Gesundheitswesen : Berlin soll Modellstadt für digitale Gesundheit werden

Die Bundesregierung will die Hauptstadtregion zum Innovationstreiber machen. Künstliche Intelligenz soll der Wirtschaft einen Schub geben.

Vom Patienten über das Smartphone direkt zum Arzt - bei der Digitalisierung in der Gesundheitsbranche soll Berlin Vorreiter werden.
Vom Patienten über das Smartphone direkt zum Arzt - bei der Digitalisierung in der Gesundheitsbranche soll Berlin Vorreiter...Foto: Hendrik Schmidt/p-a

Die Bundesregierung will in die Digitalisierungsoffensive gehen – und dabei soll insbesondere der Berliner Großraum gestärkt werden. Geplant ist, die Hauptstadtregion zu einer Modellregion für die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu entwickeln. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will in Berlin und Umgebung ab 2020 den Einsatz ausgewählter digitaler Anwendungen, etwa Gesundheits-Apps, in der Praxis testen – bevor sie in ganz Deutschland zur Anwendung kommen sollen.

Schon nächstes Jahr soll mit der Vorbereitung begonnen werden. Spahn legte seine Pläne dazu bei der Digitalisierungsklausur des Kabinetts vor, die am Mittwoch in Potsdam begann. Dem Tagesspiegel sagte er: „Deutschland kann Innovationstreiber in digitaler Gesundheit werden. Wir müssen uns nur trauen.“ Konkret geht es in dem Modellprojekt darum, Ärzte beim Einsatz digitaler Anwendungen zur Versorgung von Patienten auch finanziell zu unterstützen, bevor diese bundesweit zugelassen werden. Außerdem sollen gezielt Unternehmen im Gesundheitsbereich gefördert werden. Im Haushalt sind dazu nach Tagesspiegel-Informationen bis Ende 2022 rund 20 Millionen Euro vorgesehen.

Berlin begrüßt die Initiative

Das Modellprojekt „Zukunftsregion digitale Gesundheit“ soll eine zentrale Koordinierungsstelle in Spahns Ministerium sowie ein „Expertenbeirat“ zur fachlichen Begleitung umsetzen. In Berlins rot-rot-grünem Senat wird die Ankündigung des Bundesministers begrüßt, auch wenn es am Mittwoch kein offizielles Statement gab. Der Regierende Bürgermeister möchte die Stadt ohnehin als Zentrum der Gesundheitswirtschaft profilieren: Senatschef Michael Müller (SPD) hatte sich kürzlich in Australien mit Blick auf Digitalisierung und Modernisierung im Gesundheitswesen beraten lassen. Dort sind die Gesundheitsdaten eines Patienten bald digital in einer in Echtzeit verfügbaren Patientenakte hinterlegt.

Vivantes und Charité sollen eine besondere Rolle spielen

Bei der Australienreise waren auch Andrea Grebe, die Chefin der kommunalen Vivantes-Kliniken, und Heyo Kroemer, der als künftiger Vorstand der Charité gilt, dabei. Die beiden landeseigenen Klinikkonzerne sollen bei der Digitalisierung eine besondere Rollen spielen; Vivantes und die Charité behandeln fast die Hälfte aller stationären Patienten in Berlin. Ausgewählt hatte Spahn die Hauptstadt, weil es hier eine repräsentative Zahl an Patienten, die erforderliche IT-Infrastruktur und in kaum einer Region des Landes so viele Fachärzte, Medizintechniker und Pharmazeuten gibt. Hinzu kommt wohl, dass Spahn sich 2017 den früheren Berliner CDU-Abgeordneten Gottfried Ludewig als Fachmann für Digitalisierung in sein Ministerium holte.

Weil der Senat die im industriearmen Berlin vergleichsweise erfolgreiche Gesundheitsbranche schon länger stärken möchte, hatte Müller eine Expertenkommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ einsetzen lassen. Vize-Vorsitzender des Gremiums ist Kroemer. Die Kommission soll 2019 konkrete Vorschläge machen, wie die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorangetrieben werden kann.

KI soll volkswirtschaftliches Wachstum bringen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonte zum Auftakt der Kabinettsklausur in Potsdam den Anspruch, Deutschland „zu einem führenden Standort“ für künstliche Intelligenz (KI) zu machen, „sowohl in der Forschung als auch in der Anwendung“. Er geht davon aus, dass bis 2025 sechs Milliarden Euro in KI investiert werden, die Hälfte soll vom Bund kommen, die andere Hälfte durch „private Mittel in gleicher Höhe mobilisiert werden“. Altmaier erwartet, dass durch die Investitionen in KI ein volkswirtschaftliches Wachstum von zusätzlich 1,3 Prozent erzielt werden kann. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) betonte, dass die Gesellschaft durch KI einen „enormen Wandel“ erleben werde. Er gehe davon aus, dass durch Automatisierung und Einsatz von KI bis 2025 rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, gleichzeitig aber 2,3 Millionen neue Jobs geschaffen werden: „Uns wird die Arbeit nicht ausgehen, aber es wird andere Arbeit sein.“

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