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Der Virologe Drosten kritisiert den schleppenden Impffortschritt in Deutschland.
© Kay Nietfeld/dpa

„Können mit dieser Impfquote nicht in den Herbst gehen“: Drosten rechnet mit gesamtgesellschaftlichen Kontaktbeschränkungen

Das deutsche Impftempo lahmt weiter. Der Virologe Drosten erwartet deshalb baldige Kontaktbeschränkungen und nennt die Impfmüdigkeit „ein großes Problem“.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité rechnet für den Herbst mit abermaligen Beschränkungen aufgrund des schleppenden Impffortschrittes in der Corona-Pandemie. „Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen“, sagte er im Deutschlandfunk. „Das reicht absolut nicht aus.“ Demnach werde die Gesellschaft ihre Kontakte wieder einschränken müssen. „Das ist ganz klar. Die Infektionslast steigt im Herbst“, begründete Drosten seine Annahme.

Jüngsten Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von diesem Donnerstag zufolge liegt der Anteil an vollständig Geimpften in Deutschland knapp acht Monate nach Beginn der Impfkampagne bei 60,9 Prozent. Als Ziel benannte Drosten eine Impfquote, „die im Bereich von 90 Prozent und höher liegt“.

Mit Blick auf die Erfahrungen aus England warb Drosten eindringlich dafür, die Impfquote nun zu verbessern. In England seien die Impfquoten je nach Altersgruppe zwar nur fünf bis zehn Prozent höher als in Deutschland. Doch es gelte dabei zu beachten, dass es hierzulande zwar glücklicherweise nicht so viele natürliche Infektionen gegeben hat wie in England - dies mit Blick auf die aktuelle Impfmüdigkeit jedoch für „die besonders alte Gesellschaft“ riskant sei.

Die bisherigen Pandemie-Maßnahmen in Deutschland seien „richtig gewesen“, so Drosten. „Aber wir müssen uns jetzt klarmachen: Wir stehen nicht so da wie England und wir sind in einer Situation, in der man am besten an der Impfquote jetzt arbeiten sollte.“

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Den großen Anteil an Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, bezeichnete Drosten als „ein großes Problem“. Demnach reichten alle anderen Maßnahmen wie Testungen zur nachhaltigen Eindämmung der Pandemie nicht aus. Sie seien nur „Nebenwerkzeuge“, so der Virologe. „Die bei weitem besten Antwort auf dieses gesamtgesellschaftliche Problem ist die Impfung.“ Arbeite man jetzt mit diesen Behelfsmitteln weiter, komme man nicht zum Ziel.

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Die aktuelle Pandemielage sei schlechter, als eine Modellierung des RKI noch im Sommer angenommen hatte. Deshalb schloss Drosten erneute Beschränkungen nicht aus. „Wir werden nach Auffassung dieser Modellierung natürlich gesamtgesellschaftlich die Zahl der Kontakte wieder einschränken müssen.“ Ob diese Maßnahmen auch für Geimpfte gelten sollten, ließ Drosten offen.

Durchseuchung von Kindern „kann man auf keinen Fall machen“

Zudem sprach sich Drosten klar gegen die Durchseuchung von Kindern aus: „Das kann man auf keinen Fall machen.“ Demnach sei die notwendige Sicherheit nach Auswertung bisheriger wissenschaftlicher Daten zu diesem Thema nicht gegeben.

Allerdings räumte Drosten ein, dass es wieder einen Schulbetrieb geben müsse. Weitere Schulschließungen könne man den Kindern nicht zumuten. Dabei müsse aber verhindert werden, dass es „zu einem exponentiellen Anstieg der Infektionstätigkeit in dieser nicht geschützten Altersgruppe“ kommt. Für Kinder unter 12 Jahren empfahl er, die regelmäßigen Corona-Tests in den Schulen beizubehalten. Zur Frage der Quarantäne in Schulen sagte Drosten, dabei müsse möglicherweise mit Kompromisslinien gearbeitet werden. 

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Hoffnung für alle jüngeren Kinder gäben indes fast abgeschlossene Phase-III-Studien zu Impfungen bei Kindern. „Wir werden wahrscheinlich Anfang des Jahres auch Impfstoffe für jüngere Kinder haben, die zugelassen sind“, sagte Drosten.

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Ähnlich hatte sich zuvor der Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Florian Hoffmann, geäußert. „Wir gehen fest davon aus, dass es ab kommendem Jahr Impfstoffe für alle Altersklassen geben wird, sogar zugelassen bis hin zu Neugeborenen“, sagte der Kinderarzt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Einen Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren erwarte er bereits Ende dieses Jahres, so Hoffmann. Diese Gruppe werde voraussichtlich eine reduzierte Impfstoffdosis bekommen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte Mitte August eine Impf-Empfehlung für Kinder ab zwölf Jahren ausgesprochen. (Tsp)

[Anmerkung der Redaktion: Die Äußerung Drostens zur Quarantäne in Schulen ist im Vergleich zu einer früheren Version geändert, da der Virologe nicht – wie dort geschrieben – von einer solchen abrät, sondern von möglichen „Kompromisslinien“ spricht.]

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