zum Hauptinhalt

Landeshauptstadt: Auto der SPD-Politikerin Roth-Behrendt angezündet

Polizei rätselt über Motiv der Brandstiftung: Zusammenhang mit Uferstreit oder mit Tätigkeit ihres Manns in der Griechenland-Krise?

Groß Glienicke - Im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke haben unbekannte Täter den BMW der SPD-Europaabgeordneten Dagmar Roth-Behrendt in Brand gesetzt. Der Wagen befand sich vor dem Grundstück mit dem Haus, dass die Sozialdemokratin seit 2007 bewohnt. Das Auto der Politikerin, die bis Anfang 2012 auch noch als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments fungierte, brannte in der Nacht zum Montag völlig aus, teilte die Polizei mit. Dazu sei ein weiterer Opel, der gleich in der Nähe stand, durch die Hitze des Feuers beschädigt worden.

Über das Motiv für die Tat konnte zunächst nur spekuliert werden. So war Roth-Behrendt in den schon seit Jahren währenden Streit um ein freies Seeufer am direkt angrenzenden Groß Glienicker See verwickelt. Auch ihr Ehemann stand in der Kritik. Er ist der SPD-Politiker Horst Reichenbach, Leiter der „Task Force Griechenland“ der Europäischen Kommission. Der Krisenstab überwacht die Umsetzung der von der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank mit Griechenland vereinbarten Maßnahmen. Reichenbach wurde deswegen in der griechischen Presse heftig attackiert. Unter anderem wurde er als „Gau-Leiter“ bezeichnet.

Ein Bekennerschreiben fand die Polizei allerdings nicht. Doch deuteten die Umstände des Geschehens, etwa das auch eine Büchse mit roter Farbe gegen das Haus geworfen wurde, auf einen persönliche Angriff gegen Roth-Behrendt oder auch ihren Mann hin, hieß es aus Ermittlerkreisen. Wie es hieß, ermittelt der für politische Taten zuständige Staatsschutz.

Die Tat selbst ereignete sich kurz nach drei Uhr. Ein technischer Defekt könne als Brandursache aber ausgeschlossen werden, hieß es von Ermittlern. Unklar blieb zunächst, wie genau der BMW in Flammen geriet. Vor dem Grundstück in der Seepromenade waren am Montag gegen 14.30 Uhr die Ermittlungen noch in vollem Gang – auch einen Spürhund setzte die Polizei ein, um den oder die Brandstifter zu finden. Der Hund verfolgte dabei eine Fährte bis zur nahen Badestelle, berichteten Zeugen. Der BMW stand verkohlt vor der Einfahrt zum Grundstück, die Zufahrt hatte die Polizei abgesperrt.

Eine Reaktion von Dagmar Roth-Behrendt war am Montag bis zum Redaktionsschluss nicht zu erhalten. Die Politikerin war in dem Ortsteil im Zuge des Streits um einen freien Uferweg in Groß Glienicke in die Kritik geraten, nachdem sie im Jahr 2009 einen Teil ihres Seegrundstücks einzäunen ließ. Seinerzeit sagte Roth-Behrendt, der Zaun diene als „temporärer Schutz“ für eine Hecke, bis diese selbst groß genug sei. Dies solle die „ungestörte Privatnutzung“ ermöglichen. Die nicht eingezäunten Flächen am See seien oft mit Glasscherben und Hundekot verunreinigt. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte das Verhalten seiner Parteifreundin damals als unglücklich bezeichnet. Den Uferbereich selbst wolle sie „keinesfalls sperren“, so Roth-Behrendt – vielmehr müssten Seeufer öffentlich zugänglich sein. Ihr Grundstück liege auch nicht unmittelbar am Uferweg. Später wurde ein Kompromiss gefunden: Roth-Behrendt baute den umstrittenen Zaun wieder ab und verhandelt mit der Stadtverwaltung über die Übertragung einer Dienstbarkeit für den Uferweg. Stadtsprecher Stefan Schulz bestätigte den PNN am Montag, dass die Gespräche mit Roth-Behrendt gut verlaufen sind. Im vergangen Jahr hatte es noch Proteste von Einwohnern gegen separate Einigungen mit Grundstücksbesitzern gegeben.

UPDATE: In einem früheren Bericht hieß es, es ermittle das Dezernat für besonders schwere Kriminalität. Wie ein Polizeisprecher sagte, sei der Staatsschutz aber die ermittelnde Behörde - diese habe die Emittlungen übernommen. Wir bitten die ungenaue Darstellung zu entschuldigen.

Zur Startseite