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Insbesondere in Sachsen fehlt derzeit Pflegepersonal. Auf dem Bild eine Intensivstation in Leipzig.
© Waltraud Grubitzsch/dpa

Hitze, steigende Corona-Zahlen, fehlende Pflegekräfte: Deutschlands Krankenhäuser warnen vor Sommer-Kollaps

Wegen Personalnot und bevorstehender Hitzewelle fürchten Klinikleiter massive Ausfälle. Zumal auch die Zahl der Covid-19-Intensivfälle steigt.

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Bundesweit fürchten Klinikleiter, Ärzte und Pflegekräfte durch die Corona-Sommerwelle und die erwartete Hitzeperiode deutliche Einschränkungen in der Versorgung. Schon in dieser Woche konnte nach Tagesspiegel-Informationen in einzelnen Kliniken bis zu zehn Prozent des Pflegepersonals den Dienst nicht antreten, vor allem wegen Sars-Cov-2-Infektionen. Bestätigt wurden diese Angaben aus Süddeutschland nicht.

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Nicht nur die coronabedingten Krankheitsausfälle, auch der übliche Fachkräftemangel und die Urlaubszeit stellen die Kliniken vor Herausforderungen. „Aus allen Bundesländern erreichen uns Meldungen, dass einzelne Stationen und Abteilungen auch wegen Personalmangel abgemeldet werden müssen“, sagte der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Zeitweise würden auch Notaufnahmen bei den Rettungsleitstellen abgemeldet. „Diese Situation besorgt uns erheblich mit Blick auf den bevorstehenden Herbst.“

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Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab werden in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wegen Personalnot bereits Operationen verschoben. Derweil steigt auch die Zahl stationärer Covid-19-Fälle wieder, wenngleich nicht überall. Auf den Intensivstationen gibt es seit Mitte Juni sukzessive mehr Corona-Patienten.

[Lesen Sie auch: Krankmeldungen in der Sommerwelle: Wie stark schädigt Corona die Betriebe? (T+)]

Bundesweit wurden am Mittwoch mehr als 1200 Erwachsene mit einer Corona-Infektion intensivmedizinisch behandelt, zuletzt war dies Anfang Mai der Fall. Aus Brandenburg (Havel) wurden in dieser Woche einige Covid-19-Patienten in andere Krankenhäuser verlegt, die meisten Kliniken der Region können aber noch volle Versorgung gewährleisten.

CSU-Gesundheitsexperte Pilsinger fordert Lauterbach zum Handeln auf

„Wenn wir nicht schon jetzt klare Regelungen für den Herbst auf den Weg bringen, könnten wir in den Krankenhäusern, in den Pflegeeinrichtungen und in den Arztpraxen einen Kollaps erleben, der unser gesamtes Gesundheitswesen ins Schwanken bringt“, sagte der Gesundheitsexperte der CSU im Bundestag, Stephan Pilsinger, dem Tagesspiegel. Er fordere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zum Handeln auf.

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Der SPD-Politiker solle „den Menschen nicht Angst machen und nur ankündigen, sondern endlich konkret handeln“. Die Wirtschaft brauche Planungssicherheit und Vorbereitungszeit, damit es im Falle neuer, hochansteckender Virusvarianten nicht zum Stillstand ganzer Branchen komme.

Angesichts der erwarteten Hitzewelle sagte Gaß: „Falls wirklich die Rekordwerte eintreten, die Meteorologen derzeit für die nächste Woche vorhersagen, werden wir mit einer hohen Zahl an hitzebedingten Krankenhausfällen rechnen müssen.“ In Berlin wollen sich Krankenhäuser und Pflegeheime mit Umbauten und Hitzeschutzplänen wappnen. Wie berichtet hatte im Juni ein neues Hitzeschutzbündnis aus Senat, Ärztekammer und Kliniken erste Musterpläne für das Gesundheitswesen vorgestellt.

Fachkräftemangel in Corona-Zeiten

Seit Jahren suchen Krankenhäuser insbesondere Pflegekräfte, aber auch Laboranten und Techniker. Der Fachkräftemangel werde nicht nur durch die steigende Zahl stationärer Covid-19-Fälle derzeit noch spürbarer, sondern auch dadurch, dass sich Kliniken die wenigen verfügbaren Pflegekräfte gegenseitig abwürben, sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Christian Gräff.

„Wir müssen künftig darüber nachdenken, kleinere Krankenhäuser zu schließen, damit Personal, Expertise und Ausstattung in den großen, dann noch besser ausgerüsteten Maximalversorgen konzentriert werden können“, sagte der CDU-Politiker. Zudem müsse die ambulante Versorgung in den Fokus rücken. „Gerade in Berlin sind viele Patienten, die sich in den Rettungsstellen melden, keine Notfälle“, sagte Gräff. „Für diese Fälle sind Praxen und Versorgungszentren sinnvoller.“

Minister Lauterbach hatte im Mai eine Expertenkommission berufen, die Vorschläge für Deutschlands zukünftige Krankenhauslandschaft machen soll.

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