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Voll fokussiert. Jill Scott möchte mit dem englischen Nationalteam bei der EM im eigenen Land nicht weniger als den Titel.
© imago images/Manuel Geisser

England möchte den Heimvorteil nutzen: Die Favoritinnen der Fußball-EM

England, Spanien oder doch die Niederlande? Wer bei der EM die größten Chancen hat und warum Deutschland nicht zu den Favoritinnen gehört.

Eigentlich spricht statistisch viel für die deutschen Fußballerinnen. Als Rekordsiegerinnen mit acht Titeln, sechs davon bei den jüngsten sieben Europameisterschaften, gehört das DFB-Team in der Theorie zu den Favoriten auf den Turniersieg. In der Praxis sieht das allerdings etwas anders aus.

Zu viele Nationen haben in den vergangenen Jahren aufgeholt, während die Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft stillstand. Bei der EM 2017 schieden die deutschen Spielerinnen bereits im Viertelfinale gegen Dänemark aus, die Bürde des Favoriten liegt in diesem Jahr also eher auf anderen Nationen.

Zum Beispiel auf Gastgeber England, der ohne Frage als Topfavorit ins Turnier geht. Neben dem Heimvorteil, der in solch einem fußballverrückten Land beflügeln kann, überzeugen die „Three Lionesses“ vor allem fußballerisch und sind seit September 2021 ungeschlagen – seit die Niederländerin Sarina Wiegman Cheftrainerin ist. Sie wurde 2017 bereits Europameisterin mit den Niederlanden – bei einer Heim-EM. Wiegmann weiß also, wie es geht und könnte England den ersten EM-Titel bescheren.

Bei der Nominierung des Kaders verzichtete Wiegman etwas überraschend auf die langjährige Kapitänin Steph Houghton, die sich Ende Januar verletzte und seitdem kein Spiel mehr für ihren Verein Manchester City bestritt, ihre Rolle übernahm bereits im vergangenen Jahr Mittelfeldspielerin Leah Williamson vom FC Arsenal. Das größte Star-Potenzial des Teams hat aber Lauren Hemp, die sich nach und nach zu einer der besten Flügelspielerinnen der Welt entwickelte, und das mit gerade einmal 21 Jahren.

Lässt sich Barcelonas Erfolg aufs Nationalteam übertragen?

Zum ersten Mal gilt Spanien als einer der großen Favoriten des Turniers und ist gleichzeitig einer der Gruppengegner von Deutschland. In den vergangenen Jahren etablierte sich der FC Barcelona immer mehr an der Spitze des europäischen Fußballs, was auch Auswirkungen auf das Nationalteam hatte, in dem der Großteil der Spielerinnen bei Barcelona aktiv ist.

Eine absolute Leistungsträgerin ist Alexia Putellas, die in diesem Jahr als erste Spanierin den Ballon d’Or gewinnen konnte. Dagegen muss das Team von Trainer Jorge Vilda auf Torgarantin Jennifer Hermoso verzichten, die sich in der Vorbereitung am Knie verletzte.

Angeführt wird das Team von Abwehrchefin Irene Paredes, die mit ihrer Defensive im letzten Jahr kein einziges Gegentor kassierte. Die Spanierinnen sind in diesem Jahr noch ungeschlagen und auch wenn die Ausbeute bei vergangenen Turnieren mau war, zählen sie dieses Mal zu den Top-Favoritinnen. Die Gruppengegnerinnen sind neben Deutschland Dänemark und Finnland.

Nicht zu vergessen sind die Europameisterinnen aus den Niederlanden, die 2019 Vize-Weltmeisterinnen wurden und bei Olympia 2021 das Viertelfinale erreichten. Seit letztem Herbst ist der Engländer Mark Parsons Trainer und kann sich im Sturm auf Rekord-Torschützin Vivianne Miedema, Lineth Beerensteyn sowie die zukünftige PSG-Spielerin Lieke Martens verlassen.

Aber auch der Rest des Teams und vor allem das erfahrene Mittelfeld um Rekordspielerin Sherinda Spitse, die Wolfsburgerin Jill Roord oder Jackie Groenen gilt als torgefährlich. Die Generalprobe ging mit einer 1:5-Klatsche gegen England zwar gründlich daneben, trotzdem dürften die Niederländerinnen nicht zu unterschätzen sein. In der Gruppe treffen sie auf Portugal, Schweiz und Schweden.

Schweden geht mit hohen Erwartungen ins Turnier

Der vierte und letzte Favorit des Turniers ist Schweden. Das Team von Peter Gerhardsson geht als aktuell Zweitplatzierte in der Fifa-Rangliste ebenfalls mit hohen Erwartungen ins Turnier. Bei der WM 2019 wurden sie Dritte und bei Olympia 2021 verpassten sie im Elfmeterschießen nur knapp die Goldmedaille.

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Schweden hat im Jahr 1984 die erste Europameisterschaft überhaupt gewonnen und erreichte seitdem jedes Mal mindestens das Viertelfinale. Im Kader fehlen zwar die ganz großen Stars, dafür überzeugt dieser mit einem sehr ausgeglichenen und hohen Niveau.

Vor allem die Offensive ist dank Fridolina Rolfö, Stina Blackstenius oder Lina Hurtig sehr stark besetzt und auch in der Defensive kann man auf erfahrene Spielerinnen wie Magda Eriksson, Bayerns Hanna Glas oder Linda Sembrant zählen.

Die Deutschen haben in diesem Feld nur eine Außenseiterrolle – aber die kann ja manchmal komfortabel sein, wobei bei einer EM der Frauen noch nie ein Außenseiterteam am Ende triumphiert hat.

Charlotte Bruch

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