• Warum die BR Volleys in Polen spielen wollen: „Aus eigener Kraft können wir nicht mehr wachsen“

Warum die BR Volleys in Polen spielen wollen : „Aus eigener Kraft können wir nicht mehr wachsen“

Die BR Volleys befürchten in der Bundesliga zu stagnieren und treiben deshalb einen Wechsel in die polnische Top-Liga voran. Die Pläne sind konkret wie nie.

In der Bundesliga und im nationalen Pokal jubelten die Volleys ständig.
In der Bundesliga und im nationalen Pokal jubelten die Volleys ständig.Foto: imago/Andreas Gora

Grenzübergreifenden Volleyball-Projekten gegenüber ist Kaweh Niroomand generell positiv eingestellt. Als Österreichs Dauermeister Innsbruck vor drei Jahren sich mit Unterhaching zusammenschloss und als Alpenvolleys in der Bundesliga mitspielen wollte, betonte der Manager der BR Volleys sofort die Chancen für seinen Klub und die Liga. Konkurrenz belebe einfach den Wettbewerb und das Geschäft, unterstrich er.

Nun ist es Niroomand selbst, der über die Grenzen blickt. Der 67-Jährige erwägt ernsthaft, sich mit den Volleys der polnischen Liga anzuschließen. Dass der Deutsche Meister darüber nachdenkt, in einer der stärksten Ligen Europas mitzuspielen, ist nichts Neues. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Gerüchte, die Berliner seien der Bundesliga so weit entwachsen, dass sie eine neue Herausforderung suchten in Polen, dem gelobten Volleyball-Land, wo die Sportart in der Beliebtheit direkt hinter Fußball rangiert. Es blieben Gerüchte. „Jetzt sind die Pläne so konkret wie noch nie“, sagt Niroomand.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Die Überlegungen erklärt der Volleys-Manager vor allem mit der Situation der Bundesliga, die durch die Coronavirus-Pandemie in arge Turbulenzen geraten ist. Die Klubs aus Rottenburg, Unterhaching/Innsbruck sowie Eltmann haben sich aus der Liga zurückgezogen. Gerade einmal zehn Vereine werden in der nächsten Saison der Bundesliga angehören. „Die Liga wird schwächer sein nach Corona“, sagt Niroomand. „So können wir dort nicht mehr vorankommen. Aus eigener Kraft können wir nicht mehr wachsen.“ Also hieß es für ihn: „Entweder wir gehen einen neuen Weg oder wir schrauben zurück.“

Laut Niroomand habe es die Deutsche Volleyball-Liga (VBL) versäumt, neues Kapital heranzuholen, etwa in Gestalt eines Ligasponsors – den es aber nicht gibt. Zudem spielen einige Klubs noch in besseren Turnhallen, was die Vermarktungsmöglichkeiten bremst. Die Volleys hingegen sind mit der gut besuchten Max-Schmeling-Halle und ihrem Budget von mehr als 2,5 Millionen den Konkurrenten weit enteilt.

Auch die sportliche Dominanz der Berliner wuchs in den vergangenen Jahren stetig. Der Dauerrivale VfB Friedrichshafen ist eigentlich auch ein Dauerverlierer in den letzten Duellen um die Deutsche Meisterschaft. In der zurückliegenden Saison, die ohne einen Meister im März kurz vor dem Hauptrundenende abgebrochen wurde, hatten die Volleys jedes Spiel gewonnen und waren Pokalsieger geworden. Wirklich gefordert wurden die Volleys national zuletzt nicht, und so war dann die Umstellung in den Duellen der Champions League mit den Topteams aus Russland, Italien und Polen oft zu groß für die Berliner.

Manager Kaweh Niroomand sucht neue Entwicklungsmöglichkeiten für seinen Klub.
Manager Kaweh Niroomand sucht neue Entwicklungsmöglichkeiten für seinen Klub.Foto: imago/ Camera 4

Auch merkt Niroomand, dass es immer schwieriger werde, starke Spieler zu holen, ohne ihnen die Perspektive einer hochklassigen Liga bieten zu können. Zudem ziehen stets die besten Berliner gen Polen und Italien weiter.

Weil Niroomand also befürchtet, dass sein Klub in eine Phase der Stagnation zu rutschen droht, kontaktierte er die Verantwortlichen der polnischen Liga. „Zu meiner Überraschung erhielten wir eine positive Reaktion“, sagt er. In den nächsten Tagen stehen weitere Termine der polnischen Liga-Vertreter an, bei denen auch über die Volleys weiter beraten wird.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass es mit einem Wechsel klappt, ist nicht so groß“, sagt Niroomand. Schließlich könnte sich noch der Europäische Verband dagegenstellen. „Aber wir müssen es einfach probieren.“ Für die kommende Saison sei der Schritt ohnehin zu früh, betont Niroomand. All die rechtlichen Faktoren seien bis Herbst nicht zu klären. Er hofft auf Signale aus Polen bis zum Ende des Sommers. Für die Bundesliga haben die Volleys aber natürlich die Lizenz für die nächste Saison beantragt.

Dort dürfte es frühestens im Herbst wieder für die Berliner losgehen. Und auch dann wäre die Frage wohl nur, wie souverän die Volleys dieses Mal Meister werden. In der polnischen Liga wäre das anders, da wären sie mit einer Platzierung unter den Top vier oder fünf schon zufrieden, sagt Niroomand. Konkurrenz belebt eben den Wettbewerb und das Geschäft.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!