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Dietmar Woidke (SPD) am Montag bei einem Vor-Ort-Besuch an der Oder. 
© Patrick Pleul/dpa

Umweltkatastrophe an der Oder: Woidke kritisiert erneut polnische Behörden

Brandenburgs Ministerpräsident ist weiter davon überzeugt, dass das Fischsterben in der Oder nicht nur natürliche Ursachen hat.

Potsdam - Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat erneut den Umgang der polnischen Seite mit der Umweltkatastrophe in der Oder massiv kritisiert. Er sei „tief enttäuscht“ von der „schlechten Kommunikation“ der polnischen Regierung, sagte der Regierungschef am Mittwoch am Rande eines Besuchs auf der Landesgartenschau in Beelitz (Potsdam-Mittelmark). „Es ist Tatsache, dass sechs Tage, bevor bei uns Fische gestorben sind, Fische in Polen gestorben sind – und wir wurden nicht informiert.“ Polen wäre auf Grund internationaler Verträge verpflichtet gewesen, Deutschland frühzeitig über das Geschehen in Kenntnis zu setzen, sagte Woidke, der von 2014 bis Anfang 2022 Polenbeauftragter der Bundesregierung war. 

Algen als mögliche Ursache werden untersucht 

In der Brandenburger Verfassung ist seit Juni festgeschrieben, die Freundschaft zu Polen zu betonen. Das beziehe sich auf die Menschen in Polen, so Woidke, die Freundschaft zum Nachbarland werde von der Umweltkatastrophe nicht beeinträchtigt. „Auch die Lebensader der Menschen in Polen wurde vergiftet“, so der Ministerpräsident. Er gehe nach wie vor davon aus, dass das Fischsterben nicht nur natürliche Ursachen hat. „Das können wir getrost ausschließen, sonst würden sich die hohen pH-Werte und der erhöhte Sauerstoffgehalt und vieles andere mehr nicht erklären“, sagte er am Mittwoch. Auf der Suche nach der Ursache für das massenhafte Fischsterben hatten Forscher auch am Mittwoch weiter eine giftige Algenart im Blick, die sich im Fluss rasant entwickelt hat. Mittlerweile sei die Mikroalge mit dem Namen Prymnesium parvum identifiziert worden, sagte der Gewässerökologe Christian Wolter der Deutschen Presse-Agentur. Unklar sei nach wie vor, ob das Toxin der Alge der Grund für das Fischsterben in der Oder sei. Ob sie in diesem Fall Giftstoffe produziert hat, müsse noch nachgewiesen werden, betonte der Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Er sprach von einer massiven Algenblüte mit 200 Mikrogramm pro Liter und mehr als 100 000 Zellen pro Milliliter Wasser. Im Rahmen ihrer Ermittlungen zur Oderverunreinigung vernahm die polnische Staatsanwaltschaft bislang 228 Zeugen. Die Ermittler hätten zudem zwölf Ortsbesichtigungen an unterschiedlichen Flussabschnitten vorgenommen, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak. 

36 Tonnen tote Fische in Deutschland 

Erstmals gibt es offizielle Angaben zum bisherigen Ausmaß des Fischsterbens in Deutschland: Nach Schätzungen sind hier bereits rund 36 Tonnen verendete Fische gefunden worden, wie das Bundesumweltministerium am Mittwoch unter Berufung auf Helfer und Landkreise in Brandenburg mitteilte. 

Kritik an fehlender Unterstützung für freiwillige Helfer 

Der Landesjagdverband mit Sitz in Michendorf bemängelte am Mittwoch aus seiner Sicht fehlende Unterstützung durch das von Axel Vogel (Grüne) geführte Brandenburger Umweltministerium für die freiwilligen Helfer, darunter auch Jäger, die die toten Fische einsammeln und entsorgen. „Kompetente und schnelle Unterstützung ist mal wieder nicht in Sicht“, so Dirk- Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes. Die Zusammenarbeit mit dem betroffenen Landkreis Märkisch-Oderland funktioniere reibungslos, dieser gehe bei der Bekämpfung der Katastrophe an die Grenzen des Möglichen. „Die unteren Ebenen funktionieren, jedoch ist diese enorme Aufgabe für einen Landkreis allein nicht stemmbar“, so Wellershoff. (mit dpa)

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