
© Marie Staggat für den Tagesspiegel
Mobile Funkmasten und eine Skisprungschanze: Wie Brandenburg Berlin bei Stromausfall und Olympiabewerbung behilflich sein kann
Beim Tagesspiegel-Neujahrsempfang waren mit den Ministern René Wilke und Robert Crumbach auch zwei märkische Spitzenpolitiker zu Gast in der Hauptstadt. Und erklärten, wie Brandenburg dem Nachbarn mit unkonventionellen Mitteln zur Seite stehen kann.
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Unter Nachbarn bietet man sich Hilfe an. Ob die dann immer angenommen wird, ist eine andere Frage. Das zeigte sich am Dienstagabend beim Neujahrsempfang des Tagesspiegels, bei dem mit Innenminister René Wilke (SPD) und Finanzminister Robert Crumbach (parteilos) zwei Brandenburger Regierungsmitglieder den Kontakt mit Berliner Senatskollegen pflegten – die teils selbst märkische Wurzeln haben. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) stammt wie Wilke aus Frankfurt (Oder).
Beim großen Stromausfall, der den Südwesten Berlins für mehrere Tage lahmlegte und nicht nur Giffey forderte, stand Brandenburg jedenfalls sofort bereit, um den Berlinern zu helfen.
Er habe seine Amtskollegin, Berlins Innensenatorin und nun auch Parteikollegin Iris Spranger angerufen und Unterstützung angeboten, erklärte Brandenburgs Innenminister René Wilke, der im November als Parteiloser der SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke beitrat. Rund 40 Einsatzkräfte der Brandenburger Bereitschaftspolizei unterstützen die Berliner Kollegen bei Evakuierungsmaßnahmen und Sicherung der Wohngebiete.
„Wir haben auch Pflegeheimplätze, Notunterbringung und anderes angeboten“, so Wilke. Genutzt wurde das aber nicht. Ebenso wenig wie besondere Geräte, die das Land Brandenburg nach Erfahrungen mit Funklöchern während der schlimmen Waldbrände in den vergangenen Jahren angeschafft hat: transportable Mobilfunkmasten.
Und wie wäre das Flächenland Brandenburg auf eine Blackout-Lage vorbereitet ?„Das kann uns alle treffen“, so Wilke. Deswegen sei das Hilfsangebot an Berlin auch eine Selbstverständlichkeit gewesen. Die Situation in Brandenburg sei eine andere, unter anderem weil es eine andere Netzstruktur gebe. Kompletten Schutz könne es nicht geben. Durch die inzwischen im Land eingerichteten Katastrophenschutzzentren sei Brandenburg aber „vorbereitet, wenn etwas passiert“, so der Innenminister.
Mit Skisprungschanze vors Brandenburger Tor
Mit einer ganz anderen Form der Unterstützung will Finanzminister und Vize-Regierungschef Robert Crumbach Berlin auf die Sprünge helfen. Im November übergab Crumbach Lottomittel in Höhe von rund 26.000 Euro an den Wintersportverein 1923 Bad Freienwalde, der das nördlichste Skisprungzentrum Deutschlands betreibt. Mit dem Geld wurde eine mobile Sprungschanze gekauft, die durch Brandenburg und Berlin touren soll, um Flachland-Kinder fürs Skispringen zu begeistern.
Mit der Schanze, so Crumbachs Plan, könne für die von Brandenburg unterstüzte Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele geworben werden – auch wenn es um Sommerspiele geht. Im Februar würde er gerne mit Berlins Regierendem Kai Wegner (CDU) vor dem Brandenburger Tor samt Schanze den olympischen Gedanken hochhalten. Ob Berlin auf diese Offerte eingeht, ist noch ungewiss.
Ratschläge für die anstehende Wahl in Berlin will Crumbach hingegen nicht erteilen. Vergangene Woche hatte er den Absprung genommen und war aus dem BSW aus- und als Parteiloser in die SPD-Fraktion eingetreten. Und ebnete so durch neue Mehrheitsmöglichkeiten den Weg für eine Koalition aus SPD und CDU. Etwas, das Berlin schon kennt, nur andersrum, Schwarz-Rot statt Rot-Schwarz.
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