• Gründer von „Extinction Rebellion“: Holocaust für Hallam „nur ein weiterer Scheiß in der Geschichte“
Update

Gründer von „Extinction Rebellion“ : Holocaust für Hallam „nur ein weiterer Scheiß in der Geschichte“

Roger Hallam, Gesicht von der Klimaschutzgruppe „Extinction Rebellion“, hat in einem Interview den Holocaust verharmlost. Außenminister Maas reagierte empört.

Roger Hallam bei einer Demonstration.
Roger Hallam bei einer Demonstration.Foto: Andres Pantoja/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Roger Hallam, Mitgründer und Gesicht der Klimaschutzgruppe „Extinction Rebellion“, hat im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ den Holocaust als „nur einen weiteren Scheiß in der Menschheitsgeschichte“ bezeichnet. „Tatsache ist, dass in unserer Geschichte Millionen von Menschen unter schlimmen Umständen regelmäßig umgebracht worden sind“, sagte Hallam. Als Beispiel nennt er den Völkermord im Kongo: „Die Belgier sind im späten 19. Jahrhundert in den Kongo und haben ihn dezimiert.“

„Extinction Rebellion Deutschland“ distanziert sich von Hallam

Die Haltung der Deutschen zu diesem Völkermord bezeichnete er im Gespräch mit der Zeitung als schädlich. Es handele sich dabei um ein „fast normales Ereignis“. Den Holocaust für einzigartig zu halten, tue Deutschland nicht gut. „Das Ausmaß dieses Traumas kann lähmen“, warnte der 53-jährige Brite. „Extinction Rebellion“ ist in Großbritannien entstanden und macht mit Protestaktionen für den Klimaschutz inzwischen in vielen Ländern auf sich aufmerksam.

„Extinction Rebellion Deutschland“ distanzierte sich von Hallam und sprach von „verharmlosenden und relativierenden Äußerungen zum Holocaust“. Hallam sei bei der Bewegung in Deutschland nicht mehr willkommen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) reagierte empört: „Der Holocaust ist mehr als Millionen Tote und grausame Foltermethoden. Jüdinnen und Juden industriell zu ermorden und ausrotten zu wollen, ist einzigartig unmenschlich. Das muss uns immer bewusst sein, damit wir sicherstellen: nie wieder!“, schrieb er auf Twitter.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, forderte auch andere Ableger von „Extinction Rebellion“ dazu auf, sich von Hallam loszusagen. Die Bewegung „muss sich in Gänze glasklar von ihm distanzieren“, sagte Habeck der „Bild“. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach auf Twitter von „inakzeptablem Gerede“ Hallams, das den Holocaust relativiere. „Warum dieses antisemitische und rechtsradikale Framing, wenn es doch angeblich um Klimaschutz geht?“

Ullstein Verlag stoppt Auslieferung des neuen Buchs von Hallam

Der Ullstein Verlag stoppte noch am Mittwoch die Auslieferung des neuen Buchs von Hallam an deutsche Buchläden. „Die Auslieferung des Buches wurde mit sofortiger Wirkung gestoppt“, teilte der Verlag in Berlin mit. Das Werk mit dem Titel „Common Sense. Die gewaltfreie Rebellion gegen die Klimakatastrophe und für das Überleben der Menschheit“ sollte eigentlich am 26. November in die deutschen Buchläden kommen.

Hallam, der in Wales lebt, ist das bekannteste Gesicht der Bewegung. Er ist Soziologe, Buchautor und war Biobauer. Mitte September war er in London festgenommen worden. Im Februar wird er sich vor Gericht verantworten müssen. Er soll versucht haben, den Flugverkehr am Londoner Flughafen Heathrow mit einer Drohne lahmzulegen. Er wollte den Flugverkehr stören und so gegen den Bau einer dritten Startbahn protestieren. Der Flugverkehr trägt zur Klimaerwärmung bei.

Hallam begründete seinen Gesetzesbruch damals damit, mehr Aufmerksamkeit zu schaffen. „Wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant. Dann kann es nur noch direkte Aktionen geben, um das zu stoppen“, hatte er „Spiegel Online“ gesagt.

Auch in Berlin ist die Gruppe „Extinction Rebellion“ aktiv. Vergangene Woche protestierten Aktivisten vor dem Finanzministerium. Ihre Forderung: Keine weiteren Investitionen in Projekte für fossile Brennstoffe. (mit dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!