Beschäftigte fehlten im Schnitt an 18,5 Tagen : Neuer Rekord beim Krankenstand

Niemals vorher fehlten Beschäftigte so lange wegen Krankheit wie 2018. Hauptgrund war eine Grippewelle. Doch auch bei anderen Erkrankungen geht es nach oben.

Arbeitsunfähig. Die Grippewelle hat den Krankenstand 2018 nochmal nach oben getrieben.
Arbeitsunfähig. Die Grippewelle hat den Krankenstand 2018 nochmal nach oben getrieben.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage bei Beschäftigten hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Das ist dem aktuellen Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) zu entnehmen, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wird und dem Tagesspiegel bereits vorliegt. Im Schnitt blieb demnach jeder Arbeitnehmer an 18,5 Tagen wegen Krankheit zuhause. Das waren 0,8 Arbeitsunfähigkeits-Tage mehr als noch im Jahr davor. 

Als Hauptgrund für den Rekordwert nennt die Studie eine „stark ausgeprägte Grippewelle“ mit entsprechend vielen Atemwegserkrankungen und Infektionen. Doch die Zahl der Fehltage ist in den vergangenen zehn Jahren, von kleineren Ausschlägen abgesehen, kontinuierlich gestiegen. 2008 kamen die  Arbeitnehmer in Deutschland im Schnitt noch auf 12,6 Krankheitstage – die Steigerung seither beträgt stolze 46,8 Prozent.

Berlin und Brandenburg deutlich überm Durchschnitt

Im Ländervergleich liegen Berlin und Brandenburg dabei deutlich über dem Durchschnitt. In der Mark fehlte jeder Beschäftigte 2018 rechnerisch an 24,2 Tagen. Das ist, gemeinsam mit Thüringen, der zweithöchste Wert aller Bundesländer. Nur in Sachsen-Anhalt fehlten die Arbeitnehmer noch länger, nämlich an 24,4 Tage. Die Berliner kamen auf 21,1 Krankheitstage – 2,6 mehr als der Bundesdurchschnitt. Am niedrigsten waren die Fehlzeiten in Baden-Württemberg (15,5), in Hamburg (16,0) und in Bayern (16,6).

Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten war dem Report zufolge im vergangenen Jahr mindestens einmal krankgeschrieben (55,9 Prozent). 32,9 Prozent brachten es auf mindestens zwei Krankschreibungen. Zwei Drittel aller Arbeitsunfähigkeits-Fälle dauerten eine Kalenderwoche oder weniger. Bei 4,4 Prozent der Fälle dagegen fehlten die Betroffenen mehr als sechs Wochen.

Verantwortlich für die mit Abstand meisten Krankschreibungen waren Muskel-Skelett-Erkrankungen. Mehr als jeder fünfte Fehltag (23,8 Prozent) ging auf dieses Konto. Am zweithäufigsten fehlten Arbeitnehmer wegen Atemwegserkrankungen (16,4 Prozent) und psychischer Störungen (15,7 Prozent). Alles in allem wurden knapp 56 Prozent aller Fehltage nur durch diese drei Krankheitsarten verursacht.

Wobei die Ausfallzeiten durch psychische Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 5,4 Prozent am meisten gestiegen sind. Verglichen mit den Werten von 2008 haben sich die Fehltage mit dieser Diagnose mehr verdoppelt, der Zuwachs betrug 129,4 Prozent. Das liegt unter anderem auch daran, dass hier mit jedem Krankheitsfall überdurchschnittlich vieler Fehltage verbunden sind – im Schnitt 37 Tage pro Fall. Die Ausfallzeiten wegen Atemwegserkrankungen haben im vergangenen Jahrzehnt um 51,7 Prozent zugelegt, wie wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen um 34,2 Prozent.

Pflegekräfte fehlen am häufigsten wegen der Psyche

Wie stark Beschäftigte von Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen betroffen sind, hänge in hohem Maße von der Arbeit und den damit verbunden Arbeitsbedingungen ab, heißt es in dem Report. Auf besonders viele psychisch bedingte Krankheitstage kämen Arbeitnehmer in Gesundheits-, Erziehungs- und Sicherheitsberufen. Und an der Spitze liegen dabei – wenig verwunderlich – die Beschäftigten in der Altenpflege. Sie kamen auf durchschnittlich 5,8 Fehltage wegen psychischer Störungen – der Durchschnitt aller Beschäftigten liegt bei 2,9.

Doch nicht nur die Arbeit, auch der Erwerbsstatus wirkt sich spürbar auf die psychische Gesundheit aus. So lag der Wert für Arbeitslose (ALG–I) mit durchschnittlich 15,2 Arbeitsunfähigkeits-Tagen fast dreimal so hoch wie der für die am meisten belasteten Beschäftigten der Altenpflege. Arbeit, die als sinnstiftend erlebt werde, könne also durchaus gesundheitsförderlich wirken, resümieren die Forscher. In vielen Tätigkeitsfeldern sei aber darüberhinaus auch Prävention und Gesundheitsförderung vor allem mit Blick auf die Psyche „dringend notwendig“.

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