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Das Spiel gegen England war kein Grund, sich zu verstecken, aber auch kein Anlass zu ausgelassener Freude.
© Action Images via Reuters

Die Nationalmannschaft gegen große Gegner: Gewinnen ist auch wichtig

Gute Leistung, aber kein gutes Ergebnis. Bundestrainer Hansi Flick ärgert sich über das Unentschieden gegen England. Zu Recht. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Stefan Hermanns

Hansi Flick steht nicht im Verdacht, sich besonders lange mit Dingen aufzuhalten, die er nicht beeinflussen und die er vor allem nicht mehr ändern kann. Mit Dingen, die in der Vergangenheit liegen zum Beispiel.

Am Dienstagabend war das ausnahmsweise anders. Da begab er sich nach dem Abpfiff des Spiels seiner Mannschaft gegen England zum Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande und hat, nach eigener Aussage, noch lange mit ihm diskutiert.

Es ging um die Szene, die Flick ein wenig die Laune verhagelt hatte. Kurz vor Schluss verhängte der spanische Schiedsrichter, nach Ansicht der Videobilder, einen Elfmeter für die Engländer, den er aus seiner unmittelbaren Wahrnehmung heraus nicht verhängt hatte. Und der den Gästen schließlich kurz vor Schluss doch noch den Ausgleich zum 1:1-Endstand bescherte. Flick tobte.

Elf Spiele hat er als Bundestrainer jetzt hinter sich. Noch immer ist die Fußball-Nationalmannschaft unter ihm ungeschlagen, doch am Dienstagabend in München verfestigte sich ein Trend, der a) kurios ist und der b) Flick nicht gefallen dürfte. Dem 1:1 gegen Holland im März folge ein 1:1 gegen Italien am vergangenen Wochenende, folgte ein 1:1 gegen England. Gegen die sogenannten Großen des Weltfußballs ist Flick damit weiterhin ohne Sieg.

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Das ist auch deshalb ärgerlich, weil die Ergebnisse der jüngsten drei Länderspiele das Licht auf seine herausragende Startbilanz als Bundestrainer ein wenig herunterdimmen: Acht Siege in den ersten acht Spielen – Respekt, aber guckt euch mal die Gegner an! Armenien, Liechtenstein, Island.

Es gab eine Zeit, da hat man dieses „Wir schlagen keine Großen mehr“ für fast schon pathologisch gehalten. Anfang des Jahrtausends war das. Aber damals fehlte es dem deutschen Fußball schlicht an Qualität, um sich gegen Teams wie Frankreich, Argentinien, Holland oder England durchsetzen zu können. Das hat sich geändert. Eigentlich müsste es die Nationalmannschaft können können.

„Wir arbeiten dran“, sagt Flick

Das macht die Sache aber nicht zwingend einfacher. Ja, gegen Holland fehlten viele potenzielle Stammspieler. Ja, gegen England machte die Mannschaft es sehr viel besser als drei Tage zuvor gegen Italien. Jedes Spiel ist ein Fall für sich. Trotzdem hat eine solche Bilanz Einfluss auf die Spieler.

Ein Jahr nach der verkorksten EM sehnt sich die Mannschaft nach Bestätigung für ihr Tun, nach Verlässlichkeit auf hohem Niveau. Der Auftritt gegen England war in dieser Hinsicht zwar hilfreich, weil er viele fußballerische Fortschritte zu Tage förderte. Gerade deshalb aber war das Ergebnis – nur unentschieden – umso frustrierender.

Gewinnen ist auch wichtig. Erst recht für diese Nationalmannschaft, die sich noch auf einem Selbstfindungstrip befindet. Das weiß auch und vor allem Hansi Flick, der sehr wohl im Verdacht steht, sich mit großer Sorgfalt den Dingen zu widmen, die er beeinflussen kann. Künftige Siegen gegen Große zum Beispiel.

„Wir arbeiten dran“, sagte er. Wenn es gut läuft, dann bekommen Flick und seine Mannschaft bis Ende des Jahres noch einige Gelegenheiten zu beweisen, dass sich diese Arbeit auszahlt.

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