Christian Wulff kann mit dem Ergebnis des kniffligsten Staatsbesuchs seiner noch jungen Präsidentschaft zufrieden sein. Der Bundespräsident vertrat in der Türkei die Forderung nach mehr Demokratie und Religionsfreiheit, ohne oberlehrerhaft zu wirken oder aber die Lage zu beschönigen.
Frank-Walter Steinmeier
Bundespräsidenten können zwar keine Gesetze schreiben – aber sie können Zeichen setzen. Für Deutschland wie die Türkei sind einige von Wulffs Botschaften unbequem.
Die Deutschen haben gelernt, wozu Antisemitismus führen kann. Marc Young meint, sie sollten deshalb stärker die zunehmende Hetze gegenüber Muslimen in Europa bekämpfen.
Wie beim Ballett: ein Schritt vor, ein Schritt zurück. Die Kanzlerin sagt in einer Rede am Mittwoch „Der Islam gehört zu Deutschland“ und gleich danach „Es gibt übrigens nicht den Islam.
Die Präsidentin der Universität Potsdam, Sabine Kunst, wird heute beim Spatenstich für die neue Türkisch-Deutsche Universität (TDU) in Istanbul mit dabei sein. Sie wird mit Bundespräsident Christian Wulff (CDU) und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) an dem Baustart für das türkisch-deutsche Projekt teilnehmen.
Das integrationspolitische pas de deux von Angela Merkel und Christian Wulff ist von eleganter Klarheit: Wir sagen hier dies und dort das - und richten uns dabei nach dem jeweiligen Publikum.

Wulff trifft im Süden der Türkei Vertreter der christlichen Minderheit – und nennt Religionsfreiheit ein „Menschenrecht“

"Das Christentum gehört zur Türkei", sagte Christian Wulff vor dem türkischen Parlament. Türkischstämmige Deutsche äußern sich positiv zur Rede des Bundespräsidenten.
Wulff trifft beim Gottesdienst in der Paulus-Kirche im Süden der Türkei die Christen - und ist ganz in seinem Element.

Heute feiert Bundespräsident Christian Wulff im türkischen Tarsus eine Messe. Es ist mehr als ein Gottesdienst, es ist ein politisches Statement: für die Freiheit der Religionsausübung.
DER AUSLÖSERIn Berlin und ganz Deutschland wird derzeit intensiv über Migration und Integration diskutiert. Ausgelöst wurde die Debatte durch den ehemaligen Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin und dessen Buch „Deutschland schafft sich ab“, auch die – mittlerweile verstorbene – Jugendrichterin Kirsten Heisig trug mit ihrem Buch „Das Ende der Geduld“ dazu bei.

Das Bild, wie Angela Merkel Fußball-Star Mesut Özil in der Kabine die Hand schüttelt, ging zumindest um die deutsche und türkische Welt. Doch DFB-Präsident Theo Zwanziger war von dem Kabinenbesuch nicht begeistert. Deshalb griff die Kanzlerin zum Telefonhörer.
Bundespräsident Christian Wulff hat bei seinem Besuch in der Türkei erstmals eine selbstkritische Reflexion der deutschen Integrationsprobleme ausgelöst. Wie der Besuch des Bundespräsidenten in der Türkei aufgenommen wird.
Vermutlich hat der Bundespräsident Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ gelesen, im Gegensatz zur Kanzlerin. Bei Horst Seehofer weiß man es nicht, er redet so, als habe er zumindest den Klappentext in der Ausschnittmappe gehabt.
Bundespräsident Christian Wulff hat die Türkei aufgerufen, die Rechte der Christen im Land zu verbessern und ihnen freie Religionsausübung zu ermöglichen. Er plädierte zudem für "faire EU-Beitrittsverhandlungen".
Thilo Sarrazins Buch liegt über den deutsch-türkischen Beziehungen. Bundespräsident Christian Wulff hat bei seiner Rede vor dem türkischen Parlament das Buch nicht erwähnt - dennoch hat er sich damit beschäftigt.

Das Echo auf Wulffs Rede war im türkischen Parlament eher verhalten. Für die Öffentlichkeit ging es am ersten Besuchstag des deutschen Präsidenten eher um Präsident Güls Gattin Hayrünnissa. Wie die Türkei den Wulff-Besuch sieht.

Es war die erste Rede eines deutschen Staatsoberhauptes vor dem türkischen Parlament. Bundespräsident Christian Wulff sprach auch heikle Themen an. Wie wurden seine Worte aufgenommen?
Bundespräsident Christian Wulff am 19. Oktober 2010 vor der Großen Nationalversammlung

Die muslimischen Verbände erhoffen sich vom Besuch des Bundespräsidenten in der Türkei Impulse für die Integration des Islams in Deutschland.

Umfragen zeigen: Deutsche und Türken ähneln sich in der Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten

Bei der Jungen Union wirbt die Kanzlerin für ein Miteinander mit Muslimen. Angela Merkel hat sich entschieden, dem populistischen Druck standzuhalten – auch wenn das nicht allen gefällt.

Die Türkei sollte einmal mit anderen Augen gesehen werden: nicht nur als Verursacher von innenpolitischen Problemen in Deutschland, sondern auch als starker Staat an Europas Grenzen.

So fremd sich Deutsche und Türken manchmal scheinen mögen, so ähnlich sind sie sich doch zumindest in einer Hinsicht: in ihrer durchschnittlichen Intoleranz.

Charmeoffensive vor Wulffs Ankunft in Ankara: Spitzenpolitiker appellieren, die Türken in Deutschland sollten Deutsch lernen und sich möglichst gut integrieren. Aber auch Erdogan und Gül werden den deutschen Gast auf etwas hinweisen.
Von wegen: Das Buch ist überhaupt nicht hilfreich! Selten noch lag das Urteil der amtierenden Bundeskanzlerin so weit neben der Sache wie das Verdikt Angela Merkels über Thilo Sarrazins Millionen-Hit.
In Deutschland wird über den Islam gestritten, in der Türkei werden Christen verfolgt. Bei seinem Besuch am Bosporus in dieser Woche will Bundespräsident Christian Wulff über die Lage der türkischen Christen sprechen. Mit welchen Schikanen müssen sie rechnen?
20 Minuten Fahrzeitersparnis können vor der emotionalen Herausforderung eines betriebswirtschaftlichen Abräumens kultureller Überlieferungen so wenig bestehen wie der angebliche volkswirtschaftliche Nutzen multikultureller Zuwanderung in eine alternde Gesellschaft vor Überfremdungsängsten. Politik sollte Emotionen ernst nehmen.

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Der Rechtsextremismus gehört zu Deutschland. Er siedelt nicht mehr am rechten Rand. Als Extremismus einer nicht mehr immunisierten Mitte lässt er sich im Zentrum der Gesellschaft nieder, in allen Schichten, bei allen Generationen.
Zur Integrationsdebatte Seit Jahren machen wir in der Integrationsfrage zwei Dinge elementar falsch: Wir lassen uns erstens von halb- und ganzkriminellen Elementen auf der Nase herumtanzen und überhaupt viel zu viel gefallen. Zweitens haben wir keine Willkommenskultur gegenüber denjenigen, die alles „richtig“ machen: Deutsch sprechen, sich als Deutsche fühlen, fleißig arbeiten, Steuern zahlen, Arbeitsplätze schaffen, für ihre Kinder gute Bildung anstreben, gute Nachbarn sein.

Kommende Woche besucht Bundespräsident Wulff die Türkei. Im Vorfeld schaltet sich der türkische Staatspräsident Gül in die Integrationsdebatte ein - und ergreift Partei für Mesut Özil.
Der Tod des SPD-Politikers Scheer hinterlässt eine große Lücke in der Politik nach 30 Jahren im Kampf für saubere Energien
Bundespräsident Christian Wulff hat zum Abschluss seines viertägigen Staatsbesuchs in Russland die deutsche Wirtschaft zu mehr Engagement in dem wachstumsstarken Land aufgerufen. Die Tore für Deutschland und deutsche Unternehmen seien weit offen, sagte Wulff am Freitag auf dem Rückflug nach Berlin.
Der Bundespräsident besucht die Türkei – er dürfte seine Forderung nach mehr Religionsfreiheit für die Christen erneuern
Der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Der Träger des Alternativen Nobelpreises hinterlässt eine große Lücke in der Politik nach 30 Jahren im Kampf für saubere Energien.
Dmitri Medwedew beruft einen neuen Chef des Rates für Menschenrechte – der provoziert Premier Putin mit seiner Forderung nach Entstalinisierung Russlands

Zu unseren Grundwerten gehört ein Präsident, welcher der Redekunst zumindest in Ansätzen mächtig ist. Harald Martenstein ist fassungslos über die Rede des Bundespräsidenten zum Jahrestag der Wiedervereinigung.
Die Präsidenten Wulff und Medwedew scheinen sich gut zu verstehen – und besprechen sensible Themen.
Landtagsmandat niedergelegt / FDP in Sachsen mehrheitlich für Gauck
Expertise listet Sarrazins Fehlverhalten seit 2009 auf