue Kollektion.

Am 6. Februar steht sie erstmals live vor der Kamera beim Video-Commerce-Retailer QVC. Kontakte gab es schon länger, Gerspräche folgten, irgendwann bestand sie souverän ein Casting, und nun soll es losgehen mit einer „demokratisierten“ Kollektion fürs Frühjahr und den Sommer.

Demokratisiert bedeutet, dass die 50 Teile für sehr viel mehr Frauen erreichbar sind als einst ihre Haute-Couture-Kreationen. Die Preise für Shirts, Hosen, Blusen, Röcke und Blazer liegen mit Ausnahme von Ledersachen zwischen 50 und 300 Euro.

Man muss immer den Mut haben, sich auf neue Dinge einzulassen.

Anna von Griesheim

Für sie ist das eine völlig neue Erfahrung: „Alles, was im Atelier geht, funktioniert auch auf einer größeren Skala.“ Bei ihren legendären Charity-Sales drängten sich damals im Ellington-Hotel nicht nur Promis, sondern auch mal Mütter von drei Kindern, die sich normalerweise keine Designerkleider leisten konnten, ihre Entwürfe aber trotzdem schätzten und sie dort vergleichsweise preiswert erstehen konnten.

Die italienischen Stoffe, die Griesheim damals bevorzugte, wurden irgendwann sowieso zu teuer. Jetzt schwärmt sie von der vielseitig verwendbaren Pima-Baumwolle, die sie über einen alten Bekannten in der Tuchstadt Bielefeld entdeckt hat.

Neuanfänge mit kleinem Handgepäck

Um die verwenden zu können, braucht sie hohe Stückzahlen. Diese werden ihr nun ermöglicht durch die Kooperation mit QVC . „Hätte ich das vorher alles gewusst, hätte ich das vielleicht schon viel früher ausprobiert“, sagt die Designerin. Nach ihrem Gefühl passt jetzt für sie alles bestens zusammen.

Sie hat immer schon Neuanfänge geliebt, hat sich zuletzt in Wilmersdorf fast zu etabliert gefühlt. Immer schon war sie auch gern auf Reisen, weshalb ihre Capsule-Kollektionen auch früher schon die Möglichkeit eröffneten, mit fünf Teilen im Handgepäck bei vielen Anlässen perfekt auftreten zu können.

Sie ist nicht die einzige Top-Designerin, die mit preiswerten Labels zusammenarbeitet. Von H&M über Benetton bis Uniqlo, von Karl Lagerfeld über Jean-Charles de Castelbajac bis Jill Sander, sind viele diesen Weg schon gegangen.

Wie in anderen Bereichen habe sich auch in der Mode, der Unterschied zwischen E- und U-Kultur aufgeweicht. Hinzu kommt, dass für große Abendroben inzwischen die Anlässe fehlen. Dieses Segment wurde in fast allen Kollektionen reduziert. „Die Kundschaft ist insgesamt sportiver geworden“, hat Griesheim beobachtet.

Im Gegensatz zum androgynen Schönheitsideal

Sie wirkt glücklich über die Chance, durch ihr neues Engagement dazu zu lernen: „Man muss immer den Mut haben, sich auf neue Dinge einzulassen.“ Die Designerin war allerdings auch früher schon bekannt dafür, ihre eigenen Wege zu gehen. Dem androgynen Schönheitsideal vieler männlicher Designer, setzte sie bewusst ihr Verständnis für die rundlichen Spezifika von Frauenkörpern entgegen.

Ihre Kleider aus Crash-Stoffen, die vor allem auch Künstlerinnen viel Bewegungsfreiheit lassen, weil sie so bequem sind, sieht man auf den Berliner Events bis heute an Frauen, die kein Problem damit haben, ihr eigenes Vintage zu tragen. Ob da eine Renaissance bevorsteht? Sie lächelt unergründlich: „Ein bisschen Crash ist noch auf der Welt.“

Vier bis fünf Kilo mehr bedeuten eine Kleidergröße mehr

Auch die neuen Produkte behandelt sie mit der Expertise einer erfahrenen Designerin. Inzwischen gebe es wunderbare neue Stoffe als Alternativen zu Seide und Kaschmir, Stoffe, die unempfindlicher sind und weniger pflegeintensiv. Ihre Schnitttechnik orientiert sie daran, dass sich schon mal zwei Größen überdecken lassen.

Vier bis fünf Kilo mehr, bedeute normalerweise, dass man eine Größe mehr nehmen muss, sagt sie. Kleider, hat sie in ihrem neuen Umfeld gelernt, werden am häufigsten retourniert. Deshalb hält sie sich da zunächst zurück, denkt aber über Entwürfe nach, die diese Quote senken könnten.

Strick bleibt groß

Strick wird weiterhin eine große Rolle spielen. Und sie freut sich schon darauf, vor der Kamera Farbberatung zu inszenieren, dem blonden Hamburger Model Blautöne zu empfehlen, den eher südlichen Typen vielleicht etwas in Bordeauxrot.

Ist ihr eigenes Alter ein Geheimnis? Sie winkt ab. „Sie können ruhig schreiben, dass ich bald 60 werde.“ Das Thema Vorbild zu sein für Frauen ihrer Altersgruppe bewegt sie seit langem. „Ja, wir können neu starten in unserem Alter und glücklich sein dabei, aus unserem Erfahrungsschatz etwas weitergeben zu können.“

Sie genießt die Zusammenarbeit mit Frauen verschiedener Altersklassen, weil alle voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren können. Anna von Griesheim ist eine Frau, die sich immer treu geblieben ist. „Mein Motor war immer, etwas Schönes in die Welt zu bringen.“

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