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Bürgerkrieg in Syrien : Weiter Massenflucht wegen schwerer Kämpfe

Schwere Kämpfe haben in den vergangenen Tagen offenbar rund 150.000 Menschen vertrieben. In Afrin soll eine Klinik von Granaten getroffen worden sein.

Auch am Samstag flohen viele Menschen aus Afrin.
Auch am Samstag flohen viele Menschen aus Afrin.Foto: Bulent Kilic/AFP

In Syrien gehen trotz der Massenflucht Zehntausender Zivilisten die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Allein am Samstag versuchten nach Darstellung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mindestens 10.000 Zivilisten aus der Rebellenhochburg Ost-Ghouta vor Damaskus zu entkommen. 30 Menschen seien bei Luftangriffen getötet worden, erklärte die oppositionelle Gruppierung. Am zweiten Brennpunkt des Krieges, der nördlichen Region Afrin, wies das türkische Militär Vorwürfe zurück, es habe ein Krankenhaus beschossen.

Im Ort Samalka in Ost-Ghuta seien bei Luftangriffen Dutzende Menschen verletzt worden, berichtete die üblicherweise gut informierte Beobachtungsstelle. Eine Stellungnahme der syrischen Regierung war zunächst nicht zu erhalten. Der Kampf um Ost-Ghuta ging offenbar in die entscheidende Phase, nachdem die syrische Armee durch eine eine Offensive nach eigenen Angaben rund 80 Prozent der Enklave erobert und das restliche Gebiet in drei nicht miteinander verbundene Teile gespalten hat. Die vorwiegend islamistischen Rebellen weigern sich bislang zu kapitulieren, wollen aber mit Russland über eine Waffenruhe verhandeln. In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich die islamistischen Gruppierungen Dschaisch al-Islam, Failak al-Rahman und Ahrar al-Scham am Freitag bereit, unter UN-Vermittlung in Genf in "direkte Gespräche" mit Russland einzutreten. Ziel solle sein, die Resolution des UN-Sicherheitsrats für eine 30-tägige Waffenruhe umzusetzen.

Kurden: Türken haben Klinik in Afrin bombardiert

In Afrin warfen die Kurdenmiliz YPG ebenso wie die Beobachtungsstelle der türkischen Luftwaffe vor, Freitagnacht das größte Krankenhaus in kurdischen Stadt Afrin getroffen zu haben. Dabei seien 16 Menschen getötet worden. „Das Krankenhaus wurde von mehreren türkischen Granaten getroffen“, sagte der Arzt Joan Schitika der Deutschen Presse-Agentur. Dutzende weitere Menschen seien verletzt worden. Bilder und Videos kurdischer Aktivisten zeigten den Innenhof des mutmaßlichen Krankenhauses, der voller Trümmer lag. Die türkische Armee bestritt das. Die Angriffe würden so ausgeführt, dass Zivilisten nicht zu Schaden kämen, erklärte das Militär über Twitter.

Nach Angaben kurdischer Stellen und oppositionsnaher Beobachter sind in den vergangenen Tagen mehr als 150.000 Menschen aus der Region Afrin geflohen. Ein Mitglied der kurdischen Regionalregierung sagte, die Menschen strebten in andere kurdisch-kontrollierte Gebiete oder in Gegenden, die von der syrischen Regierung beherrscht würden. Die Türkei hatte im Januar im Norden Syriens eine Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz gestartet. Mit der Militäraktion soll verhindert werden, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet.

In Deutschland forderte die Grünen-Chefin Annalena Baerbock Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, eine Sondersitzung der Nato-Botschafter einzuberufen. Die Bundesregierung müsse sich für einen sofortigen Stopp der Angriffe des Nato-Partners Türkei in Afrin einsetzen und mit Sanktionen drohen, falls die Offensive fortgesetzt werde.

Kurden demonstrieren in mehreren deutschen Städten

Tausende Menschen demonstrierten in Hannover am Samstag gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien demonstriert. Die Teilnehmer protestierten gegen das Vorrücken der türkischen Truppen auf die mehrheitlich kurdische Stadt Afrin. In der niedersächsischen Landeshauptstadt waren zwei Demonstrationszüge angemeldet, an denen sich nach Angaben eines Polizeisprechers insgesamt rund 8000 Menschen beteiligten.

Die beiden Protestmärsche sollten sich zu einer gemeinsamen Abschlusskundgebung vereinen. Einer der beiden Aufzüge musste mehrfach gestoppt werden, da Teilnehmer verbotene Symbole zeigten und verbotene Parolen skandierten, die jeweils einen Bezug zu der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hatten.

Nachdem trotz mehrmaliger Aufforderung Fahnen mit verbotenen Symbolen nicht heruntergenommen wurden, seien Beamte eingeschritten um diese sicherzustellen, teilte die Polizei über Twitter mit. Daraufhin seien Einsatzkräfte mit Flaschen beworfen und mit Fahnenstangen angegriffen worden. Es habe eine Festnahme gegeben. Auch in anderen deutschen Städten waren am Samstag Demonstrationen geplant. Hintergrund ist das kurdische Neujahrsfest Newroz. (Reuters/AFP/dpa)


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